»Dann gehen am Ende noch alle hier weg. . .«

13. Dezember 2011, 14:23 Uhr
Ín überschaubarem Rahmen konnten bei der Bürgerversammlung Sachverhalte bespriochen werden, die auf den Nägeln brennen. (Foto. ks)

Bürgermeister Dietmar Schlosser konnte dagegen natürlich nichts sagen, stimmt er doch mit seinen Amtskollegen seit langem das gleiche kritische Klagelied an. Aber es gibt Hoffnung, so Schlosser: »Die Klagen kommen endlich oben an,« glaubt er.

Und so werde man die kommenden Jahre nicht drumherum kommen, die Standards auf dem Land zu senken, wenn die Infrastruktur überhaupt noch bezahlbar sein soll. Ansonsten könnte man meinen, dass die Feldataler ziemlich zufrieden sind, denn zur Bürgerversammlung am Montag im Gemeinschaftshaus Ermenrod hatten sich nur knapp
20 versammelt, darunter einige Gemeindevertreter und Ortsvorsteher Friedhelm Westrupp. Stadtverordnetenvorsteher Michael Schneider hatte die Besucher begrüßt, bevor Bürgermeister Schlosser einen kurzen Überblick über Arbeiten gab, die schon gelaufen sind oder noch anstehen.

Er erwähnte den Fortgang der Dorferneuerung Köddingen, den umgebauten Bauhof, den Anbau an die Feldahalle, Kanalbau Köddingen und Stumpertenrod, Erneuerung der Kreisstraße in Ermenrod, das neue Feuerwehrfahrzeug (»hat sich in Windhausen schon bewährt«), das Schlaglochprogramm und die Fortschritte beim schnellen Internet (bei der Funklösung für einige Orte sollen Feldataler Firmen tätig werden). Im Frühjahr soll die Brücke über den Katharinenbach in Köddingen erneuert werden. Die Dorferneuerung Köddingen geht weiter, neue Spielgeräte werden für Groß-Felda angeschafft. Am Gemeinschaftshaus Ermenrod soll die Dachsanierung weiter gehen, eventuell soll eine Photovoltaikanlage aufs Dach.

Wichtig für die Bürger ist der Sachstand beim Ärztehaus, der Grundstückserwerb ist laut Dietmar Schlosser von Seiten der Gemeinde aus gesichert. Die Planung sei aber schwierig, »wenn man nicht weiß, wer denn reingeht.« Die Gemeinde habe für die Finanzierung eines solchen Hauses eh kein Geld, man ist auf einen Partner angewiesen und sehe sich hier bei Dr. Harlfinger gut aufgehoben. Gemeinsam mit einem Planungsbüro soll jetzt ein Konzept für das Ärztehaus erstellt werden.

Ein Thema, das bei den Bürgern Unverständnis auslöst, ist die gesplittete Abwassergebühr, die auch im Feldatal kommt, fragt sich nur, wann. Es gibt laut Bürgermeister noch Beratungsbedarf, doch vielleicht sei man gezwungen, »diese gesplittete Gebühr schneller einzuführen als wir wollen.« Ein Bewohner habe bereits um eine andere Abrechnung gebeten, weil er das Niederschlagswasser nicht in den Kanal leitet. Schlosser versuchte zur beruhigen und erklärte, dass auf die allermeisten wohl gar keine höheren Kosten zukommen, weil die Gebühr nur anders berechnet wird.

Vielleicht müsse die Gemeinde mehr bezahlen, weil sie durch ihre Gebäude versiegelte Flächen hat, wo aber wenig Wasser verbraucht wird. Leider würden die vorbereitenden Arbeiten (wie »Befliegung«) die Gemeinde schon eine Menge Geld kosten. Einige (viele?) finden das alles übertrieben: »Die Gemeinde hat kein Geld und lässt sich noch alles von oben überstülpen«. Da müsse man sich mal wehren. Denn die Sorge besteht, »dass am Ende noch alle hier weggehen.« Ganz unbegründet ist die Sorge nicht. Hatte doch der Bürgermeister eingangs davon gesprochen, dass die Gemeinde in den vergangenen Jahren von 3200 auf jetzt 2658 Einwohner geschrumpft ist.

Der Bürgermeister rückte das Bild aber etwas gerade, »hier lebt man im Vergleich zu anderen Gemeinden noch recht günstig.« Auf eine Frage, warum der Zahnarzt weggegangen ist, antworte der Bürgermeister, den Betreffenden habe die Sache mit dem Ärztehaus zu lange gedauert und man sei deshalb nach Gemünden gezogen.

Zur Wasserversorgung sagte Schlosser, dass Ermenrod bald an Groß-Felda angeschlossen wird, denn das Wasser aus der Schürfquelle war öfters verkeimt und musste chloriert werden. Für Ermenrod soll jetauch ein »altes« noch unerschlossenes Neubaugebiet beplant werden.

Schlosser sagte weiter, dass man eigentlich gern von Windkraftanlagen profitieren wollte. Doch weil die Gemeinde das Geld nicht hat und Interessenten, die angesprochen wurden, nicht anbissen, musste man den Bau am »Biehnes« der Firma Renertec überlassen. Die gibt pro Anlage (vier) 5000 Euro pro Jahr an die Gemeinde, dazu einmalig 20 000 Euro und sie zahlt die Küche im DGH Zeilbach. »Das wars dann aber schon,« so der Bürgermeister. Er machte aber Hoffnung, es gebe weitere gute Windkraftstandorte, auf denen man tätig werden könnte, so nahe der »Platte« bei Helpershain.

Auch diese Kritik wollte jemand loswerden: »Von der Gemeinde gab»s keinen Kranz zum Volkstrauertag, aber Groß-Felda hat eine recht pompöse Weihnachtsbeleuchtung! Wer zahlt denn den Strom dafür?« Die Gemeinde, räumte der Bürgermeister ein.

Parlamentsvorsteher Schneider appellierte am Schluss an alle, zusammen zu stehen, »denn welche Gemeinde unserer Größe hat den noch eine solch gute Infrastruktur?«

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