Feldatal

Mehrere Anbieter für Windpark bleiben im Rennen

22. Juni 2012, 14:48 Uhr
Nahe Zeilbach wuchsen in den vergangenen Wochen Windanlagen in die Höhe, zwischen Köddingen und Stumpertenrod sollen weitere entstehen. (Archiv)

Feldatal (jol). Überraschende Einigkeit zeichnet sich im Feldataler Gemeindeparlament ab und das trotz hohen Streitpotentials, weil es um viel Geld, nämlich 400 000 Euro Einnahmen pro Jahr, geht. Die Gemeindevertretung beschloss am Donnerstag einstimmig das Vorgehen für den Windpark Eckmannshain. Vier Projektentwickler werden aufgefordert, einen städtebaulichen Vertrag aufzusetzen. Dann werden die vier (oder mehr) Angebote nebeneinander gelegt und der beste gewinnt. Ziel ist dabei, möglichst viel für die Gemeinde aus der Energie zu ziehen, »die jeden Tag über uns hinweg fegt«, wie es Hubert Klaus (SPD) ausdrückte. Eventuell wird eine außerplanmäßige Sitzung des Parlaments nötig, um zügig zu entscheiden, vor der Sitzung der Regionalversammlung im November.

Spannendster Punkt der Gemeindevertreter-Sitzung am Donnerstag im Gemeinschaftshaus Windhausen unter Leitung von Michael Schneider war zweifelsohne der zum Windpark. Zur Erinnerung: Die Gemeinde soll stärker von der Energiewende profitieren und höhere Einnahmen aus dem millionenteuren Windkraftanlagen im Gemeindebereich erzielen. Deshalb machen sich Bürgermeister Dietmar Schlosser und die Parlamentarier dafür stark, bis Herbst einen Windpark im Bereich zwischen Köddingen und Stumpertenrod zu ermöglichen. Hauptpunkt: Die neuen Anlagen mit Nabenhöhe um 130 Meter sollen auf Gemeindeland stehen, um die erklecklichen Pachteinnahmen zu kassieren. Pro Anlage sind da bis zu 50 000 Euro im Gespräch, bei acht Anlagen sind das 400000 Euro pro Jahr – Geld, das die arme Gemeinde gut gebrauchen kann, um das laufende Defizit auszugleichen. Zum Vergleich: Der Überziehungskredit (Kassenkredit) der Kommune ist zu 1,3 Millionen Euro ausgereizt.

Klar ist, je genauer der Vertrag mit dem Betreiber eines Windparks gestaltet ist, desto höher können die Einnahmen der Gemeinde ausfallen. So erinnerte Monika Becker (FWG) an die Debatte im Hauptausschuss, in der die CDU für das höchste Angebot eingetreten ist. Die Firma Inea will 22 Windkraftanlagen errichten und bietet fast 40000 Euro Pachtzins pro Gerät. Zudem, soll über einen Energieanbieter verbilligter Strom angeboten werde, das soll die Bürger über 20 Jahre um 10 Millionen entlasten. Die Energiegenossenschaft Vogelsberg EGV will nur acht Anlagen errichten, die dafür leistungsstärker sind. Dafür bleibt der Ertrag zum höheren Teil in der Region. Und Anbieter Luftstrom, hat auf Monika Becker ebenfalls einen »guten Eindruck gemacht«. Elisabeth Schott (FWG) sprach sich für das Angebot der EGV aus, weil da mit der HessenEnergie ein erfahrener Projektierer mitmische. Die Firma Inea habe noch keine Windparks in Deutschland und es sei nicht klar, ob es sich nur um ein »Lockangebot« handele und nachher deutlich weniger Anlagen errichtet werden. Die 3-MW-Anlagen der Genossenschaft sollen 50000 Euro Pachteinnahme pro Jahr bringen, das wären bei acht Stück stattliche 400 000 Euro allein durch Pacht.

Ralf Bunn (CDU) meinte, man könne über den Vertrag die Zahl der Anlagen regeln. Zudem sei die Einsparung von 10 Mio. Euro für die Bürger zu berücksichtigen. Das wies Monika Becker zurück, ihr sei nicht klar, weshalb ein Unternehmen »einfach so 10 Millionen verschenkt«. Die Strompreis-Ermäßigung werde zudem nur für zwei Ortsteile währt und es sei nicht günstig, sich 20 Jahre an einen Lieferanten zu binden.

Hubert Klaus (SPD) warb ebenso wie Karl-Friedrich Dörr (CDU) für das vom Bürgermeister vorgeschlagene Verfahren, mit den Bewerbern Verträge zu erarbeiten und sich dann im Vergleich der Angebote zu entscheiden. Klaus meinte, man verliere dadurch keine Zeit, weil die Verträge auf jeden Fall erstellt werden müssen. »Wir sind Gottseidank auf dem Weg, die Energie zu nutzen, die jeden Tag über uns hinweg fegt«. Arnold Hacke (SPD) ergänzte, dass die Gemeinde den größten Ertrag aus den Anlagen zieht, wenn sie diese selbst in Auftrag gibt und errichtet. Das geht aber aus Geldmangel nicht. Der zweitbeste Weg ist über die regionale Energiegenossenschaft, die ein Büro mit der Projektierung beauftragt. Variante 3 ist der Weg über einen Projektierer, der aber rund 350000 Euro für die Planungsarbeiten kassiert.

Auch bei Peter Weiß (AUF) war eine Priorität auf die Genossenschaft zu erkennen. Er sah aber nur geringes Engagement bei HessenEnergie, da könne eventuell ein anderes Büro beauftragt werden. Er bat darum, weitere Anbieter im weiteren Verfahren zu belassen. So habe eine Firma Möscht bei seiner Faktion einen guten Eindruck gemacht.

So einigte man sich darauf, dass neben den drei bislang in die engere Wahl genommenen auch weitere Firmen im Verfahren bleiben. Bürgermeister Schlosser wies darauf hin, dass die Planung bis Herbst stehen muss, weil der Teilregionalplan Energie von der Regionalversammlung bereits im November beraten wird.

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