Frühbarockes Marketing

12. Mai 2015, 15:33 Uhr
Harald Rosmanitz (links) im Gespräch mit Tilo Niehof vom Geschichtskreis der Schlosspatrioten.

Mit diesem Hinweis begrüßte der Vorsitzende des Vereins Schlosspatrioten, Markus Haumann, die zahlreichen Interessierten im Kaminsaal des Schlosses.

Mit Harald Rosmanitz, studierter Kunstgeschichtler und Projektleiter »Archäologie« des Archäologischen Spessartprojekts (ASP) – Institut an der Uni Würzburg, hatte man einen begeisterten Forscher und Fachmann für den Vortrag gewinnen können. 53 000 Objekte umfasst das von ihm erstellt Ofenkachel-Archiv (furnArch).

Kachelöfen waren neben ihrer oftmals repräsentativen Funktion natürlich auch von multifunktionellem Nutzen. So hielt er natürlich die Stube warm, wurde aber auch zum Trocknen von Wurst genutzt oder aber frisch geschlüpfte Küken wurden darunter gewärmt – auch in herrschaftlichen Häusern.

Etwa alle fünf Jahre musste ein Kachelofen abgebaut werden, gerissene Kacheln wurden ausgetauscht und die Versottung wurde entfernt, ansonsten drohte ein Ofenbrand mit verheerenden Folgen. Wie kamen aber nun diese Berman-Kacheln gerade in das Homberger Schloss? Grundsätzlich war es so, dass der ortsansässige Stadthafner (= Ofenbauer oder auch Töpfer) das Vorverkaufsrecht für Kacheln innerhalb der Stadt hatte, egal wie gut die Qualität war. Der Adel jedoch hatte sich andere Recht zusichern lassen und konnte seinen Ofen auch aus anderen Städten beziehen.

Hans Berman, dessen Name auf den Kacheln zu finden ist, darf man sich als guten Geschäftsmann vorstellen. Er entwarf Rahmen und Mittelfeld der Kachelform getrennt, um sie frei kombinieren zu können, ließ Negativmatrizen davon anfertigen und verkaufte diese wiederum an Töpfer. Die Töpfer konnten dann beliebig viele und beliebig kombinierbare Kacheln herstellen. So ist der Name Berman auf der Kachel sozusagen der »Markenname«.

Berman-Kacheln waren »trendy«

Berman, über dessen Herkunft man noch rätselt, scheint das »Handwerk« des barocken Marketing gut verstanden zu haben: seine hochwertigen Produkte, die höhere Schichten ansprach, waren im letzten Drittel des 16. Jahrhunderts sehr beliebt und von der Schweiz bis nach Skandinavien und im Baltikum weit verbreitet – »trendy« würde man heute sagen. Die bei den notwendigen Reparaturarbeiten ausgetauschten gerissenen Kacheln wurden gerne – wie wohl auch hier in Homberg – als Füllmaterial genutzt.

Wie kann man sich nun den Kachelofen im Homberger Schloss vorstellen? Wahrscheinlich handelte es sich um einen Kombinationsofen mit gusseisernem Unterbau – so erhielt man eine schnellere Wärmeabgabe und nutzte die Vorteile der Wärmespeicherung. Die gefundenen Kacheln wurden ca. 1580 hergestellt, auch wenn das »Designjahr« 1562 darauf stehe.

»Sie werden sicherlich noch weitere Kachelfragmente finden – heben sie sie gut auf und reinigen sie sie nicht zu sehr!« ermunterte Harald Rosmanitz, allein der Belag auf den Kacheln erzähle noch viel über die Bearbeitung und den Einsatz. Er selber habe auch gerade noch beim Vorbeigehen ein Eckstückchen einer Kachel am Fuße der Linde entdeckt, beendete Rosmanitz seinen sehr ansprechenden Vortrag und zeigte den neuesten Fund.

Gleich diese erste öffentliche Veranstaltung des Arbeitskreises der Schlosspatrioten für das Jahr 2015 war eine mit hochkarätig besetztem Referenten gelungene Veranstaltung im Kaminsaal des Schlosses. Mit einem kleinen Sektumtrunk endete der Abend und so mancher der Zuhörer wird alten Kacheln in Museen künftig sicherlich eine etwas andere Aufmerksamkeit zukommen lassen!

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