Leben streng geregelt

21. Juni 2015, 18:23 Uhr
Beate Goßfelder-Michel und Markus Haumann bedanken sich bei dem Referenten Dr. Fehrenbach (Mitte).

Homberg (chi). Dr. Bernd Fehrenbach war dieser Tage für einen Vortrag in das Homberger Schloss gekommen, um einen Vortrag über Burgen und speziell über das Homberger Schloss zu halten. Begrüßt wurde er Beate Goßfelder-Michel und Markus Haumann von den Schlosspatrioten im voll besetzten Kaminsaal.

Mit ihm als Autor des Buches »Die Burgenpolitik der Landgrafen in Hessen im Spätmittelalter (1263-1413)« hatte man einen Spezialisten für den zweiten Vortrag des Geschichtskreises in diesem Jahr gewinnen können.

»Die ganze Burgen-Forschung stützt sich überwiegend auf Quellen von Chronisten und natürlich auf die Arbeiten der Archäologen,« leitete Dr. Fehrenbach seinen Vortrag ein. Funktionen einer Burg im Mittelalter gab es unterschiedliche: als Wohnsitz der Familie, als Mittelpunkt eines Herrschaftskomplexes, als Zentrum eines vorwiegend auf Selbstversorgung ausgerichteten Wirtschaftbetriebes, aber auch als Schutz- und Verteidigungsanlage um wehrhaft zu bleiben.

Burgen wurden gerne für die politische Zwecke eingesetzt, so gab es neben der Nutzung als Wohnsitz der Familie Amts-, Pfand- und Lehensburgen – wichtig für die Verwaltung und auch für die Ausweitung der Herrschaft.

Funktion als Rathaus

In Besitz einer Burg kam man über Kauf, Bau, Schenkungen, als Hochzeitsgabe und nicht zuletzt durch Erbe. Nutzte man sie als Amtsburg, konnten von dort aus Steuern und Zölle erhoben werden und auch die Urkundenausstellung war möglich. Vergleichbar war ihre Funktion dann mit der eines Rathauses. Für Ritter und Adlige, die nicht genügend Geld besaßen, um sich eine eigene Burg zu bauen, war die Lehnschaft (Nutzung der Burg) die einzige Möglichkeit, zu einem repräsentativen Wohnsitz zu gelangen.

Um die Burg in Homberg – Ersterwähnung 1146, seit 1190 im Besitz des Landgrafen von Thüringen und im Rahmen der Langsdorfer Verträge von 1263 an Heinrich I. von Hessen (das Kind – Enkel der Heiligen Elisabeth) abgetreten – gab es diverse Erbstreitigkeiten und Fehden. Letzlich fiel die Burg an Otto, Sohn aus erster Ehe von Heinrich I. . Die dentrologische Untersuchung eines Holzbalkens im Boden des jetzigen Cafes belegt, dass der Baum, aus dem der Balken gefertigt ist, im Winter des Jahres 1303/04 gefällt (und wahrscheinlich direkt verbaut) wurde. Man kann annehmen, dass Otto, nachdem die Besitzverhältnisse geklärt waren, diese Bautätigkeit vornehmen ließ, um selber auf der Burg zu leben.

Für 70 Gulden Amtmann

Doch bereits 1348 erfolgte unter Landgraf Heinrich II. eine Verpfändung der Burg für 6306 Pfund Heller an Johann von Eisenbach und Ritter Volpracht von Dernbach – die Einnahmequelle »Zölle und Steuern« ging dem Landgrafen somit ab. Spätestens ab dem 17. Juli 1389 wurde die Burg in Homberg Amstsburg: es existiert eine Urkunde, aus der hervorgeht, dass der Ritter Dietrich Schutzbar an diesem Tag für 70 Gulden Amtmann zu Homberg wurde. Übte ein Amtmann sein Amt verlässlich aus, war alles gut. Wenn er sich aber etwas hatte zu schulden kommen lassen, konnte der Landgraf den Amtmann jederzeit absetzen.

Aus einer weiteren Urkunde ist zu entnehmen, dass Eberhard Schenk zu Schweinsberg der Jüngere Landgraf Hermann II. Burglehensgeld für fünf bis sechs Jahre quittierte. Dies bedeutete, dass Eberhard für den Schutz der Burg zuständig war – musste dafür aber nicht an Kriegszügen des Landgrafen teilnehmen.

Lob für Schlosspatrioten

Das Leben auf und mit den Burgen war im Mittelalter streng geregelt. Burgen selber galten als rechtlicher Raum. Auch der Adel musste sich an geltendes Recht halten. Von und mit den Burgen wurde Politik gemacht – auch mit den Menschen auf der Burg. »Die Burg ist ein kulturelles Erbe – umso schöner ist es, dass es solche Vereine wie die Schlosspatrioten gibt, die sich um dieses Erbe kümmern,« schloss Dr. Fehrenbach seinen sehr interessanten Vortrag vor vollbesetztem Kaminsaal im Homberg Schloss ab.

Im Anschluss unterhielten sich die Besucher dieser zweiten erfolgreichen Veranstaltung des Geschichtskreises noch bei Getränken sowie Knabbereien und begutachteten das Cafe, unter dessen Dielen der Balken aus dem Jahr 1303/1304 liegt – bald aber für die Öffentlichkeit unter einem Schauglas zu sehen sein soll.

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