Aus dem Scheitern lässt sich lernen

30. Juni 2013, 18:43 Uhr
Katja Kraus (links) stellte im Schloss ihr Buch »Macht – Geschichten von Erfolg und Scheitern« vor, rechts Kraus’ langjährige Freundin Bettina Pfeil. (Foto: rha)

Der persönliche Dialog der ehemaligen HSV-Managerin mit ihrem Publikum und ihrer langjährigen Freundin Bettina Pfeil, die die Lesung moderierte, ermöglichte dabei einige spannende Gespräche.

Kraus hätte in ihrem Buch ihre eigene Geschichte von Erfolg und Scheitern erzählen können. Immerhin hat die 42-Jährige eine ganze Reihe von Lebensstationen hinter sich, vom Besuch der Sportschule in Grünberg, über ihre Jahre als Torhüterin des FSV Frankfurt, die Funktion als erste Pressesprecherin von Eintracht Frankfurt, den Vorstandsposten beim Hamburger SV bis hin zu ihrer Gegenwart als Autorin.

Statt jedoch ihren eigenen Lebensbruch nach dem Verlust ihres Jobs beim HSV zu thematisieren, sprach sie mit anderen über deren Macht, den plötzlichen Machtverlust und die Zeit danach. Prominente Menschen aus Politik, Kultur und Sport erzählten Kraus ihre Geschichte, darunter Sven Hannawald, Roland Koch, Andrea Ypsilanti und Hera Lind.

Was treibt Menschen an? Haben mächtige Menschen, die Öffentlichkeit, in der sie stehen, gesucht? Spürt man die eigene Macht? Was macht man, wenn man seine Macht plötzlich verliert? Wie bewertet die Gesellschaft Macht? Wie urteilt die Öffentlichkeit über diejenigen, die ihre Macht verloren haben? Kraus ist mit ihrem Buch all diesen Fragen nachgegangen und hat viele individuelle Antworten gehört.

Dass Macht und das ganze Themenfeld, das sich um die Macht herum aufspannt, jedoch keineswegs nur für besonders machtvolle Menschen interessant ist, zeigte sich am Freitagabend. Besonders zum Thema »Machtmissbrauch« entwickelte sich eine interessante Auseinandersetzung mit den Zuschauern. Kraus betonte hierbei, wie sehr ihr die Generalverurteilung gescheiterter Menschen zuwider ist. Es zeige ein »unbarmherziges Menschenbild«, dass diejenigen, die scheitern, oft mit Häme überschüttet werden. Zudem liege in einem solchen Prozess des Scheiterns auch immer eine Reife. Aus dem Scheitern lasse sich lernen.

Auch Kraus hat gelernt, mit ihrem Machtverlust umzugehen. »Ich wollte aus dieser hektischen Zeit heraus«, schilderte sie ihre Bedürfnisse nach acht Jahren Vorstandsarbeit beim HSV. Das Schreiben sei nun das absolute Kontrastprogramm zu ihrem vorherigen beruflichen Umfeld. »Schreiben ist sehr still, sehr einsam. Ich wollte sehen, was das mit mir macht«, erzählte Kraus.

Aus den Auszügen, die Kraus aus ihrem Buch vorlas, sprach eine ruhige Beobachterin, eine Frau, die sich Zeit genommen hat, um genau hinzusehen, ohne ein vorschnelles Urteil zu fällen. Präzise in der Beobachtung und ebenso präzise in ihrer Wortwahl schildert die Autorin ihre Begegnungen mit den einst Mächtigen.

Ulrike Sowa, Inhaberin der Buchhandlung, die die Lesung gemeinsam mit den Schlosspatrioten organisiert hatte, bestätigte diesen ersten Eindruck. Sie schätze besonders den Wahrheitsgehalt des Buches. Jedoch sei es »wohldosiert« zu genießen, da die einzelnen Kapitel erst einmal verarbeitet werden müssten. Auch die Besucher der Lesung nahmen wohl einige Gedanken mit auf den Heimweg. Denn Erfolg und Scheitern beschäftigen, ob nun als Zuschauer oder Betroffenen, jeden.

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