Kriminelle Finanzmethoden

27. Oktober 2013, 18:48 Uhr
»Ich habe selten so gelacht bei einer Krimi-Lesung«, so Ulrike Sowa von der Buchhandlung Homberg, die dem Krimiautor Matthias P. Gilbert für seine Lesung aus dem Buch »Pechsträhne« in der Stadthalle dankte. (Foto: eva)

Rund 120 Lesebegeisterte hatten sich zum größten Teil schon im Vorfeld Karten gesichert, um den Kasseler Krimiautor live zu erleben. Gilbert las aus seinem neuesten Buch »Pechsträhne«. Darin geht es um einen nordhessischen Investmentbanker, der durch seine dubiosen Machenschaften Menschen in den Ruin oder gar in den Tod treibt. Der Krimi ist der elfte Fall der Kriminalisten Hauptkommissar Paul Lenz und dessen jungen Kollegen Thilo Hain, die auch schon in Gilberts Vorgängerbüchern ermittelten.

»Ich fange grundsätzlich immer mit einer klitzekleinen Geschichte an«, so Gilbert, der sich dem Publikum als ein in Königstein im Taunus geborener und in Kassel lebender »Franzose mit allem was dazugehört«, vorstellt und der in seiner Vita als ein »französischer Autor deutschsprachiger Kriminalromane« beschrieben wird, weil Gilberts Vater Franzose ist.

Der Autor begann mit der Geschichte um Martha, die im Kasseler Stadtteil Wilhelmshöhe in einem Seniorenstift lebt. Sie ist eine von vielen, die, nachdem sie durch die unlauteren Finanzgeschäfte der Nordhessenbank ihr Hab und Gut verloren hat, keinen Sinn mehr im Leben sieht und in einem Abschiedsbrief ihren Suizid ankündigt und erklären möchte: »Ja, ich möchte nicht mehr leben, ich möchte es einfach nicht mehr«, schreibt sie. Finanzielle Not habe sie ruiniert, alle Ersparnisse seien aufgebracht, alle Konten stünden auf Null, und sie bittet alle um Verzeihung, die dadurch mitbetroffen sind, da sie nichts mehr zu vererben hat. Während sich in der Stimme des Autors zu Beginn seiner Geschichte die Entrüstung über die kriminellen Finanzmethoden widerspiegelte, erklangen nun, als er von Martha, ihrer Ausweglosigkeit und ihrem Vorhaben sich das Leben zu nehmen las, sanfte Töne «... und sie betrachtete ihren faltigen, aber immer noch schönen Körper im Spiegel, bevor sie in die Badewanne mit dem duftenden Schaum stieg«. Eindringlich die Beschreibung, wie sich Martha durch die Einnahme von Schlaf- und Schmerzmitteln in einen Tagtraum fallen und ihr Leben nochmals Revue passieren ließ.

Leser haben Mitgefühl mit getötetem Hund

Mit klarer Stimme und den Worten: »Martha ist die erste Tote in dem Krimi«, holte der Autor die Zuhörer auf den Boden der Tatsachen der Kriminalgeschichte zurück, und die Ereignisse nehmen ihren Lauf. Denn, so erfuhr das Publikum alsbald, in einer Villa in Kassel wird die übel zugerichtete Leiche des Bankmanagers Sven Vontobel, nebst ebenfalls erschossenem Hund gefunden. Es stellte sich heraus, dass der Ermordete wegen seiner Wertschöpfungsmethoden selbst bei Kollegen unbeliebt war. (Wobei der Autor zwischendurch betonte, dass bei seinen Lesungen dem erschossenen Hund, im Gegenteil zu dessen Herrchen, von den Lesern sehr viel Mitgefühl entgegengebracht werde, so dass für die Zukunft zu überlegen sei, Tiere in seinen Geschichten doch lieber überleben zu lassen.) Kurz darauf gibt es zwei weitere Tote, ebenfalls Mitarbeiter der Nordhessenbank. Und so müssen Hauptkommissar Paul Lenz und sein junger Kollege Thilo Hain gegen alle Widerstände aus den Reihen der Geldmafia und in einer für sie fremden, abstoßenden Welt ermitteln und nach einem Täter fahnden, der ihnen immer einen Schritt voraus zu sein scheint.

Und – was spielt der Kasseler Oberbürgermeister Bertram Hilden in dem Fall für eine Rolle? Warum flüchtet Schreiner Frank Kurz auf abenteuerliche Weise vor der Polizei? Oder kann gar die naive Aussage eines kleinen Mädchens zur Aufklärung des Falles beitragen? Fragen über Fragen, die die beiden Kriminalisten Paul Lenz und Thilo Hain sicher, wie auch schon in den vorherigen Bänden, lösen werden. Sie ermitteln in alle Richtungen und nehmen dabei auch das Privatleben des Bankdirektors genauestens unter die Lupe und stoßen dabei auf ein wohl gehütetes Geheimnis.

Der Kasseler Krimiautor hat sich mit seinen glaubwürdigen und handwerklich hervorragend gemachten Kriminalromanen auch im Raum Homberg eine große Fangemeinde erobert. Sein Ermittler Paul Lenz, der noch dazu ein aufregendes Privatleben pflegt, und dessen Kollege Thilo Hain ermittelten nunmehr in dem Buch »Pechsträhne« ihren elften Fall, und wie zu erfahren war, wird der nächste Band nicht lange auf sich warten lassen.

»Wenn ich morgens an den Schreibtisch komme, dann ist es, als käme ich zu Freunden«, vertraut Matthias Gilbert, angesichts der Tatsache, dass sich die Figuren durch alle Bücher ziehen, seinen Gästen an und meint: »Ich wollte ein Buch schreiben, jetzt ist es schon das elfte«. Nicht nur die Lesung, auch die vielen Anekdoten, die der Krimiautor zwischendurch erzählte, fesselten das Publikum und sorgten für Auflockerung.

Zu der Lesung in der Stadthalle wurden den Gästen schmackhafte »Hessenteller« mit regionalen Spezialitäten und dazu passenden Getränken serviert, bei deren Verteilung sich Matthias Gilbert zur Freude der Gäste, kurzerhand, »als Unterkellner verdingte«, so seine Worte.

Nachdem Ulrika Sowa Matthias Gilbert auch im Namen von Leseland Hessen und der Stadt Homberg für den unterhaltsamen Leseabend gedankt hatte, stand der Autor den Gästen anschließend noch für Fragen und Buchwidmungen zur Verfügung.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Homberg
  • Krimi-Autorinnen und Krimi-Autoren
  • Polizei
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.
0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung (Noch Zeichen verfügbar)





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 10 / 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.