Messerangriffe

Hier kann es um Leben und Tod gehen

Messerstecher machen Schlagzeilen. Kaum eine Woche vergeht, ohne dass nicht in den Nachrichten von einer Messerattacke berichtet wird. Was kann man machen, wenn ein Angreifer direkt vor einem steht?
17. Oktober 2017, 14:00 Uhr
Stock gegen Messer: Dr. Konrad Baier (r.) zeigt, wie man sich bei einem Messerangriff wehren kann. (Foto: jwn)

Beim Kinderspiel »Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?« helfen sich die Angegriffenen durch Flucht an einen vermeintlich sicheren Ort. Doch was macht man, wenn es sich um kein Spiel handelt, sondern der Angreifer direkt vor einem steht und möglicherweise sogar noch mit einer Waffe in der Hand? Weglaufen ist da nicht immer eine Lösung, beispielsweise weil der Angreifer jünger und sportlicher ist oder weil einen die Angst möglicherweise lähmt. Der Turnverein Nidderau-Windecken bietet ab November erstmals einen Sicherheitslehrgang unter dem Motto »Schutz vor Messerstechern« an.

Der Hauptaugenmerk liegt dabei nicht etwa auf waffenlosen Nahkampftechniken, weil dabei der Verteidiger sich meist selbst noch verletzt, sondern Ziel ist es, wie der Leiter des Kurses Dr. Konrad Baier erläutert, »den Kursteilnehmern Strategien, Hilfsmittel und Methoden nahezubringen, um sich im Ernstfall zu schützen«. Sie können vielfach entscheidend sein über Tod oder Leben des Angegriffenen.

Zehn Messerangriffe pro Tag
 

Laut einer Polizeistatistik sollen mindestens zehn Angriffe mit Messern pro Tag in Deutschland in diesem Jahr erfolgt sein, bei denen das Opfer entweder verletzt oder getötet wurde.

Neben gewöhnlichen Gewaltverbrechen würden Messer häufig bei Beziehungstaten missbraucht. In letzter Zeit vor allem aber auch bei Terroranschlägen. Da letztere ohne erkennbaren Grund für das Opfer zumeist überraschend erfolgen, müsse die richtige Reaktion auf solche Angriffe trainiert werden. »Eine absolute Sicherheit, nicht doch Opfer eines Messerstechers zu werden, gibt es allerdings nicht«, räumt Baier ein.

»Mit geeigneten Vorbereitungen und dem richtigen Verhalten kann man jedoch die Wahrscheinlichkeit bei einem Angriff schwer verletzt zu werden, deutlich verringern.« Kenntnisse in irgendeiner Kampfsportart seien für die Teilnahme an dem Kursus nicht Voraussetzung. »Schließlich wollen wir mit dem Messerstecher nicht kämpfen, sondern nur dem Angriff mit heiler Haut entkommen«, sagt Dr. Baier.

Erfolgreiche Verteidigung

Er selbst ist über ein persönliches Erlebnis zu der Kampfsportart Escrima gekommen, ein Sport, der sich streng an mathematischen und physikalischen Gesetzen orientiert und der deshalb in seinen Bewegungen äußerst ökonomisch ist. Deshalb wird auch nur trainiert, was in der Realität auch wirklich anwendbar ist. Bei einem Bummel über ein Volksfest sei der Bruder einer seiner Freunde angegriffen worden und habe sich mit dieser Kampfportkunst erfolgreich verteidigen können. Dieser Vorfall habe Baier zu der Sportart gebracht. Mittlerweile vermittelt er sie als Trainer in seiner Freizeit im TV Windecken unter dem Motto »Weniger ist mehr« weiter.

Was erwartet die Teilnehmer? »Sie lernen unter anderem wie eine gewöhnliche Bonbondose in ein effektives Mittel zur Selbstverteidigung verwandelt werden kann«, verrät Baier. Natürlich sei auch die Psychologie einer solchen Gefahr Gegenstand des Kursus oder das Verhalten nach einem Angriff. Da eine derartige Attacke jedem passieren könne, egal wie alt er ist oder welchem Geschlecht er angehört, muss die Selbstverteidigung daher immer die alles entscheidende Frage beantworten: Auf die Frage, ob das in dem Kurs Erlernte durch anschließendes Training frisch gehalten werden müsse, schüttelt Baier den Kopf: »Wäre eine weitere Ausbildung jedoch notwendig, so würde der Sicherheitslehrgang sein Ziel verfehlen.«

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