Wetterau

Historische Orgel der Dankeskirche muss saniert werden

Sie zählt zu einer der größten in Hessen, beherrscht die Nordempore der Dankeskirche. Nun ist die 1906 erbaute deutsch-romanische Orgel, das Herzstück der Kirche, in die Jahre gekommen.
17. Februar 2017, 10:00 Uhr
Ausfall, merkwürdige Töne unzuverlässige Speicherung: Immer wieder muss Kantor Frank Scheffler mit Überraschungen bis hin zum Schimmelbefall rechnen. (Foto: cor)

Vor allem im Bereich der Elektrik von 1965, aber auch der im Jahre 1999 vorgenommenen Ergänzungen, besteht inzwischen ein dringender und nicht im kleinen Rahmen zu behebender Reparaturbedarf.

Nicht nur Kantor Frank Scheffler sorgt sich um die historische Orgel, auch der Kirchenvorstand hat bereits mehrere Gutachter beauftragt, um das Ausmaß der Sanierungen abzuschätzen. Mehrere deutsche Orgelprofessoren und Orgelsachverständige beraten die Gemeinde. Eine Entscheidung über die zukünftige Gestaltung der Orgel soll in Kürze fallen. Eines steht bereits jetzt fest, die Kosten für eine Sanierung können von der Kirchengemeinde alleine nicht getragen werden.

Scheffler drückt den Einschalter, ein dumpfer rauschender Pfeifton wird hörbar. »Das war schon schlimmer«, erinnert sich der Kantor. »Am Heiligabend hatten wir durchweg einen Störton.« Die Orgel spielte nicht mit. »Da bekam die Stille Nacht eine ganz neue Bedeutung.« Seit Monaten versucht Scheffler, die Störquellen zu »umschiffen«, indem er mehrere Register und Orgelpfeifen ausschaltet. Doch drückt er nur einen Ton, kann es zu elektronischen Ausfällen kommen.

»Ich muss immer mit neuen Überraschungen rechnen.« Unzuverlässige Speicherungen, ein Komplettausfall des Displays oder der Töne, schmerzvolle Erfahrungen für den Kantor. Der zog daraus nun bereits Konsequenzen. Geplante Orgelkonzerte können in diesem Jahr nicht angeboten werden. »Und das im Jahr des Reformationsjubiläums«, bedauert Scheffler. Dabei haben gerade Orgelkonzerte für die Kurstadt eine besondere Bedeutung. »Sie haben eine Tradition in Bad Nauheim, Musik und Heilung stehen dicht bei einander.«

Erbaut 1906

»Es ist wirklich sehr schade, dass wir die hervorragende Akustik nicht nutzen können«, sagt Dr. Volker Gräfe vom Kirchenvorstand. Eine Reparatur könne Jahre dauern. »Selbst wenn das Geld nun da wäre.«

Pfarrer Rainer Böhm fasst die bedeutende Geschichte der Orgel zusammen. 1906 wurde sie mit ihren ursprünglichen 38 Registern (ca. 2000 Pfeifen) erbaut, bis zu sieben Meter ragt sie in den Turm hinaus. Eine Neuerung erfolgte 1965, unter anderem wurden Pfeifen gewechselt, und das Fernwerk stillgelegt. Im Oktober 2011 wurde das 1965 entfernte Fernwerk über der Kuppel mit fünf Registern und rund 400 Pfeifen rekonstruiert. »Im Grunde besteht die Hauptorgel aus zwei Hälften«, erklärt Scheffler. Bei den Pfeifen aus der Erbauerzeit der Kirche kommen vor allem die emotional gefärbten, sehnsüchtigen Klänge zum Einsatz. Diese unterscheiden sich deutlich von den 1965 ergänzten Pfeifen. Klingen die alten Pfeifen eher warm und voluminös, erzeugen die »neueren« Ergänzungen schrille Töne.

Die historischen Holzpfeifen aus dem Jahr 1906 sind mittlerweile sanierungsbedürftig, vom Schimmel befallen. »Feuchtigkeit, Staub und Dunkelheit sind dafür verantwortlich«, weiß der Kantor. Außerdem sei eine weitere Säuberung nicht möglich. »Der Arbeitsschutz«, erklärt Scheffler weiter. »Wegen der Sturzgefahr ist es nicht erlaubt, in den hinteren oberen Teil der Orgel zu klettern.« Mehrere Register seien daher komplett stillgelegt worden. Zwei Pfeifenreihen fehlen komplett, zwei andere wurden bereits geliehen. »Wir möchten trotzdem keinen Schnellschuss«, sagt Gräfe. Agiert werde mit Vorsicht, Priorität haben Qualität und Historie.

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