Funker

Kontakte bis zum Südpol

Klassische Funkverbindungen scheinen überflüssig geworden zu sein. Aber die Technik hat auch 120 Jahre nach ihrer Erfindung eine lebendige Gemeinschaft von Anhängern - so wie in Reichelsheim.
29. Mai 2017, 08:00 Uhr
Alexander Fritz ist begeisterter Amateurfunker. Er nutzt auch Computer für sein Hobby, um beispielsweise zu erkennen, wo eine Funkstation in Betrieb ist. (Fotos: sax)

In Nidda widmet sich seit 50 Jahren der Ortsverband F33 des Deutschen Amateur-Radio-Clubs (DARC) diesem Hobby. Die Entwicklung der Kommunikationstechnik und -möglichkeiten lässt den Amateurfunk als fast schon antike Technik erscheinen. Alexander Fritz aus Reichelsheim, Schriftführer des Ortsverbands, ist überzeugt, dass die Funktechnik, mit der es zwei Menschen erstmals möglich war, über Kontinente hinweg Nachrichten auszutauschen, immer noch seine Existenzberechtigung hat. »Der Amateurfunk hat eine gesetzliche Verankerung, in Krisenzeiten zu unterstützen«, erklärt er. »Bei der großen Flutwelle in Asien vor ein Paar Jahren lief die Kommunikation zuerst über Funkamateure.«

Doch das Hobby bedeutet nicht die permanente Vorbereitung auf den Katastrophenfall. Die Faszination liegt in dem Umgang mit Technik und der Möglichkeit, mit Menschen in fast der ganzen Welt selbstständig zu kommunizieren. »Ich kann mit Menschen reden und habe das Gefühl absoluter Freiheit«, versucht Fritz, die Faszination des Hobbys zu erklären. Notwendig ist lediglich eine eigene Sende- und Empfangsstation, die sich der Amateur sogar selbst basteln kann, und ein empfangsbereiter Partner irgendwo auf der Welt.

»Auch die DDR und die Sowjetunion hatten Funkamateure«, betont Fritz, wie weit das Netz reicht. »Das einzige Land, in dem es keine Funkamateure gibt, ist Nordkorea.« Dafür hat der Amateurfunk inzwischen sogar die Erde verlassen. Auf der ISS sei regelmäßig ein Funker. Auch wenn die Zeiten, in denen man diesen erreichen könne, durch die Umlaufbahn der Station und durch Bestimmungen (Funkverbindungen müssen zwei bis drei Jahre vorher bei der NASA angemeldet werden) eingeschränkt ist, bleibt die Faszination, theoretisch mit einem Astronauten reden zu können.

Das Funken biete die Möglichkeit, mit Menschen zu sprechen, an die man sonst nicht herankomme, beschreibt Fritz. »Ich hatte persönlichen Kontakt mit Felix Ries auf der Neumayer-Station in der Antarktis«, erinnert er sich an seinen ungewöhnlichsten Kontakt. »Dummerweise lief die Kommunikation nicht über Funk«, sagt er lachend. Er habe registriert, dass Ries am Funk aktiv war. Daraufhin habe er – erfolglos – versucht, eine Verbindung aufzubauen. Daneben habe er sich über E-Mail mit dem Forscher ausgetauscht – ein Kontakt, den es ohne den Amateurfunk nicht gegeben hätte.

Möglichst viele, möglichst entlegene Funkstationen ist das verbindende Element des Hobbys, erklärt Fritz. »Briefmarkensammler« nennt er die Funker, die Bestätigungskarten sammeln. Jeder Funker, der durch eine individuelle, weltweit einzigartige Kennung identifiziert werden kann, lässt sich solche Bestätigungskarten drucken, um seinem Partner die erfolgreiche Verbindung zu dokumentieren.

Der Vergleich mit Briefmarken ist nicht abwegig. Manche Karten sind relativ schmucklos und enthalten nur die Daten der Station. Handschriftlich werden darauf Details zur Verbindung vermerkt. Andere Karten erinnern an Postkarten mit bunten Fotomotiven. Sie geben einen Eindruck der fernen Weltgegend, in der der Gesprächspartner lebt. Ein Funker aus Guayana hat sein Hochzeitsbild auf die Karte drucken lassen.

Die Methoden, Funkverbindungen herzustellen, um an diese Karten zu gelangen, sind unterschiedlich. Manche Funkamateure investieren viel Geld in leistungsstarke Stationen und Antennen. »Wir dürfen als Funkamateure mit bis zu 750 Watt senden«, erläutert Fritz. Für ihn liegt der Reiz im anderen Extrem. »Der Ansporn ist, mit möglichst wenig Leistung möglichst viel zu erreichen.«

Wohl auch deshalb hat er das Morsen gelernt. »Morsetelegraphie ist international«, betont er. Die Rufzeichen seien von der Landessprache unabhängig. Fritz ist aber kein Funk-Fundamentalist. »Ich habe Funkfreunde, die sagen: ›Wenn Du nicht morsen kannst, bist Du kein Funker.‹ Das ist mir zu engstirnig.«

 

»Field-Day« am 29. Juni

 

In Ober-Widdersheim haben die Amateurfunker unterm Dach des Fußballclubs eine ideale Möglichkeit gefunden, ihr Hobby auszuleben. In dem abgelegenen Vereinsheim haben sie eine eigene Funkbude, und zwischen den Flutlichtmasten lassen sich die teils meterlangen Antennen aufspannen. Zudem sind die Empfangsverhältnisse wegen der Entfernung zu Wohngebieten mit ihren Störungen sehr gut. Einmal im Jahr campieren die Funker dort beim »Field-Day«. Gemeinsam wird experimentiert, neue Ausrüstung getestet und nach schwierig zu erstellenden Verbindungen gesucht. Besucher haben beim »Field-Day«, diesmal am 29. Juli, die Möglichkeit, die Faszination Amateurfunk mitzuerleben.

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