Noch keine Spitzenmannschaft

Drei schwere Spiele in einer Woche – das war am Ende für Eintracht Frankfurt zu viel. Bei Bayer Leverkusen fehlt dem Team von Trainer Niko Kovac die Kraft. Und nach der verdienten 0:3-Niederlage steht eine klare Erkenntnis. Die Bayer-Bosse sind sauer auf den TV-Sender Sky.
12. Februar 2017, 21:56 Uhr
Mund abputzen und weiter: Die Eintracht-Profis Bastian Oczipka, Shani Tarashaj und Makoto Hasebe (v.l.) erwarten nach der klaren 0:3-Niederlage in Leverkusen am Samstag den FC Ingolstadt. (Foto: dpa)

Niko Kovac hatte es schon immer gesagt. Spitzenmannschaften, das sind für ihn Bayern München, Borussia Dortmund und ausdrücklich auch Bayer Leverkusen. »Wir gehören noch nicht dazu«, sagte der Trainer von Eintracht Frankfurt. Der vermeintliche Beweis dafür wurde am Samstag erbracht. Da trat die Eintracht als Tabellendritter beim Neunten in Leverkusen an – und verlor völlig verdient mit 0:3 (0:1).

»Wir sind noch nicht so weit, wie uns viele schon sehen. Man muss auch mal anerkennen, dass der Gegner heute einfach besser war«, sagte Kovac nach dem Spiel. »Wir sind hingefallen, nun müssen wir wieder aufstehen.« Der nächste Gegner heißt am Samstag FC Ingolstadt.

Für die Eintracht spricht, dass sie im Januar bereits die 0:3-Packung in Leipzig problemlos wegsteckt hat. Außerdem haben die Frankfurter in dieser Woche anders als in der vergangenen keine Zusatz-Belastung zu verkraften. Denn einer der Gründe für den Einbruch in Leverkusen lag genau darin: Das Derby gegen Darmstadt, der Pokalfight in Hannover und dann noch dieses schwere Spiel in nur eine Woche – das war selbst für diese fitte und fleißige Mannschaft zu viel.

»Zum Schluss ist uns der Saft ausgegangen«, meinte Kovac. »Wir haben es nicht geschafft, körperliche und geistige Frische zu zeigen. Das 0:3 ärgert mich, man kann der Mannschaft aber keinen Vorwurf machen.«

Javier Hernandez brachte Bayer schon in der fünften Minute in Führung. Danach vergaben Mijat Gacinovic (20.) und Branimir Hrgota (26.) zwei gute Chancen, um dieses Spiel noch einmal zu drehen. Das rächte sich nach der Pause, als erneut »Chicharito« (63.) und Kevin Volland (78.) für Leverkusen trafen. »Wir hätten unsere beiden Chancen in der ersten Halbzeit nutzen müssen«, sagte Kovac.

Frankfurts Torwart Lukas Hradecky reiste nach dem Spiel ins »Aktuelle Sportstudio« des ZDF. Der finnische Keeper haderte ein wenig damit, dass die Frankfurter einen großen Schritt Richtung Europapokal hätten machen können, weil die beiden Konkurrenten Borussia Dortmund und Hertha BSC ihre Spiele am Samstag ebenfalls verloren. »Komischerweise sind alle anderen Ergebnisse in unsere Richtung gegangen«, sagte er. Am Ende lautete aber auch Hradeckys Fazit: »Eine Spitzenmannschaft sind wir noch nicht. Wir sind nur die Eintracht. Wir müssen weiter in jedem Spiel 110 Prozent geben.«

Unterdessen war Rudi Völler völlig außer sich. »Einfach etwas zu erfinden, etwas Verlogenes zu erzählen, dass der Trainer morgens vom Gesellschafterausschuss entlassen worden wäre, das ist ein starkes Stück«, schimpfte Leverkusens Sportdirektor über eine Meldung des Pay-TV-Senders Sky kurz vor dem Anpfiff. »Wir waren geschockt, weil es Schwachsinn ist.« Als Reaktion auf den Eklat über den angeblich besiegelten Rauswurf von Chefcoach Roger Schmidt verweigerte die Bayer-Führung dem Fernsehsender vor Anpfiff die üblichen Interviews und forderte eine offizielle Entschuldigung.

»Wir haben einen Fehler gemacht und haben uns bereits im Stadion unmittelbar nach der Partie entschuldigt«, sagte Sky-Pressesprecher Ralph Fürther am Sonntag. Außerdem sollten am Sonntag Entschuldigungsschreiben an Bayer-Geschäftsführer Michael Schade und Völler verschickt werden. Die Empörung wäre beim kriselnden Werksclub wohl viel größer gewesen, wenn nicht der Befreiungsschlag gelungen wäre. »Wir freuen uns über den Sieg in schwieriger Situation«, kommentierte Schmidt den Wirbel gelassen. »Ich habe es am Rande wahrgenommen.« Nach zwei Niederlagen in diesem Jahr und dem drohenden Verpassen des Europacup-Ziels stand der 49-Jährige stark unter Druck und war seit Tagen mit Spekulationen um seine Entlassung konfrontiert.

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