Bundesliga am Sonntag

Eintracht steht sich selbst im Weg

Wenn der Schiedsrichter es schafft, weitgehend unauffällig das Spiel zu leiten, dann attestiert ihm der Fußballfan meist eine gute Leistung. Beim 2:0-Erfolg des FC Ingolstadt in Frankfurt rückten viele Referee Guido Winkmann in den Fokus, obwohl er nur eine wichtige Szene falsch beurteilte. Tatsache ist: Die Eintracht erwischte einen schlechten Tag.
19. Februar 2017, 21:29 Uhr
Frankfurts Makoto Hasebe verschießt einen Elfmeter gegen Ingolstadts Torwart Martin Hansen und vergibt damit die Möglichkeit zum Ausgleich. (Foto: dpa)

Die Situation, in der die Unparteiischen nicht auf dem Posten waren, führte gleich zum Ingolstädter 1:0. Nach einer Ecke von Pascal Groß in Minute 26 entschied der Schiedsrichter auf erneuten Eckstoß, obwohl FCI-Akteur Marcel Tisserand zuletzt am Ball war. Die anschließende Flanke verlängerte Dario Lezcarno auf den sträflich freistehenden Romain Brégerie, der locker an Lukas Hradecky vorbei einschob. Am Elfmeter zum 2:0 (Groß/69.) gab es nichts zu diskutieren. Der für den verletzten Jesus Vallejo eingewechselte Michael Hector brachte den Ingolstädter Mathew Leckie auf der Strafraumlinie zu Fall. Damit durfte auch der Gießener Sonny Kittel die Siegprämie einstreichen. FCI-Coach Maik Walpurgis hatte ihn gegen seinen Ex-Klub in der Nachspielzeit noch eingewechselt.

Die Gemüter der hessischen Bundesliga-Kicker erhitzten sich vor allem in der 34. Minute, als Eintracht-Verteidiger David Abraham nach einem Foul an Lezcarno die Rote Karte sah. Er hatte den Ingolstädter mit offener Sohle am Oberkörper getroffen. Die Schiedsrichter-Entscheidung war hart, aber vertretbar. Aufseiten der Frankfurter sah man das ganz anders. »Aus meiner Sicht keine Rote Karte«, sagte Alex Meier, während Trainer Niko Kovac die Gelbe Karte als passendere Strafe bevorzugt hätte.

Ein richtiger Pfiff aus Sicht des Eintracht-Anhangs erfolgte in der 56. Minute und bescherte der Heim-Elf die Chance auf den Ausgleich. Dabei diskutierten die Fußball-Experten in den Stadion-Katakomben noch nach der fünften Zeitlupe, ob es ein Elfmeter war. Referee Winkmann entschied ohne Zeitlupe auf Strafstoß. Ante Rebic nutzte ein Missverständnis zwischen FCI-Verteidiger Tisserand und Keeper Martin Hansen. Der Ingolstädter Torwart war zwar am Ball, rammte aber auch Rebic recht ungestüm weg. Doch Makoto Hasebe scheiterte an Hansen und drückte auch den Abpraller nicht ins leere Tor, sondern an die Unterkante der Latte.

Der vergebene Elfer war auch Ausdruck eines insgesamt glücklosen Frankfurter Nachmittags. Schon die Anfangsphase gehörte den Gästen (Leckie/3. per Kopf und Lezcarno/7.). Die Kovac-Schützlinge operierten oft mit langen Bällen, die aber zu selten ankamen. Häufige Ballverluste ließen kein strukturiertes Aufbauspiel zu. Rebic wusste noch am ehesten zu gefallen. In der 15. Minute nahm er ein Zuspiel von Haris Seferovic auf und kam nach einem Zweikampf gegen Marvin Matip in guter Position zu Fall. Auch hier lag der Schiedsrichter richtig – kein Foul. Die beste Frankfurter Szene vor der Pause leitete erneut Rebic ein, seinem Solo über links folgte eine scharfe Hereingabe, die Meier nicht mehr erwischte (24.).

In der zweiten Hälfte vergab Seferovic die beste Eintracht-Chance (83.) neben dem Elfmeter – sein halbherziger Lupfversuch verpuffte aber. Zwei Minuten zuvor war Gästekicker Leckie mit »Rot« vom Platz gestellt worden (grobes Foul gegen Bastian Oczipka). Auch hier traf Winkmann – seiner Linie folgend – eine vertretbare Entscheidung.

Die große Besorgnis wollte in der Commerzbank-Arena angesichts der zweiten Niederlage in Folge aber nicht aufkommen. »Das Spiel war nicht nach meinem Geschmack, aber das kommt schon mal vor«, bilanzierte Kovac. Und auch Meier gab sich versöhnlich: »Es ist alles im grünen Bereich.« Was den Eintracht-Coach dennoch ein wenig wurmte, war die Zufriedenheit seiner Profis vor dem Elfmeter, noch bevor Hasebe angetreten war. Zuletzt im Derby gegen Darmstadt 98 hatte das Team die bloße Entscheidung auf Elfmeter gefeiert wie den Treffer selbst. Der Schütze zeigte sich derweil reumütig. »Die Niederlage ist meine Schuld«, bekannte Hasebe.

Kovac ist nun vor der Partie in Berlin am kommenden Samstag zum Umbau gezwungen. Mit dem verletzt ausgewechselten Vallejo (Verdacht auf Muskelfaserriss) und Rot-Sünder Abraham fallen beide Innenverteidiger aus. Auch Omar Mascarell muss nach der zehnten Gelben Karte eine Zwangspause einlegen. Da vor allem Hector – zusammen mit Hasebe – das Abwehrzentrum nicht stabilisieren konnte, kommt bis zum Wochenende einiges an Arbeit auf den Eintracht-Trainer zu.

Schlagworte in diesem Artikel

  • AC Florenz
  • André Hahn
  • Borussia Mönchengladbach
  • Commerzbank Arena
  • Darmstadt 98
  • Dieter Hecking
  • Eintracht Frankfurt
  • Elfmeter
  • FC Bayern München
  • FC Ingolstadt 04
  • Fabian Johnson
  • Fussballfans
  • Maik Walpurgis
  • Patrick Herrmann
  • Raffael
  • Schiedsrichter
  • Sonny Kittel
  • Christoph Sommerfeld
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.
0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung (Noch Zeichen verfügbar)





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 43 - 10: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.