Chancenplus

Eintracht belohnt sich nicht

In nunmehr sieben sieglosen Spielen in Serie hat Eintracht Frankfurt nur einen einzigen Treffer erzielt. Beim 0:0 gegen Bor. M’gladbach aber war die Leistung besser als das Ergebnis.
02. April 2017, 22:03 Uhr
Die größte von sieben Frankfurter Großchancen: Yann Sommer (Borussia Mönchengladbach) pariert in der 78. Minute den Handelfmeter von Marco Fabian (verdeckt). (Foto: Vogler)

Vier Treffer und acht Punkte sind die dürftige Rückrunden-Ausbeute. Dennoch darf die Eintracht als Tabellensiebter der Fußball-Bundesliga mit 37 Punkten weiter auf die internationalen Plätze schielen. Am Dienstag geht es zum punktgleichen Vordermann 1. FC Köln. Die Hoffnung, dass mit der Rückkehr von Marco Fabian und Jesus Vallejo wieder mehr Stabilität ins Frankfurter Spiel komme, hat sich erfüllt. Die positiven Aspekte überwogen am Samstag jedenfalls, es war ein guter Punkt gegen individuell wesentlich stärker besetzte Rheinländer, bei denen Sportdirektor Max Eberl just am Spieltag seinen Vertrag bis 2022 verlängerte und damit alle Personaldiskussionen um seine Person beendete. Beflügelt hat dies die Borussia trotz der Rückkehrer Raffael und Stindl nicht.

Die Höhepunkte: 1. Minute: Ante Rebic fällt nach 13 Sekunden der Ball vor die Füße, selbst überrascht geht sein »Schüsschen« aus kurzer Distanz am Tor vorbei. - 5.: Einen Rückpass legt sich Eintracht-Keeper Lukas Hradecky unaufmerksam fast selbst ins eigene Tor und klärt erschrocken erst kurz vor der Linie. - 16.: Mit einem sehenswerten Seitfallzieher von der Strafraumgrenze aus verfehlt der aufgerückte David Abraham knapp das Borussen-Tor. - 25.: Das nächste Raunen geht durchs Stadion, als Taleb Tawatha nach einer Flanke von Timothy Chandler aus kurzer Distanz an den Pfosten köpft. Das 1:0 ist überfällig. – 26.: Doch auch Marco Fabian trifft nach erneuter Chandler-Vorarbeit aus zehn Metern nicht. Der Mexikaner schießt Wendt an. Ecke. - 59.: Zuckerpass von Fabian auf Branimir Hrgota. Der Eintracht-Sturmtank legt sich das Leder auf seinen linken Fuß, den als Schlenzer gedachten Flachschuss pariert aber reaktionsschnell Gladbachs Keeper Yann Sommer. - 72.: Nach einem Freistoß aus dem Halbfeld köpft der kurz zuvor für Rebic eingewechselte Haris Seferovic über das Tor. - 78. Handspiel von Wendt im Strafraum, den fälligen Elfmeter kann Fabian gegen Sommer nicht verwandeln. Der Tore- und Elfmeterfluch hält an. - 91.: Der erste Eckball (!?) im gesamten Spiel für die Borussia.

Frankfurter Pluspunkte: Mit Marco Fabian ist der Spieler zurück, der sich nahezu perfekt zwischen und hinter den Linien bewegt. Gegen die beiden Viererketten der Borussen stahl sich der Mexikaner immer wieder gekonnt davon und war so stets anspielbereit und gefährlich. Wie auf der Gegenseite die Gladbacher, so gaben auch Kovac’ Frankfurter nie die Grundordnung auf und blieben bis zum Schluss – trotz allem Frust der vergebenen Chancen wegen – abgeklärt. Wäre der laufstarke und zweikampffreudige Omar Mascarell ein Borusse, hätte er die »Hacki«-Wimmer-Gedächtnismedaille umgehängt bekommen.

Das lief schlecht bei der Eintracht: Mijat Gacinovic fehlt die Überzeugung, auch aus dem defensiven Mittelfeld heraus etwas bewirken zu können. Der Elementarschaden, der Huszti-Verkauf im Januar, lässt sich aber erst im Sommer wieder beheben. Phasenweise fehlt die gegenseitige Unterstützung, gab es weder eine Kleingruppen-Dynamik noch das typische Hinterlaufen auf den Außen. Man muss das Glück auch einmal erzwingen. Bei Brainimir Hrgota war der Wille dazu unübersehbar, aber auch dessen Limitiertheit bei der Ballverwertung. Dem Schweden unterliefen zu viele Stockfehler.

Was war mit M’gladbach? Bei aller berechtigter Kritik von Trainer Dieter Hecking, sein Team habe uninspiriert und ohne Leidenschaft gespielt, so blieben die Borussen doch über 92 Minuten taktisch ungemein diszipliniert. Das hatte gegenüber der Schubert-Ära schon Qualität. Cool bis in die Zehenspitzen, hielten sie konsequent an den beiden Viererketten fest und stellten damit hohe Anforderungen an das Eintracht-Mittelfeld. Und Mahmoud Dahoud zeigte auf der Sechs, was die Zukunft des Fußballs auf dieser Position mit noch mehr Technik, noch mehr Tempo und noch mehr Spiel zwischen die Linien gegenüber der Matthäus-Sammer-, Schweinsteiger-Generation erwarten lässt. Allein Dahoud, Raffael und Stindl kamen als magisches Dreieck nicht wie erhofft zum Zuge – weil die Eintracht das nicht zuließ!

Das sagen die Spieler: Bastian Oczipka (Frankfurt): »Wir haben ein gutes Spiel gemacht und starke Ballbesitzphasen gehabt. Wir erarbeiten uns weiter die Chancen, machen sie aber einfach nicht rein. Es gibt im Fußball solche Phasen, das hat mit fehlender Konzentration nichts zu tun.« – Yann Sommer (M’gladbach): »Wir müssen mit dem Punkt zufrieden sein. Elfmeter zu halten, ist nicht das wichtigste in einem Spiel.

Heute war es aber mal so.« – Lars Stindl (M’gladbach): »Wir haben keinen richtigen Zugriff auf die Partie gefunden. Wir sind nur hinterhergelaufen und haben zudem bei eigenem Ballbesitz keine Entlastung geschaffen. Das war ein glücklicher Punktgewinn.«

Die Analyse der Trainer: Niko Kovac (Frankfurt): »Wir hatten bis auf die zehn Minuten nach der Halbzeit das Spiel unter Kontrolle. Wir haben den Gegner laufen lassen, die Ballbesitzphasen hochgehalten, uns Torchancen erspielt und keine Ballverluste provoziert. Was im Fußball aber zählt, sind nun einmal die Tore – und die haben wir wieder nicht gemacht. Ich bin zwar traurig und ich könnte heulen, aber unter dem Strich nehme ich diesen Punkt.« - Dieter Hecking (M’gladbach): »Die deutlich schlechtere Mannschaft hat heute einen Punkt geholt. Wir können uns bei Yann Sommer bedanken, dass er uns mit zwei, drei herausragenden Paraden den Punkt geholt hat. Das war ein lethargischer Auftritt von uns. Das war heute eine Frage des Willens und der Bereitschaft, und da war die Eintracht uns eine Klasse überlegen.«

Die Statistik: Torschüsse: 15:6. - Ecken: 10:1. - Torchancen: 7:1. - Flanken aus dem Spiel: 15:5. - Ballaktionen: 59:41 %. - Passquote: 85:84 %. - Zweikämpfe: 32:68 %.

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