Die Angst geht um

Vor den Augen von Bundeskanzlerin und Tribünengast Angela Merkel fällt Eintracht Frankfurt immer tiefer in die Krise. Gegen Bremen muss nun ein Sieg her, damit der bisherige Europa-League-Kandidat nicht noch massive Abstiegssorgen bekommt.
05. April 2017, 22:32 Uhr
Ratlos: Torwart Lukas Hradecky, Bastian Oczipka und Branimir Hrgota (v. l.) stürzen mit ihrer Eintracht immer weiter ab. (Foto: dpa)

Der Absturz immer steiler, die Kritiken immer vernichtender: Eintracht Frankfurt braucht vor der nächsten Herausforderung bereits am Freitag (20.30 Uhr) gegen das wiedererstarkte Team von Werder Bremen gar nicht mehr von einer Europa-League-Teilnahme sprechen. Hätte das Team von Trainer Niko Kovac in der starken Vorrunde nicht schon 29 (der inzwischen 37) Punkte gesammelt, würde es längst im tiefsten Abstiegskampf stecken. Die Entwicklung bei der Eintracht, räumte Sportvorstand Fredi Bobic nach dem 0:1 am Dienstagabend beim Tabellennachbarn 1. FC Köln ein, »erheitert uns nicht«.

Noch können die Frankfurter von ihrem Polster zehren, doch die Bilanz ist mehr als düster: Nicht nur, dass die Eintracht seit acht Spielen auf einen Sieg wartet, sie hat in dieser Zeit auch nur ein einziges Tor erzielt. »Wenn vorne die Null steht, kann man nicht gewinnen«, meinte Bobic achselzuckend. »So gefährlich wie eine Horde Kuscheltiere auf der Wohnzimmercouch«, urteilte die »Frankfurter Rundschau« über die Offensive.

Der Vorsprung auf Werder beträgt nur noch zwei Punkte, und die Lage weckt böse Erinnerungen an die Spielzeit 2010/2011. Damals schloss die SGE die erste Halbserie als Siebter ab, stieg aber am Ende unter Trainer Christoph Daum ab. Der Verein müsse in der Endphase der Saison erneut mit Problemen rechnen, schrieb die »Frankfurter Allgemeine«, »wenn sie ihre Ergebniskrise nicht umgehend in den Griff bekommt« und titelte: »Anschluss verpasst«.

Während die Kölner nach dem Tor durch Milos Jojic weiter vom Europacup träumen können, ist die Eintracht bei ihrer Durststrecke in der Liga seit 439 Minuten ohne Treffer. »Da kommt mal Latte, mal Unvermögen, mal Pech hinzu. Die ganze Palette«, sagte Bobic. »Das ist kein angenehmes Gefühl«, meinte auch Kovac. Der Chefcoach sieht sich bestätigt in einer Einschätzung, die er schon im Winter von sich gegeben hatte: »Dass wir eine Mannschaft sind, die sicher oben nichts verloren hat.« Er habe »ganz klar den Blick eher nach unten als nach oben. Die da oben interessieren mich nicht«. Er bleibe dabei: »Wir brauchen 40 Punkte.«

Und was nun? Was ein Trainer halt so sagt in so einer Situation: »Kopf nach oben, weiter geht’s! Ich bleibe trotzdem positiv.« Kovac glaubt daran, dass sein Team es mit Treffern und Siegen »irgendwann wieder hinbekommen« wird. Abwehrspieler Bastian Oczipka gab sich kämpferisch: »Wir müssen dranbleiben und das Tor einfach erzwingen.« Von Europa hätten er und seine Mitstreiter »die ganze Zeit nicht gesprochen«.

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