Eintracht

Für die Eintracht geht es auch finanziell um viel

Trainer Kovac sagt vor dem Pokal-Halbfinale seiner Eintracht: »Die Spieler können Geschichte schreiben.« Vorstand Hellmann sieht weniger romantische, dafür umso konkretere Aspekte eines Finaleinzugs.
25. April 2017, 18:03 Uhr
Rückblende: Am 1. April steht Frankfurts Marco Fabian nach seinem verschossenen Elfmeter beim Bundesliga-0:0 inmitten der jubelnden Mönchengladbacher Tobias Strobl (v. l.), Lars Stindl, Patrick Herrmann, Andreas Christensen und Nico Elvedi. Heute kommt es zum Wiedersehen im Pokal-Halbfinale, und diesmal wird es einen Sieger geben. (Foto: dpa)

Für neutrale Fans ist es nur das Vorspiel für den Knaller FC Bayern gegen Dortmund, für die beiden Vereine dagegen ein Höhepunkt der jüngeren Vereinsgeschichte: Wenn Borussia Mönchengladbach und Eintracht Frankfurt am heutigen Dienstag (20.45 Uhr/ARD und Sky) im ersten Halbfinale des DFB-Pokals aufeinandertreffen, hoffen beide auf das Ende einer langen Wartezeit. Die Gladbacher standen zuletzt beim Triumph 1995 im Endspiel, die Frankfurter holten den Pott zuletzt 1988 und erreichten danach nur 2006 das Finale. Beide betrachten sich auch gegenseitig als vermeintliches Glückslos auf dem Weg nach Berlin: Denn beide sind erst einmal froh, den Bayern und dem BVB zunächst noch aus dem Weg gegangen zu sein.

»Wenn Dortmund, Bayern und Frankfurt im Lostopf sind, ist klar, was sowohl wir als auch Frankfurt gedacht haben«, sagte Gladbach-Trainer Dieter Hecking: »Jetzt haben wir es beide bekommen. Wir mit dem kleinen Vorteil, dass wir zu Hause spielen.«

Doch die Stimmung rund um den Borussia-Park ist durchaus angespannt. Manager Max Eberl richtete vor dem Hintergrund der Pfiffe gegen den künftigen Dortmunder Mahmoud Dahoud am Samstag im Liga-Spiel gegen den BVB (2:3) einen flammenden Appell und auch eine Mahnung an die Fans. »Das Publikum ist der zwölfte Spieler. Aber es darf nicht blockierend sein. Sonst wäre das ein Vorteil für die Auswärtsmannschaft«, sagte Eberl.

Denn in der Tat ist das Heimrecht im Duell des Bundesliga-Zehnten mit dem -Neunten der nominell einzige große Vorteil der von acht Verletzungen geplagten Borussia. »Das ist aber auch die einzige Gefahr, die ich sehe«, sagte Hecking: »Dass alle denken, dass wir der eindeutige Favorit sind. Aber Frankfurt steht vor uns.«

Die Eintracht fühlt sich dagegen in der Rolle des vermeintlichen Außenseiters pudelwohl. »Der Heimvorteil spricht sicherlich für Mönchengladbach«, erklärte Trainer Niko Kovac: »Aber es ist ein Pokal-Halbfinale. Wir können mehr gewinnen als verlieren, Mönchengladbach dagegen ist mit anderen Zielen in diese Saison gegangen.

« So sieht es auch Sportvorstand Fredi Bobic: »Die Gladbacher haben mehr Sorgen als wir«, sagte er der »Bild«. »Bei ihnen hängt die gesamte Saison an diesem Spiel. Wir haben gar keinen Druck. Wir haben unsere Saisonziele erreicht.«

Nach dem 3:1 gegen Augsburg, dem ersten Sieg nach zehn Spielen, kann die im Vorjahr erst in der Relegation gerettete Eintracht nämlich nicht mehr in Abstiegsgefahr geraten. »Der Zeitpunkt, dieses Erfolgserlebnis vor dem Pokalspiel zu schaffen, war sehr gut«, erläuterte Kovac: »Diesen Elan wollen wir nach Gladbach mitnehmen.«

Die Sehnsucht nach dem Finale ist aber auch am Niederrhein riesengroß. »Das ist ein besonderer Abend«, sagte Hecking, der den Pott 2015 mit Wolfsburg gewann: »Überall wird man darauf angesprochen. Man spürt, dass es der Wunsch und Traum eines jeden Fans und Sympathisanten ist, am 27. Mai über die A2 nach Berlin fahren zu können.«

Kovac erklärte gar: »Die ganze Republik schaut auf uns. Wir können uns präsentieren und etwas Einzigartiges erreichen. Die Spieler können Geschichte schreiben.« Gemeinsam mit seinem Bruder Robert treibt Niko Kovac noch eine besondere Motivation an. »Wir haben den ganz besonderen Wunsch, was jeder verstehen kann, weil wir ja in Berlin geboren sind«, erklärte er. 2003 gewannen beide zusammen mit Bayern München den Pokal – kamen im Endspiel aber nicht zum Einsatz. Eintracht-Vorstand Axel Hellmann sieht dagegen die weniger romantischen Aspekte eines Finaleinzugs. »Das wäre fünf Millionen wert«, rechnete er vor: »Eine Summe, die zur Weiterentwicklung des Etats für die kommende Saison ein wichtiger Schritt wäre.«

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