Eintracht

Ausgesprochen Henni

Henni Nachtsheim schaut auf die vergangenen Wochen der Eintracht zurück. Und wagt einen Blick in Richtung Finale von Berlin.
26. April 2017, 09:56 Uhr
Henni Nachtsheim - hessische Comedy-Legende, Eintracht-Fan und Kolumnist dieser Zeitung. (MDV-Grafik: J. Engel)
Hallo Herr Nachtsheim, mal ganz ehrlich. Wie war Ihre Gemütslage so vor der 78. Spielminute, als die Frankfurter eine Chance nach der anderen am Samstag gegen den FC Augsburg verballert haben?

Henni: Ich saß im Auto auf dem Weg zum Auftritt in Fulda, hab es also im Radio gehört, und musste mich zwingen, nicht aus einer Art hysterischen Übersprungshandlung heraus Vollgas zu geben.

Hätte ich zu diesem Zeitpunkt den Namen Ante Rebic in Ihrer Gegenwart erwähnen dürfen oder besser gleich das Weite gesucht?

Henni: Da er der Stürmer ist, der es am meisten versucht und am meisten will, werfe ich ihm nichts vor. Also hätte mich das auch nicht in Rage versetzt. Ich würde mir aber bei ihm wünschen, dass er sich vorm Tor noch etwas mehr traut!

Wenn man beste Möglichkeiten nicht zu verwerten versteht, dann müssen halt auch mal das Glück und der Zufall Pate stehen – so wie beim 1:1 von Marco Fabian. Wie haben sie diesen Treffer gesehen?

Henni: Als ich ihn mir später angeschaut und gesehen habe, wie langsam der Ball Richtung Tor geht, habe ich, obwohl ich ja wusste, dass er reingeht, gedacht: »Den kriegen die Augsburger noch…«

Und dann das sehenswerte 2:1 durch den Mexikaner, welch Erlösung. Das Stadion stand kopf, als hätte ein jeder den Eurojackpot geknackt. Ich hatte noch nicht das Vergnügen, können Sie das nachvollziehen?

 
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Henni: Ja natürlich! Bis zum Ende der Hinrunde saßen wir alle noch strahlend am Steuer einer geilen Luxus-Limousine, die letzten Wochen lagen wir gefesselt und geknebelt im Kofferraum. Bis man uns am Samstag endlich befreit hat. Da kann man schon mal ein paar Schreie der Erleichterung rauslassen.

Einmal völlig ohne Emotionen, wir lassen die Zahlen sprechen. Die Eintracht besitzt 41 Punkte, Augsburg auf dem Relegationsplatz 32 und Freiburg auf dem Europa-League-Platz 44. Bei noch vier Spieltagen sind zwölf Punkte zu vergeben. Wie lautet die Nachtsheim’sche Dreisatz-Formel?

Henni: 4x auf die eigenen Qualitäten konzentrieren + 4x gewinnen = 1000x ausflippen!

Dass die Eintracht mit dem Abstieg nichts mehr zu tun haben sollte, gehen wir einmal davon aus. Raten Sie mal, welcher Verein am Samstag folgenden Tweet gesendet hat: »Nicht mal absteigen können wir.«

Henni: Ich tippe auf Darmstadt.

Richtig. Der SV Darmstadt 98 nach seinem 2:1-Coup beim Hamburger SV.

Henni: Wobei ich den Satz, auch wenn er lustig daherkommen soll, falsch finde. Die Mannschaft verhält bzw. schlägt sich doch gerade jetzt fantastisch! Also kann sie offenbar doch was!

Und immer noch abstiegsgefährdet sind neben Hamburg auch Wolfsburg, Mainz, Leverkusen und Schalke. Das hätte ich Ihnen mal vor einem halben Jahr erzählen sollen ...

Henni: Stimmt, das hätte ich Ihnen nicht geglaubt. Was aber vor allem daran liegt, dass ich Ihnen sowieso nie was glaube!

Oder dass deutsche Mannschaften in den beiden internationalen Halbfinals keine Rolle mehr spielen. Ist die Bundesliga so schwach oder sind die spanischen, englischen, französischen und italienischen Ligen so stark?

Henni: Weder noch. In diesen Kreisen spielen oft nur noch winzige Dinge, Momente oder auch das berühmte Quäntchen Glück eine Rolle. Das ist wie mit teuren Luxus-Hotels. Die nehmen sich auch nicht viel, wenn man sie miteinander vergleicht. Also macht mal dies, dann mal das die meisten Umsätze. Wobei ich zugeben muss, dass die spanischen Hotels in den letzten Jahren umsatztechnisch schon gewisse Vorteile hatten.

Besonders in der Europa League haben die Bundesligisten zuletzt nichts mehr gerissen. Der letzte Sieg liegt genau 20 Jahre zurück, es waren die Schalker Eurofighter. Erinnern Sie sich überhaupt noch?

Henni: Ja, und damals mochte ich Schalke sogar noch. Was zeigt, wie lange das her ist.

Wäre es überhaupt sinnvoll für die Eintracht, sich für die Europa League zu qualifizieren? Zusätzliche Termine stehen zwar zusätzlichen Einnahmen gegenüber; aber nicht, dass es kräftemäßig dann nicht mehr für die Liga reicht...

Henni: Im Umkehrschluss heißt das ja, dass es besser ist, am Ende auf einem langweiligen Mittelfeldplatz zu stehen, damit man in der nächsten Saison genug Kraft hat, um dann wieder einen langweiligen Mittelfeldplatz zu erreichen. Das kann es ja nicht wirklich sein.

Aber fürs Pokalfinale hat es gestern Abend in Mönchengladbach nach Verlängerung und superdramatischem Elfmeterschießen gereicht. Jetzt ist es doch egal, ob es gegen die Bayern oder Dortmund geht, oder?

Henni: Vollkommen egal. Wenn du früher als Gladiator der Letzte warst, der noch in der Arena stand, war’s ja auch wurscht, ob du jetzt gegen einen Löwen oder einen Tiger kämpfen musstest! Die Mannschaft hat in der Hinrunde gegen alle Großen gepunktet, und daran wird sie sich im Endspiel erinnern.

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