Eintracht

Neue Schimpfwörter

Henni Nachtsheim schaut auf die 0:2-Heimniederlage der Eintracht gegen den VfL Wolfsburg zurück. Und widmet sich mit Blick auf das Pokalfinale Borussia Dortmund.
10. Mai 2017, 09:00 Uhr
Henni Nachtsheim - hessische Comedy-Legende, Eintracht-Fan und Kolumnist dieser Zeitung. (MDV-Grafik: J. Engel)
Hallo Herr Nachtsheim, ich muss Ihnen mal was sagen zur 0:2-Heimniederlage gegen den VfL Wolfsburg. »Das war von vorne bis hinten nicht das, was ich mir vorstelle, einfach gesagt – schlecht.«

Henni:  Das klingt gerade so, als ob ich dafür verantwortlich wäre. Wobei ich Ihnen, auch wenn ich das nicht gerne tue, inhaltlich zustimme. Wenn man überlegt, dass ein einigermaßen guter Tribünenplatz 50 Euro kostet, ist das Preis-Leistung-Verhältnis schon hart! Wenn du in ein Mittelklasse-Restaurant gehst, erwartest du zwar auch keine Haute Cuisine, aber mehr als schimmeliges Brot darf’s schon sein!

Und ehe Sie die Frankfurter Eintracht in Schutz nehmen oder mich wegen der Kritik verteufeln, nehmen Sie das, ganz ohne Umschweife: »So habe ich die Mannschaft noch nie gesehen. Es fällt mir schwer, das zu erklären.«

Henni:  Ich will doch überhaupt niemand in Schutz nehmen, weil das Spiel eher in den »Fan-Kränkungs-Bereich« gehört! Das war der Stimmung im Stadion unwürdig!

Die Worte stammen alle gar nicht von mir, sondern von Trainer Niko Kovac. Ich denke, der hat sich ganz schön zurückgenommen, innerlich dürfte es gebrodelt haben.

Henni:  Ja, wobei er sich ziemlich sicher nur in der Öffentlichkeit zurückgenommen haben dürfte. Ich gehe fest davon aus, dass, wenn man bei der Ansprache nach dem Spiel in der Kabine dabeigewesen ist, bestimmt jede Menge neuer Schimpfwörter kennengelernt haben dürfte.

Wir kennen alle die Argumente, vor Jahresfrist habe die Eintracht noch gegen den Abstieg gekämpft und nun steht sie auf Platz elf und im Pokalfinale. Das stimmt auch alles, und doch sei es auch mir einmal erlaubt, festzuhalten, dass irgendwann sich der Frust nach der gefühlt zehnten Niederlage einschleicht.

Henni: Ja, denn diesmal war es besonders schmerzhaft, weil es noch die Chance auf Europa verlängert hätte. Das wird jetzt nichts mehr, und das ist saublöd.

Niemand ist frei von Fehlern, in der Vorwoche habe ich im Anstoß der Eintracht die Bayern als Pokalfinalgegner zugeschanzt. Vielleicht war der Wunsch Vater des Irrgedankens, denn Dortmund kommt einem momentan stärker vor als München.

Henni:  Mag sein, aber das sind Nuancen, die für uns eher unbedeutend sind. Wenn der größte Baum in deinem Garten eine Zwergtanne ist, dann ist es dir beim Waldspaziergang vermutlich ja auch egal, welche von den Blautannen am höchsten wächst.

Macht das überhaupt einen Unterschied, ob es im Pokalfinale von Berlin gegen Borussia Dortmund oder gegen die Münchner Bayern geht?

Henni:  Vielleicht das Bewusstsein, dass man die Dortmunder in den letzten beiden Saisons zweimal geschlagen hat. Das könnte ein kleines Plus sein.

Die Mannschaften der letzten Wochen und Monaten sind RB Leipzig, Werder Bremen und SC Freiburg. Stimmen sie da zu?

Henni:  Ja, wobei ich auch noch Union Berlin aus der 2. Liga dazuzählen würde. Warum fragen Sie?

Die Eintracht würde ich auch gern in diese Liste aufnehmen, aber dann müsste sie das Finale gewinnen, oder?

Henni: Das stimmt. Das Allerbeste daran wäre aber, dass sie dann doch noch in die Europa-League käme. Das wäre aufgrund der miesen Rückrunde zwar nicht so richtig verdient, aber ich könnte mir vorstellen, dass es Eintracht-Fans gibt, die da generös drüber hinwegsehen könnten. Ich selbst spüre da jedenfalls durchaus eine größere Verdrängungsbereitschaft in mir!

Leverkusen, Augsburg, Wolfsburg, Mainz und Hamburg kämpfen noch um den Relegationsplatz. Welche Mannschaft hat es für Sie nicht verdient, in der 1. Liga zu bleiben? Anders gefragt: Welches Team soll unbedingt in der Beletage bleiben?

Henni:  Ob Sie es glauben oder nicht – es ist mir egal. Wenn man froh ist, dass man selbst gerade noch mal um einen Krankenhausaufenthalt drumrum gekommen ist, geht man auch nicht unbedingt hin, um nach den Patienten in ihren Krankenzimmern zu schauen. Wobei ich zugebe, dass ich es Leverkusen wegen Rudi Völler am wenigsten wünsche, dass sie absteigen. Dazu mag ich ihn zu sehr!

Letzte Frage: Warum ist für Dortmund die Eintracht im Finale schwerer zu spielen als München?

Henni:  Weil jeder Eintracht-Fan im Stadion nichts mehr und sehnlicher will als diesen Pokal und er deshalb als Supporter alles, aber auch alles geben wird. Ein Bayern-Fan kann das von Haus aus gar nicht, weil er schon alles bekommen hat. Bei uns in der Straße waren nicht die größten Kinder die Ersten beim Eiswagen, sondern die, denen die Eltern nur ganz, ganz selten ein Eis spendiert haben!

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