Vertragsverlängerung?

Millionen-Poker um Eintracht-Torwart Hradecky

Bei Eintracht Frankfurt gibt es einen personellen Umbruch. Sechs Stammkräfte gehen. Torwart Lukas Hradecky hat zwar noch einen Vertrag bis 2018, seine Zukunft ist aber trotz Millionen-Angebot offen.
08. Juni 2017, 13:23 Uhr
Torwart Lukas Hradecky scheint eine Gehaltserhöhung von 800 000 auf 3,0 Millionen Euro pro Jahr offenbar nicht genug zu sein. (Foto: dpa)

Bei Eintracht Frankfurt nennen sie ihn die »Spinne«. Welche Fäden Torwart Lukas Hradecky im Vertragspoker mit dem DFB-Pokal-Finalisten zieht, erzeugt genauso Rätselraten wie die Verhandlungstaktik des Clubs. Der 27-jährige finnische Nationalkeeper hat zwar noch einen Kontrakt bis zum 30. Juni 2018, doch der Bundesligist macht Druck. Da er sich dem ultimativen Drängen nicht beugen wollte, verkündete die Eintracht am Mittwochabend auf der Homepage, dass Hradecky »eine vorzeitige Vertragsverlängerung« abgelehnt hat. Ein ungewöhnlicher Vorgang.

Dabei hatte die Antwort des Finnen auf Anfrage vom »Kicker« vor dem Länderspiel am Mittwoch gegen Liechtenstein nicht so geklungen, als sei eine Einigung zwischen beiden Parteien nicht mehr möglich. Die Eintracht habe ihm »die große Möglichkeit gegeben, in der Bundesliga zu spielen und mich hier weiterzuentwickeln und zu etablieren«, schrieb Hradecky. »Dafür bin ich sehr, sehr dankbar«. Er fühle sich »total wohl« in Frankfurt. Nach den zwei Länderspielen mit Finnland wolle er erst einmal Urlaub machen: »Da kann ich dann auch mal abschalten und mir in Ruhe Gedanken über die Zukunft machen.«

 

Drei Millionen Euro reichen nicht

 

Fakt ist: Der Publikumsliebling will viel mehr Geld als die bisherigen geschätzten 800 000 Euro pro Jahr verdienen und das Angebot der Eintracht auf rund drei Millionen Euro zu erhöhen, ist Hradecky und seinem ihn beratenden Vater Vladimir zu gering. Ob ihm aber eine bessere Offerte von einem anderen Club vorliegt, ist offen. Der Torwart war zuletzt mit Bayer Leverkusen in Verbindung gebracht worden, doch der angeblich abwanderungswillige Werksclub-Keeper Bernd Leno ließ eine Ausstiegsklausel ungenutzt.

Überhaupt hat Eintracht Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic, der »weiterhin Gespräche« über die eine gemeinsame Zukunft mit Hradecky führen will, viel zu tun, um für die feststehenden Abgänge von Ante Rebic, Haris Seferovic, Heinz Lindner, Michael Hector, Guillermo Varela und Shani Tarashaj neue Spieler zu finden. Außerdem laufen die Verträge von Jesus Vallejo, Slobodan Medojevic und Marius Wolf aus. Bobic würde vor allem das Innenverteidiger-Talent Vallejo sehr gern ein weiteres Jahr von Real Madrid ausleihen. Bisher gibt es aber noch keine Signale, ob die Spanier dazu bereit sind.

 

Kommt Ex-Nationalspieler André Hahn?

 

Drei Verpflichtungen konnte die Eintracht im Gegenzug schon melden. Der frühere Schweizer Nationalspieler Gelson Fernandes von Stade Rennes wurde bis 2019 unter Vertrag genommen. Bobic hält den 30-jährigen erfahrenen Mittelfeldspieler für »ein echte Bereicherung«. Von Bayer Leverkusen wurde Außenverteidiger Danny Da Costa (23) bis 2021 verpflichtet. Für eine Stärkung der Offensive soll der Franzose Sébastien Haller (20) sorgen, der für rund sieben Millionen Euro vom FC Utrecht kommt.

In aussichtsreichen Verhandlungen steht Frankfurt offenbar mit dem früheren Nationalstürmer André Hahn, für den vier bis fünf Millionen Euro an Borussia Mönchengladbach überwiesen werden müssten. Nach dem Einbruch in der Bundesliga-Rückrunde mit nur 14 Treffern braucht die Eintracht dringend mehr Tatkraft im Sturm: Hahn erzielte in der vergangenen Saison in 30 Pflichtspielen drei Tore.

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