Heimsieg – oder erste Krise

29. September 2017, 20:47 Uhr
Die Frankfurter um Ante Rebic warten immer noch auf den ersten Heimsieg. (Foto: dpa)

Was waren das für Spektakel. Eintracht Frankfurt gegen den VfB Stuttgart 4:5 zum Beispiel im Oktober 2014. Oder das Frankfurter 2:4 im eigenen Stadion nur anderthalb Jahre später. Insgesamt 24 Tore fielen allein in den vergangenen vier Bundesliga-Spielen zwischen der Eintracht und dem VfB. An diesem Samstag (15.30 Uhr/Sky) spielen beide Vereine in der Commerzbank Arena mal wieder gegeneinander. Das Problem aus Frankfurter Sicht ist nur: In den vergangenen zwölf Jahren hat sie nur eines von elf Heimspielen gegen Stuttgart gewonnen. Und von Spektakeln waren die bisherigen Frankfurter Heimspiele in dieser Bundesliga-Saison sehr weit entfernt. Nach den beiden Niederlagen gegen den VfL Wolfsburg (0:1) und den FC Augsburg (1:2) sollte die Eintracht gegen den VfB tunlichst gewinnen. »Sonst kippt die Stimmung. Das spürt man in der großen Eintracht-Familie«, wie der Bundesliga-Rekordspieler Karl-Heinz Körbel in seiner Kolumne für die »Frankfurter Neue Presse« (Samstag) schreibt.

Für die Wahrnehmung der Eintracht und vielleicht sogar für den weiteren Saisonverlauf hat das Heimspiel gegen Stuttgart eine große Bedeutung. Die Frage ist, ob die Mannschaft von Niko Kovac nach diesem Spiel auf eine ordentliche Punktausbeute verweisen kann oder sich weiter für ihren »Fußball zum Abgewöhnen« rechtfertigen muss? So bezeichnete Ex-Nationalspieler Thomas Berthold in seiner »Bild«-Kolumne die Leistungen in dieser Saison.

Kovac selbst wehrte sich am Freitag gegen die Kritik an seinem Team. »Wir sind der Meinung, dass wir noch Potenzial nach oben haben. Aber es ist sicherlich nicht so schlecht, wie es von vielen gemacht wird«, sagte der Frankfurter Trainer. »Ich kann diese Hektik, diese Panik, die Unzufriedenheit nicht nachvollziehen. Und dabei rede ich nicht nur über die Eintracht, sondern über ein gesellschaftliches Problem. Wir müssen uns alle fragen, ob die Ansprüche nicht zu hoch sind.« Dass sich seine Mannschaft auswärts leichter tut als zu Hause, dass die beiden bisherigen Heimspiele gegen Wolfsburg und Augsburg so enttäuschend verliefen und sogar dass sich die deutschen Vereine im Europapokal so schwer tun: Das alles hängt nach Meinung von Kovac mit der großen Leistungsdichte innerhalb der Bundesliga zusammen.

»Ich kann mich nicht daran erinnern, dass die Bundesliga in der Breite jemals so ausgeglichen war wie in diesem Jahr«, sagte er. »Das ist im Moment die Charakteristik der deutschen Bundesliga: Viele Vereine sind erst einmal darauf bedacht, hinten gut zu stehen und wenig zuzulassen.« Deshalb müsse man in dieser Liga »jede Woche 90 Minuten lang 120 Kilometer abreißen. Es geht jedesmal ums Überleben.« In der Konsequenz könnten selbst kleinere Vereine das Spiel der größeren häufig zerstören. Und deshalb würden Clubs wie dem 1. FC Köln oder Hertha BSC unter der Woche die Frische für ihre internationalen Aufgaben fehlen. Ganz konkret erwartet Kovac auch gegen Stuttgart »wieder ein Geduldsspiel«. Die Eintracht hat bislang jedes Heimspiel verloren, der VfB jedes Auswärtsspiel. Da werde niemand zu viel riskieren. »Es wird wieder sehr schwierig, den Beton zu sprengen«, meinte der 45-Jährige. »Aber wir müssen jetzt nicht urplötzlich fünf Stürmer aufbieten. Wir werden nicht anfangen, Hurra-Fußball zu spielen.«

Die größten Sorgen bereitet der Eintracht ohnehin ihre Defensive. Gelson Fernandes ist am Oberschenkel verletzt. Auch Makoto Hasebe verpasste am Freitag das Abschlusstraining. Im schlimmsten Fall muss Kovac also nicht nur sein zentrales Mittelfeld neu besetzen, sondern auch die Abwehrmitte.

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