Die Zeit wird knapp

Werder Bremen gibt sich trotz der Krise ganz ruhig. Umgeht der Fußballclub damit den großen Knall oder steht der bevor? Für Trainer Alexander Nouri wird die Zeit in seinem zweiten Jahr knapp. Denn das Umfeld hat hohe Erwartungen und reagiert zunehmend besorgt.
04. Oktober 2017, 22:28 Uhr

Für Alexander Nouri ist die Lage ein Jahr nach seinem Amtsantritt prekär. Spieler und Verantwortliche von Werder Bremen stehen nach dem Fehlstart in der Fußball-Bundesliga zwar hinter dem 38 Jahre alten Coach, aber wie lange bleibt das noch so? Das Umfeld in der Hansestadt ist unruhig und besorgt. Und nach den vergleichsweise ruhigen Tagen in der Länderspielpause geht es um Nouris Zukunft bei Werder.

Nach dem 0:0 gegen Freiburg pfiffen frustrierte Anhänger der Grün-Weißen laut durchs Weser-Stadion. Zu mutlos sei die Mannschaft eingestellt, hieß es. Und nach dem jüngsten 0:0 im Nordderby beim Hamburger SV kommentierte der »Weser-Kurier« die Spielweise so: »Die vielen langen Bälle, die vielen Fehlpässe und der nicht erkennbare taktische Plan Werders erinnerten an die letzte Phase unter Robin Dutt im Herbst 2014.« Der Name Dutt wird beim Club aus der Hansestadt nicht gerade mit großen Erfolgen verbunden. Eine volle Saison führte der Trainer Werder und wurde Zwölfter. Nach einem missratenen Start in die zweite Spielzeit musste Dutt gehen, schon nach dem neunten Spieltag.

Noch kein Spiel gewonnen

Von sieben Spielen hat Nouri mit seinem Team bislang noch keines gewonnen. Vier Remis brachten vier Zähler. Und nur weil der 1. FC Köln erst einen Punkt sammelte, ist Bremen zumindest nicht Letzter. Auch Werders drei Tore werden nur von Köln mit zwei Treffern unterboten.

Doch noch hat Nouri den Job, den er Mitte September 2016 angetreten hatte. Auch damals war Bremen mit Dutt-Nachfolger Viktor Skripnik schlecht gestartet. Unter Nouri lief es dann zunächst nicht viel besser, zu Beginn des Jahres musste er bereits um sein Amt zittern, doch ab dem 21. Spieltag ging es bergauf. Bremen startete eine Serie von elf Partien ohne Niederlage und verpasste am Saisonende nur knapp den Einzug in den internationalen Wettbewerb. Doch diese Serie ist fast egalisiert. Bremen gewann seit ihrem Ende nicht mehr, saisonübergreifend summiert sich die Misere auf zehn Partien.

Trotzdem begegnen die Cluboffiziellen der Trainerfrage stoisch. Die Leistungen seien gut, es fehle das letzte »Quäntchen Glück«. Sportchef Frank Baumann hat bislang kein Erfolgsultimatum für Nouri öffentlich kommuniziert. Er verhandle nicht mit möglichen Nachfolgern, heißt es zudem. Baumann scheint vom Trainer überzeugt, hat an einem Wechsel aber auch kein Interesse, weil das seine eigene Arbeit infrage stellen würde.

Die bisherigen Auftritte erlauben Baumanns Sichtweise. Die Mannschaft trat geschlossen und defensiv meist sicher auf, Chancen für mehr Tore wurden auch ohne den verletzten Topstürmer Max Kruse erspielt und alle Ergebnisse waren bislang äußerst eng. Nur gegen München verlor der Club mit mehr als einem Tor Unterschied: 0:2 durch späte Treffer.

Ein Problem Werders und damit Nouris sind die Erwartungen des Umfelds. Der Etat ist vergleichsweise klein, liegt im unteren Drittel der Bundesligisten. Vor der Saison bremste Nouri nicht gerade die Begeisterung. Mit Blick auf die Leistung in der Rückrunde sagte er dem »Kicker«: »Wir wollen das Ganze weiter optimieren.« Er gab zwar keinen Tabellenplatz als Ziel aus, der Club gehe aber »selbstbewusst und ambitioniert« in die Saison. Davon war bislang jedoch zu wenig zu sehen.

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