Boxen

Nach dem Kampf: Andreas Sidon verschenkt seine Gürtel

Der Lollarer Boxer Andreas Sidon ist seit Samstag Dreifachweltmeister und hat einen Platz im Guinness-Buch der Rekorde sicher. Seinem Gegner schenkte er nicht nur deshalb etwas Wertvolles.
17. Juli 2017, 14:01 Uhr
Andreas Sidon (r.) bezwingt in Mansfield (England) den Lokalmatadoren Steve Ward und ist nun Veteranenweltmeister im Schwergewicht. (Foto: pv)

Als Schwergewichtsboxer Andreas Sidon in Mansfield (England) seinen 46. Sieg als Profi gefeiert hatte, musste er weinen. Dem Lollarer tat es leid, dass er Lokalmatador Steve Ward ausgeknockt hatte. »Er ist mir in den vergangenen Tagen ans Herz gewachsen, weil er ein ganz feiner Kerl ist«, sagte der in Mittelhessen verwurzelte 54-Jährige.

Nach seinem Sieg schenkt Andreas Sidon (r.) dem geschlagenen Steve Ward seine beiden Weltmeistergürtel. (Foto: pv)
Nach seinem Sieg schenkt Andreas Sidon (r.) dem geschlagenen Steve Ward seine beiden Weltm...

In der siebten Runde hatte Andreas Sidon am Samstagabend den Kampf um die Veteranenweltmeisterschaft nach Version der World Boxing Confederation (WBC). beendet Der 60 Jahre alte Ward hatte sich bis dahin wacker geschlagen, musste aber seinem hohen Anfangstempo Tribut zollen. Nach einer Links-Rechts-Kombination ging der Lokalmatador zu Boden, kam zwar rechtzeitig wieder hoch, doch der Ringrichter nahm ihn aus dem Kampf. Und das völlig zu Recht. Denn Ward stand auf wackeligen Beinen und hätte wohl ohnehin nicht mehr lange boxen können. Ein Eintrag in das Guinness-Buch der Rekord ist ihm aber sicher, denn nie zuvor hatten sich zwei ältere Boxer in einem Profikampf gegenübergestanden.


Sidon von Gegner überrascht

»In den ersten Runden habe ich mit angezogener Handbremse geboxt. Da er noch nie länger als acht Runden im Ring stand, war mir klar, dass er hinten raus Probleme bekommt«, sagte der 1,97 Meter lange Sidon, der sich in den ersten Runden einem sehr aggressiven Kontrahenten gegenübersah. Der zehn Zentimeter kleinere Ward ging immer wieder überfallartig in den Mann und beeindruckte den erfahrenen Sidon, der bereits mit zahlreichen Weltklasseboxern im Ring gestanden hatte. »Er hat mich einige Male gut erwischt, aber ich habe einen harten Schädel«, scherzte Sidon hinterher.

Nachdem der Lokalmatador die ersten beiden Runden für sich entschieden hatte, übernahm der Mittelhesse die Initiative, diktierte das Geschehen von der Ringmitte aus und demoralisierte den tapferen Ward mit gezielten Treffern. Nach dem Kampf erntete Sidon frenetischen Applaus der knapp 1000 Zuschauer, die zuvor die kleine Halle durch lautstarke Sprechchören in einen Hexenkessel verwandelt hatten. »Ich habe viele nette Leute kennengelernt und bin jetzt quasi Ehrenbürger von Mansfield. Mir wurde mehrfach gesagt, dass ich jederzeit wiederkommen könnte«, freute sich Sidon, der nach dem Kampf erst tief in der Nacht zur Ruhe kam. Denn er musste am Ring noch zahlreiche Autogramm- und Fotowünsche erfüllen.

Seit Mittwoch hatte sich Sidon, der Weltmeister der eher unbedeutenden Verbände World Boxing Union (WBU) und World Boxing Board (WBB) ist, in England aufgehalten. Er traf sich mit Gegner Steve Ward zum Abendessen, trat in Fernsehtalkshows auf und lernte viele Menschen aus der 70 000-Einwohner-Gemeinde Mansfield kennen. »Ich habe mich sehr wohl gefühlt, weil man mir sehr respektvoll begegnet ist«, berichtete Sidon und schob nach: »Ich boxe gerne wieder in Mansfield – auch ohne Börse. Denn das war eine tolle Veranstaltung.« Die boxbegeisterten Engländer hatte ein großes Spektakel um einen Kampf gemacht, von dem in Deutschland hauptsächlich nur Insider Notiz nahmen. Das Kräftemessen wurde als Länderkampf zwischen England und Deutschland vermarktet, und die lokale Brauerei gab sogar eine Bier-Edition mit dem Konterfei der beiden Protagonisten heraus.


"Wenn ich verloren hätte, dann wäre meine Karriere zu Ende gewesen"

Viel Druck hatte im Vorfeld auf Andreas Sidon gelastet. Erstmals in seiner langen Profilaufbahn stand er einem älteren Mann im Ring gegenüber. »Für mich war dieser Kampf ein Risiko. Wenn ich verloren hätte, dann wäre meine Karriere zu Ende gewesen«, erläuterte Sidon, der sich in den Wochen vor seinem 57. Kampf als Berufsboxer mit der Zeit nach dem Boxen auseinandergesetzt hatte. Angebote als Motivationscoach lagen dem Routinier vor, aber nach seinem erfolgreichen Auftritt in Mansfield will er zunächst weitere Kämpfe bestreiten. Im Raum steht ein Duell gegen den ungeschlagenen Essener Patrick Korte, den Sidon nach Gießen locken möchte. »Ich habe schon mehrere große Kämpfe in Gießen gemacht. Dieser Kampf würde sicher auch viele Fans anziehen. Bis Ende Juli möchte ich bekanntgeben, wie es weitergeht«, blickte Sidon am Tag nach dem Kampf bereits voraus.

Zuvor hatte er zusammen mit seinen mitgereisten Kindern Albano und Mandana die Region rund um Mansfield erkundet. Und mit Gegner Steve Ward ausgiebig gefrühstückt. Dem geschlagenen Engländer schenkte Sidon vor seiner Abreise zwei seiner Weltmeistergürtel. »Ich wollte ihm eine Freude bereiten, weil er ein Freund geworden ist«, sagte Sidon, als er am Sonntagabend auf dem Weg nach London war. Mit einer Sightseeing-Tour durch die Millionen-Metropole beendete Andreas Sidon am Montag einen ereignisreichen Ausflug. Ein Ausflug, der ihm seinen 37. vorzeitigen Sieg bescherte. Und einige neue Freunde auf der Insel.

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