US-Boy mit steiler Karriere: M-Klasse von Mercedes

Ein SUV von Mercedes ist zuverlässig - sollte man meinen. Doch bei der M-Klasse ist das etwas anders. Zumindest, wenn es sich um die erste Generation handelt. Deshalb sollten Gebrauchtwagen-Käufer den Nachfolgegenerationen mehr Aufmerksamkeit schenken.
27. Juni 2017, 05:00 Uhr
Evolutionsgeschichte: Gerade die erste Generation der M-Klasse hat Experten zufolge nicht den besten Ruf. Mit den Nachfolgegenerationen ging es bergauf (im Bild die zweite Generation der Baureihe W 164). (Foto: Daimler AG/dpa-tmn)

Made in USA: Nicht notwendigerweise muss das ein Qualitätssiegel sein, wie Mercedes mit der M-Klasse erfahren hat.

Zwar war das seit 1997 in Nordamerika zunächst als ML gebaute Auto ein früher Trendsetter in Sachen SUV. Jedoch waren die Qualitäts- und Verarbeitungsmängel immens - ungewohnt für die Marke mit dem Stern. Dann fing man sich, und die Zuverlässigkeitskurve ging in allen Belangen nach oben für den massigen Allradler, den es mittlerweile auch als wuchtiges Coupé gibt.

«Vorsicht vor der ersten M-Klasse», schreibt der «TÜV Report 2017». Interessenten sollten sich demnach über oft auftretende Mängel am Fahrwerk im Klaren sein. Elfjährige Exemplare leiden überdurchschnittlich oft unter gebrochenen Federn und ausgeschlagenen Spurstangen. Besserung gab es mit der Nachfolgegeneration, die nur noch gelegentlich mit gerissenen Achsmanschetten auffällt. Bei den Bremsen mängelfrei bleibt die auch ansonsten vorbildliche aktuelle Generation. Die Vorgänger stehen mit porösen Bremsschläuchen (W 164) oder rostenden Bremsleitungen (W 163) in der Schuld.

Über alle Jahrgänge hinweg ist allerdings der hohe Ölverlust ein Thema, während die Abgasanlage in jedem Alter als solide durchgeht. Ähnliche Tendenzen zeigen sich in der ADAC-Pannenstatistik 2017. Exemplare von 2009 und älter schneiden dort eher mittelmäßig ab. Bei neueren Modellen geht die Kurve nach oben. Zu den häufigsten Ursachen, die zum Einsatz von Hilfskräften des Autoclubs führten, zählen entladene Batterien bei Autos von 2007, Defekte an Abblendlicht- und Fernlicht (bis 2009) und streikende Generatoren (2007 bis 2008).

Acht Rückrufaktionen hat der ADAC dokumentiert. Die größte wurde im Mai 2003 durchgeführt, als allein in Deutschland an 60 000 Exemplaren des Bauzeitraums Mai 1998 bis Dezember 2002 wegen Problemen mit der Hydraulik der Lenkung nachgebessert werden musste.

Der erste ML kam 1998 aus der neu errichteten Fabrik in Tuscaloosa/Alabama auf den deutschen Markt. Damit war man früher dran beim Surfen der SUV-Welle als zum Beispiel VW, BMW oder Volvo mit ihren Konkurrenzmodellen Touareg, X5 oder XC90, die erst in den Folgejahren auf den Markt kamen.

Markenzeichen über alle Jahre hinweg: eine recht gute Geländetauglichkeit, die sich vor allem mit dem optionalen Offroad-Paket samt Reduktionsgetriebe zeigt. 2005 kam die zweite Generation auf den Markt, 2011 die aktuelle, die seit dem Facelift von 2015 GLE heißt und auch die Coupé-Version als Gegner des BMW X6 brachte. Dank seines Platzangebots kann das 4,80-Meter-Auto auch als komfortabler Reisewagen genutzt werden - nur den naturgemäß hohen Verbrauch sollte man auf dem Zettel haben.

Immerhin der seit 2015 verkaufte Plug-in-Hybrid, in dem ein V6 mit einem E-Motor gemeinsame Sache macht (Systemleistung 325 kW/442 PS), zeigt sich bei einem Normverbrauch von 3,3 Litern (78 g/km CO2) als Spritsparwunder - wenn auch nur auf dem Papier. Ansonsten ist eher Kraftmeierei angesagt. Schwächster Diesel ist der Fünfzylinder im ML 270 CDI mit 120 kW/163 PS der ersten Generation, stärkster der V8 im W 164 mit 225 kW/306 PS.

Die Benziner decken je nach Baujahr, Generation und Ausführung eine Spanne von 110 kW/150 PS (W 163) bis 430 kW/585 PS im AMG-GLE ab, den es allerdings erst seit 2015 gibt. Ob noch ML oder schon GLE - die Fahrzeuge verfügen alle über einen Allradantrieb. Die neue Generation kann mit dem Einstiegsdiesel aber auch als Hecktriebler bestellt werden.

Ein ML 280 CDI 4Matic 7G-Tronic mit 140 kW/190 PS vom Baujahr 2005 (W 164) wird auf dem Gebrauchtwagenmarkt nach Angaben der Schwacke-Liste mit durchschnittlich 9300 Euro gehandelt. Allerdings müssen Interessenten davon ausgehen, dass das Auto bereits um die 250 000 Kilometer hinter sich hat. Wer vom Nachfolger (W 166) eine AMG-Version anpeilt, muss demnach 49 250 Euro einplanen. Damit führt Schwacke den ML 63 AMG 4Matic Speedshift 7G-Tronic mit 386 kW/525 PS vom Baujahr 2011 bei einer Laufleistung von 86 800 Kilometern. Soll schon GLE hinten dran stehen, werden mindestens 40 000 Euro für den 250 d 9G-Tronic von 2015 fällig, der aus vier Zylindern auf 150 kW/204 PS kommt und rund 42 400 Kilometer gelaufen sein dürfte.

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