«Super Mario Odyssey» im Test: Eine Ode an die Spielfreude

Spiele mit Super Mario gibt es mehr oder weniger dauernd. Echte 3D-Hüpfspiele mit Nintendos Maskottchen aber nur alle paar Jahre. Doch das Warten lohnt sich, denn regelmäßig handelt es sich dabei um echte Meisterwerke. «Super Mario Odyssey» ist eins davon.
01. November 2017, 11:50 Uhr
Von Tobias Hanraths, dpa
Mütze «Cappy» verleiht Mario in «Super Mario Odyssey» ganz neue Fähigkeiten. Einmal auf einen Gegner geworfen, verleiht sie Mario dessen Fähigkeiten. (Foto: Nintendo/dpa-tmn)

Latzhose, Schnurrbart, Mütze: Gewisse Dinge gehören bei Super Mario dazu. Doch in «Super Mario Odyssey» wird die Kopfbedeckung vom Accessoire zum Hauptdarsteller - in einem Titel, der nicht nur modisch Maßstäbe setzt. Nintendos Hüpfspiel sucht in der Games-Welt seinesgleichen.

Einzig die Geschichte von «Super Mario Odyssey» ist der gleiche altbackene Quatsch wie immer: Fiesling Bowser entführt Prinzessin Peach - diesmal, um endlich die lang ersehnte Märchenhochzeit mit ihr zu feiern. Also nimmt Mario in einem Luftschiff die Verfolgung auf. Dabei durchquert er diverse Welten, in denen Bowser und seine Schergen Chaos angerichtet haben. Klempnerhilfe: Dringend benötigt.

Zum Glück ist das nur der Vorwand für ein kunterbuntes Abenteuer, in fünf Minuten abgehandelt und danach kaum mehr erwähnt. Stattdessen konzentriert sich « Super Mario Odyssey » auf die Qualitäten, die Hüpfspiele mit Mario schon seit den 1980er Jahren ausmachen: Eine präzise Steuerung, viel Charme und vor allem ein ständiger Nachschub an Überraschungen, Ideen und Herausforderungen.

Frischer Wind weht in «Odyssey» vor allem dank Cappy, Marios bereits erwähnter Mütze. Die kann der Klempner nach Feinden und Gegenständen werfen, um in deren Haut zu schlüpfen und sich ihre Fähigkeiten auszuleihen. So wird Mario mal zum kleinen Goomba-Pilz, der auch auf Eis trittsicher ist, mal zum Flugsaurier und mal zur Raupe, die mühelos Abgründe überquert. Aus diesem einen Mechanismus zieht Nintendo bis zum Schluss des Spiels ständig neue Ideen und Gags - langweilige Routine wird die Mützenwerferei nie.

Und auch abseits von Cappy hat «Odyssey» einiges zu bieten. Statt aus linearen Leveln besteht das Spiel aus einer Reihe kleiner, aber fast vollgestopfter offener Welten. Darunter Wüsten voller Ruinen, ein swingendes Quasi-New-York, Dschungel, Schneelandschaften und Höhlen unter Wasser. Darin bekämpft Mario Bowsers Schergen und sucht so genannte Power-Monde - Treibstoff für sein Luftschiff.

Und diese Monde gibt es überall, hundertfach. Mal am Ende kniffliger Hüpfpassagen, mal versteckt hinter Geheimtüren, als Belohnung für Mini-Spiele aller Art oder knifflige Rätsel, mal als Trophäe nach einem dramatischen Kampf gegen Endgegner. Wie viele und welche dieser Monde Mario zuerst sammelt, ist ihm fast komplett selbst überlassen.

Theoretisch können eilige Spieler den Abspann damit in 15 Stunden sehen. Danach geht das Spiel aber einfach weiter - und bietet genug Anlass, weiter Welten zu erkunden. Unter anderem gibt es richtig knifflige Herausforderungen, die auch geübte Mario-Spieler auf die Probe stellen, erst lange nach Ende des Abspanns.

Die meisten Spieler werden aber wohl schon auf dem Weg zum Finale mehr Monde sammeln als nötig - weil es so viele gibt und es so viel Spaß macht. Erstens wegen der Steuerung, die Mario mit wenigen Knöpfen vom Rückwärtssalto bis zum Dreisprung jede Menge Akrobatik entlockt. Und zweitens wegen der unzähligen großartigen Details.

Da sind etwa Juchzlaute und Gesten, die Mario quasi permanent von sich gibt. Oder die witzigen Kostüme, die er sammeln oder für Spielgeld kaufen kann. Oder die abwechslungsreiche Orchestermusik und die so stilsichere wie vielfältige Grafik. Dass dabei alles stets flüssig und ganz ohne die Fehlerchen anderer Spiele läuft, ist bei Nintendo fast selbstverständlich - aber trotzdem lobenswert.

Am besten wirkt diese Ode an die Spielfreude auf dem Fernseher. «Super Mario Odyssey» läuft zwar auch unterwegs im Handheld-Modus der Switch - auf dem kleinen Display verliert es aber ein wenig von seiner Pracht. Auch die Gestensteuerung für schwierige Manöver ist dann nur schwer nutzbar. Per Controller klappt das deutlich besser.

Eher überflüssig ist der Kooperations-Modus. Hier steuert ein Spieler Mario und der andere Cappy. Das ist theoretisch schön, gelingt praktisch aber nur mit viel Koordination - und bringt keinen richtigen Mehrwert. Marios fantastischem Solo-Abenteuer tut das aber keinen Abbruch.

Mit «Super Mario Odyssey» zeigt Nintendo eindrucksvoll, wie aktuell die Mario-Mischung aus Spielfreude, Kreativität und Witz noch immer ist. Und dass sich auch ohne Onlinemodus, Rollenspiel-Elemente, Mikrotransaktionen und andere allgegenwärtige Bausteine moderner Blockbuster ganz große Spiele für alle Ziel- und Altersgruppen machen lassen. Mit einer Mütze - und hunderten guten Ideen.

Service:

«Super Mario Odyssey» kostet 60 Euro, ist ab sechs Jahren freigegeben und ab sofort erhältlich.

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