Ingwer und Kurkuma: Geschmack und Gesundheit aus der Knolle

Ingwer und Kurkuma sind Helden der modernen Küche und beleben zahlreiche Speisen. Doch die vielseitig einsetzbaren Pflanzen sind nicht nur groß im Geschmack. Auch in der Medizin wird ihnen wahre Wunderwirkung nachgesagt.
02. November 2017, 15:10 Uhr
Von Ines Schipperges, dpa
Kurkuma ist milder als Ingwer. Dafür sorgt sie zum Beispiel in Currys für die goldgelbe Farbe. (Foto: Christina Sabrowsky/dpa-tmn)

Möhrensuppe, Smoothies oder die obligatorische Wasserkaraffe: aus all dem ist Ingwer kaum mehr wegzudenken. Gemeinsam mit Kurkuma hat es sich einen festen Platz in deutschen Gewürzregalen erobert. Auch im Medizinschränkchen halten die Sprossknollen langsam Einzug.

Während Kurkuma etwas milder ist, lieben Kulinariker am Ingwer seine fruchtige Schärfe. Wer den charakteristischen Geschmack schätzt, aber nicht gerne auf Ingwer herumkaut, kann auch ein Stück ins Gericht geben und vor dem Essen wieder herausnehmen. «So erhält man das Aroma und reduziert zugleich etwas die Schärfe«, sagt Gabriele Kaufmann, Ökotrophologin am Bundeszentrum für Ernährung. Wegen seiner süßlich-säuerlichen Note wird Ingwer zudem gerne mit süßen Gerichten kombiniert.

Kurkuma ist nicht so stark im Geschmack, dafür ist sie ein echter Hingucker: «Kurkuma enthält einen intensiv gelben Farbstoff, das Kurkumin», sagt Kaufmann. Currys zum Beispiel verleiht sie ihre gold-gelbe Farbe. Die Verarbeitung erfordert allerdings Fingerspitzengefühl: «Wenn Kurkuma zu scharf angebraten, zu lange gekocht oder überdosiert wird, kann sie bitter werden.» Zum Herantasten kann Kurkuma ins fertige Gericht gemischt werden, ohne sie mitzukochen.

Sowohl Ingwer als auch Kurkuma eignen sich aber nicht nur als Gewürz. Wegen seiner ätherischen Öle und der Scharfstoffe, der Gingerole, ist Ingwer eine beliebte Heilpflanze. Damit die Öle erhalten bleiben, sollte die Knolle immer à la minute verarbeitet werden: «Ingwer schneidet man möglichst frisch, da sich die ätherischen Öle mit dem Zerkleinern verflüchtigen», erklärt Kaufmann.

Dass die Gingerole gegen Reisekrankheit, Übelkeit in der Schwangerschaft, nach Operationen und bei Chemotherapien helfen, ist gut belegt. «Eine Studie mit mehr als 500 Krebspatienten hat im Placebo-Vergleich deutliche Effekte von Ingwer-Kapseln gegen akute Übelkeit gezeigt», sagt Prof. Roman Huber, Leiter des Uni-Zentrums für Naturheilkunde am Universitätsklinikum Freiburgs.

Medizinjournalist Jörg Zittlau aus Bremen setzt selbst bei Reiseübelkeit auf Ingwer: «Wenn ich fliege oder Auto fahren muss, esse ich immer eine Tafel Ingwerschokolade.» Reiseübelkeit ist eine Stresserkrankung. Wie Zittlau erläutert, werden bei Gleichgewichtsschwankungen Warnsignale an Darm und Magen gesandt. Ingwer beruhigt die Magen- und Darmwände, indem er in den Haushalt des Serotonins eingreift - ein Hormon, das für Ausgeglichenheit und Entspannung sorgt.

Als antioxidative Pflanzen neutralisieren Ingwer und Kurkuma zudem freie Radikale. «Diese Pflanzen haben generell eine krebshemmende Wirkung», sagt Zittlau. Als Krebsmedizin würde er sie dennoch nicht bezeichnen und auch Huber äußert sich mit Vorsicht: «Studien am Menschen gibt es bisher nur in begrenzter Form.» Viele Effekte wurden in Mäuse-Experimenten nachgewiesen. Auf den Menschen lassen sich solche Experimente nicht ohne weiteres übertragen.

Fest steht, dass beide Wurzeln dem Bauch gut tun: «Traditionell sind Kurkuma und Ingwer verdauungsförderliche Mittel», sagt der Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie. Zudem eignet sich Ingwer als Erkältungstee. Dabei ist die Zubereitung wichtig, erklärt Zittlau: «Um die Wirkstoffe herauszukitzeln, müssen die Wurzeln zwanzig Minuten auf kleiner Hitze in Wasser köcheln.»

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