Umwelt

Ökologischer Urlaub in Kopenhagen

Ökologie und Reisen sind nicht vereinbar? Das kommt darauf an, wohin man reist. Die dänische Hauptstadt Kopenhagen ist nur einen Katzensprung entfernt - und der perfekte Ort für einen grünen Urlaub.
25. August 2017, 04:10 Uhr
Von Julia Wäschenbach, dpa
Erdbeeren, Möhren, Kornblumen, Koriander: Mitten in Kopenhagen wachsen auf der Dachfarm ØsterGRO frisches Gemüse, Obst und Blumen.
Erdbeeren, Möhren, Kornblumen, Koriander: Mitten in Kopenhagen wachsen auf der Dachfarm ØsterGRO frisches Gemüse, Obst und Blumen.

Über eine steile Wendeltreppe aus Stahl führt der Weg aufs Dach. Ganz oben erwartet den Besucher eine urbane Gartenoase aus grünen Pflanzen und Kräutern.

Ein Gang führt zu einem Treibhaus, aus dem Stimmengewirr dringt. Wo sonst Kräuter und Tomaten wachsen, sitzen mehr als ein Dutzend Menschen an einem langen Tisch und essen bei Kerzenschein und Naturwein gemeinsam zu Abend.

Über den Dächern von Kopenhagen lassen sie sich einfache Gerichte schmecken. Weißen Spargel mit Zitronenmayonnaise etwa oder gegrillte Radieschen mit Kerbel. Eines haben sie gemeinsam: Sie sind vor allem aus ökologischen und regionalen Lebensmitteln.

Ökologie ist seit Jahren ein Trend in der dänischen Hauptstadt, der inzwischen alle Bereiche des Lebens erfasst hat - vom Essen über Kleidung und Körperpflege bis hin zum Verkehr. Fast zwei von drei Kopenhagenern fahren jeden Tag mit dem Rad zur Arbeit. Nicht nur aus Umweltgründen, sondern auch um die Stadt wie die Einheimischen zu erleben, schwingen sich viele Urlauber ebenfalls auf den Fahrradsattel.

Dann können sie vom Restaurant auf der Dachfarm ØsterGRO im Stadtteil Østerbro aus gen Westen radeln, in das bunte, pulsierende Nørrebro. Einst berüchtigt für ihre Schießereien, hat sich die dortige Jaegersborggade inzwischen zu einem Treffpunkt für junge Hipster und umweltbewusste Menschen gemausert. «Früher war das hier ein Zentrum für Hasch-Verkauf, Rocker und Bandenkriminalität», sagt Stefan Jensen.

Trotzdem eröffnete der Däne hier 2008 seine Weinbar «Terroiristen», in der er ökologische Weine und Naturweine aus Italien, aber auch exotischeren Anbaugebieten etwa in Serbien und Georgien einschenkt. «Für mich war die Straße Ausdruck für das rustikale Kopenhagen von früher», sagt Jensen. «Das passt sehr gut zu dem Ausdruck, den mein Wein hat. Es hat so etwas Unpoliertes, Authentisches.»

Für den Snack zwischendurch lohnt sich ein Abstecher in den «Løs Market» in der Istedgade, die vom Bahnhof nach Westen führt. Der kleine Supermarkt mit seinen verschlungenen Räumen kommt ganz ohne Verpackungen aus. «Wir sind das erste zu 100 Prozent verpackungsfreie Geschäft im Norden», sagt Kommunikationschef August Krogh nicht ohne Stolz. Mit gutem Gewissen kann man hier geröstete Haselnüsse und getrocknete Früchte für das Picknick erstehen.

Auch auf dem Wasser können sich die Kopenhagener mit guter Klimabilanz bewegen: Die GoBoats, die gleich neben dem Hafenbad verliehen werden, schippern von Sonnenenergie angetrieben durch die Kanäle. Es geht in sehr gemütlichem Tempo voran - aber das macht nichts. Schließlich ist der Blick auf Kopenhagen vom Wasser aus am schönsten.