Wenn der Juckreiz nicht enden will - Neurodermitis behandeln

Die Haut ist gerötet, sie schuppt und juckt: Was die meisten unter Neurodermitis kennen, nennt die Medizin ein atopisches Ekzem. Patienten leiden unter wellenartigen Schüben. Die kann man zwar herauszögern, heilen lässt sich die Krankheit nicht.
01. November 2017, 05:30 Uhr
Von Jule Zentek, dpa
Das atopische Ekzem - bekannt als Neurodermitis - tritt häufig schon im Kindesalter auf. Eine Therapie aus der richtigen Pflege und Medikamenten kann Schübe hinauszögern. (Foto: Oliver Berg/dpa-tmn)

Es ist ein Teufelskreis: Die Haut ist trocken, schuppt und nässt. Hinzu kommt ein unerträglicher Juckreiz. Doch wer kratzt, macht es nur noch schlimmer.

Das atopische Ekzem, bekannt als Neurodermitis, beschert Betroffenen schlaflose Nächte und schränkt sie im Alltag extrem ein. Mit der richtigen Kleidung, Ernährung, Hautpflege und Medikamenten lassen sich Schübe aber hinauszögern.

«Bei Atopie handelt es sich ganz allgemein gesagt um eine gesteigerte Empfindlichkeit auf Umwelteinflüsse», sagt der Hautarzt Ralph von Kiedrowski. Bei Betroffenen funktioniert das Immunsystem nicht richtig. Es reagiert auch auf Stoffe, die eigentlich gar nicht gefährlich sind. Die Gründe dafür liegen in den Genen. Im Fall der atopischen Dermatitis ist die natürliche Barriere der Haut defekt. Dadurch gelangen fremde Stoffe wie zum Beispiel Eiweiße von Pollen oder Nahrungsmitteln in die Haut. Der Körper versucht, sie mit Antikörpern abzuwehren. Dabei wird Histamin ausgeschüttet, das wiederum eine Entzündungsreaktion hervorruft.

Da die Erkrankung angeboren ist, kommt sie häufig schon früh zum Tragen. «Bei Kindern tritt sie meistens im Säuglingsalter auf, etwa schon im zweiten Lebenshalbjahr», sagt Hermann Josef Kahl vom Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte. Heilbar ist Neurodermitis zwar nicht, eine Therapie kann betroffenen Kindern aber helfen, erklärt Thomas Schwennesen vom Deutschen Neurodermitis Bund (DNB).

Behandelt wird zum Beispiel mit Salben, die frei von Duft- und Konservierungsmitteln sind und den synthetischen Harnstoff Urea enthalten. Er hilft bei der Bindung von Wasser in der Hornschicht der Haut. Zum Einsatz kommen auch Präparate mit Calcineurinhemmern, sagt Schwennesen.

In manchen Fällen kann auch eine Cortisoncreme sinnvoll sein. Die enthaltenen Glucocorticoide hemmen die Freisetzung und Wirkung der Entzündungsstoffe. Allerdings besteht die Gefahr, dass die Haut in den betroffenen Regionen ausdünnt, warnt von Kiedrowski. Er behandelt daher nur mit Cortison, um den Neurodermitis-Teufelskreis aus Jucken, Kratzen, Entzündungen und noch mehr Jucken zu durchbrechen.

Abseits der Medikamente kommt es auf die richtige Pflege an: Rückfettendes Duschgel oder Duschöl etwa schützen die Haut vor dem Austrocknen. «Produkte mit Omega-Fettsäuren unterstützen die Hautbarriere zusätzlich», sagt von Kiedrowski.

Betroffene können auch versuchen, herauszubekommen, was bei ihnen Schübe auslöst oder begünstigt. Das sind zum Beispiel bestimmte Nahrungsmittelallergien. Zu den häufigsten Auslösern im Kindesalter gehören Milch, Eier, Nüsse und Weizen, sagt die Ökotrophologin Sonja Lämmel vom Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB).

Achten können Betroffene auch auf angenehme Kleidung. «Baumwolle und Seide reizen die Haut nicht zusätzlich», sagt Kinderarzt Kahl. Silberbeschichtete Strümpfe schützen in schweren Fällen die gereizten Hautregionen, sagt von Kiedrowski. Die Silberbeschichtung wirkt antimikrobiell, außerdem verhindert die Kleidung, dass sich Betroffene nachts unbewusst kratzen.

Neben solchen mechanischen Reizen kann aber auch Stress einen Schub auslösen. Neurodermitis-Patienten sollten deshalb versuchen, sich nicht zu sehr zu belasten. Für Entspannung sorgt zum Beispiel ein Aufenthalt im Hochgebirge oder am Meer. «Der Allergengehalt der Luft ist dort niedriger und das UV-Licht der Sonne wirkt antientzündlich», erläutert von Kiedrowski.

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