26. Dezember 2017, 20:17 Uhr

Das Kreuz mit der Wohnungssuche

26. Dezember 2017, 20:17 Uhr
Spießrutenlauf: »Da gibt es keine Inseln der Glückseligkeit mehr«, umschreibt ein Experte die knifflige Lage auf dem teuren, umkämpften Frankfurter Wohnungsmarkt. (Foto: dpa)

Dicke Bewerbungsmappen, viel Geduld und eine ordentliche Prise Glück – das alles ist für eine Wohnungssuche in Frankfurt und Umgebung nötig. Der Markt hier gilt als einer der angespanntesten in Deutschland. Die Nachfrage nach bezahltbarem Wohnraum übersteigt bei Weitem das Angebot. Selbst vormals etwas günstigere Pflaster sind begehrt – und teurer. Auch andernorts, etwa in Uni-Städten wie Darmstadt oder Marburg oder auch in Kassel, wo der Markt lange als eher entspannt galt, werden die Bedingungen härter.

»Es ist frustrierend«, erzählt etwa die 35-jährige Friederike. Sie und ihr Freund wohnen in Mainz, arbeiten beide in Frankfurt und möchten ihren Arbeitsweg nach Jahren des Pendelns verkürzen. Leichter gesagt, als getan. »Man kann schon froh sein, wenn man von Maklern oder Vermietern überhaupt einen Rückruf bekommt«, sagt sie. »Und wenn man einen Besichtigungstermin hat, konkurriert man mit 100 anderen.«

Die Nöte kennt Willi Müller, Leiter der Stabsstelle im Frankfurter Amt für Wohnungswesen. »Die Marktmacht der Anbieter ist sehr viel größer als die der Nachfrager«, sagt er. Mieter ließen sich auf Einiges ein, um an eine Bleibe zu kommen. »Wir bekommen vermehrt mit, dass zum Beispiel vor Vertragsschluss die Kaution gezahlt werden soll, was eigentlich nicht zulässig ist.« Ratenzahlungen würden nicht gestattet, für Studenten oder Auszubildende gehe ohne eine Bürgschaft der Eltern oft gar nichts. »Die Bandagen sind recht hart.«

Laut des Frankfurter Mietspiegels sind die Preise zwischen 2010 und 2014 um 11,3 Prozent geklettert, von 2000 bis 2014 laut Müller gar um 23,5 Prozent. Gerade würden Daten für den Mietspiegel 2018 erhoben. Es dürfte wieder eine Steigerung gegeben haben. »Die fällt aber sicher nicht so deutlich aus, wie viele denken.« Das liege daran, dass neben neuen Mieten auch Bestandsmieten einfließen. Und doch: »Wenn einkommensschwache Mieter gekündigt bekommen, haben sie kaum eine Chance, in Frankfurt eine neue Wohnung zu finden«, sagt Müller. »Es gibt Hotspots, in denen es für Einkommensschwache völlig aussichtslos ist.« Selbst in einst weniger begehrten Lagen sei es enger geworden – etwa in westlichen Randbezirken oder Fechenheim.

Auch jenseits der Stadtgrenzen wird es knifflig. Der Mieterbund Hanau rechnete kürzlich vor, in Maintal sei der Angebotsmietpreis je Quadratmeter von 2012 bis 2017 von 7,35 auf 8,70 Euro gestiegen. Der angespannte Markt im Großraum Frankfurt mache sich auch im Westen des Main-Kinzig-Kreises bemerkbar. Der Offenbacher Mietspiegel für 2018 kommt zu dem Schluss: Die Mieten steigen, unabhängig vom Alter der Gebäude. In Kassel bewegten sich die Mietkosten pro Quadratmeter bei Neuvermietungen 2011 noch mehrheitlich zwischen vier und sechs Euro. Jetzt liege man zwischen sechs und acht Euro.

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