11. Februar 2019, 08:46 Uhr

Fortnite

Fortnite: Wie Eltern Zoff vermeiden können

Rund 200 Millionen registrierte Spieler rund um den Globus: Das Computer-Spiel »Fortnite« hat sich zum Massenphänomen entwickelt – und zum viel diskutierten Thema in heimischen Kinderzimmern.
11. Februar 2019, 08:46 Uhr
(Foto: Julian Stratenschulte (dpa))

Viele Eltern dürften sich wünschen, niemals mit dem Thema konfrontiert worden zu sein. Doch an »Fortnite« kommt man nur noch schwer vorbei. Damit verbunden sind endlose Debatten um die Spielzeit und das immer wiederkehrende Ringen mit sich selbst, ob das Computer-Spiel das Richtige für Sohn oder Tochter ist. Denn in »Fortnite« wird geballert – und das nicht zu knapp.

Worum geht es bei »Fortnite« eigentlich genau?

Spricht man vom Computer-Spiel »Fortnite«, dann meint man in erster Linie den Online-Modus »Battle Royale«. Ziel ist es, als letzter von 100 Spielern am Leben zu bleiben. Dafür können die Teilnehmer Häuser und andere Strukturen bauen, vor allem aber müssen sie ballern. Online bedeutet, dass sich die Spieler via Internet verabreden können – weltweit. Der Einstieg in »Battle Royale« ist kostenlos, im weitere Verlauf können Spieler Ausrüstungsgegenstände dazukaufen oder ihren Charakter individualiseren – ebenfalls gegen Geld. Das Spiel läuft auf den gängigen Konsolen, auf dem PC und auf Smartphones.

Warum ist Spiel so beliebt – nicht zuletzt auch bei Kindern und Jugendlichen?

»Die Entwickler haben es geschafft, beliebte Elemente in einem Spiel zu vereinen«, sagt Benjamin Wockenfuß, Suchttherapeut und Social-Media-Manager bei der Hessischen Landesstelle für Suchtfragen. Dazu zählten das Prinzip des Third-Person-Shooters (die Spielfigur ist sichtbar und die Kamera hinter ihr positioniert), die Comic-Grafik, ständig neue Spielsituationen, die nach dem Zufallsprinzip entstehen, und nicht zuletzt den Strategiefaktor. »Weil der Spieler ständig in unvorhersehbare Situationen gerät, möchte er immer weiterspielen. Zudem fließt kein Blut. Stirbt ein Charakter, wird er wegteleportiert. Das macht das Spiel gerade für Jüngere bekömmlicher.«

Wie ist das Spiel zu einem Massenphänomen geworden?

Bei »Fortnite« sei das Drumherum mindestens genauso wichtig wie das Spiel selbst, sagt Wockenfuß. »Die Spannung macht der Spagat zwischen der planerischen Vorgehensweise auf der einen Seite und dem sich Einstellen auf unvorhergesehene Spielsituationen auf der anderen Seite.« Niemand wisse, was als Nächstes passiert. Um das herauszufinden, könne der Spieler nur eins tun – weiter spielen. »Zudem kann man seinen Charakter individuell gestalten, jede Figur beherrscht bestimmt Tänze, die längst Kultstatus erreicht haben.« Nehme man alles zusammen, so werde »Fortnite« zu einer Art Statussymbol für Kinder und Jugendliche. »So wie früher ein Paar Turnschuhe«, erklärt der Experte. Zudem sei der Einstieg kostenlos – »free to play« nenne sich das. »Free to play« bedeute aber auch »free to pay«. »70 Prozent der Spieler investieren Geld für Ausrüstung oder Aussehen des Charakters. Der Hersteller Epic Games nimmt damit rund 300 Millionen Dollar pro Monat ein.«

Dann wären ja alle zufrieden – Spieler und Entwickler. Warum aber ist »Fortnite« aus Sicht der Experten nicht unbedenklich?

»Fortnite« sei verführerisch. Die Spieler erzielten schnelle Erfolge, die Steuerung sei vergleichsweise unkompliziert. Zudem könne man sich mit Gleichgesinnten aus aller Welt verbinden und auch messen. »Das ist sehr präzise auf die Bedürfnisse vieler Menschen zugeschnitten«, sagt Wockenfuß »Am Anfang steht der schnelle Lernerfolg, das motiviert, weiterzumachen, direkt nach dem nächsten Erfolgserlebnis zu streben. Dazu kommt, dass für Spieler die soziale Komponente, also die gemeinsam verbrachte Zeit im Spiel, vielleicht das interessanteste ist.« Daher bestehe die Gefahr, aus dieser Spirale nicht mehr herauszukommen. »Das Spiel zu gewinnen ist wie ein Sechser im Lotto. Daher muss ich immer und immer wieder herausfinden, ob ich das schaffen kann. Im Prinzip funktioniert Fortnite also wie ein Glücksspielautomat. Manchen Menschen fällt es dabei schwer, sich von solchen Situationen zu lösen.«

Für welches Alter ist »Fortnite: Battle Royale« geeignet?

Für die Online-Version gibt es keine Altersfreigabe. Für rein online vertriebene Inhalte gelte in Deutschland nämlich nicht das Jugendschutzgesetz des Bundes, sondern der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag der Länder Der sieht vor, dass der Spieleanbieter den Jugendschutz selbst sicherstellt – indem zum Beispiel die Eltern die Altersfreigabe einstellen können. »Dieser Zustand ist jedoch ein Unding. Hier braucht es klare Kante von der Politik«, sagt Wockenfuß.

Was können Eltern tun, wenn die Kinder »Fortnite« spielen möchten?

»Da eine offizielle Altersfreigabe fehlt, werden die Eltern in diesem Punkt ziemlich alleine gelassen«, erklärt der Experte. Theoretisch könne schon ein Dreijähriger das Spiel spielen. Das geeignete Alter für »Fortnite« sieht Wockenfuß bei 13 oder 14 Jahren. Mit »Fortnite« verhalte es sich allerdings ähnlich wie mit WhatsApp. Der Messenger werde oft nicht altersgerecht genutzt – das gelte auch für das Spiel. »Wir bewegen uns hier in dem Spannungsfeld Altersfreigabe versus Teil einer Jugendkultur.«

Wie verhalte ich mich, wenn mein Kind »Battle Royale« spielt?

»Die Eltern sollten mit dem Kind darüber reden, um zu erfahren, was es an dem Spiel reizt. Bleiben Sie dabei aber bitte authentisch. Sie brauchen kein Interesse an dem Spiel, sondern ein Interese für die Lebenswelt ihres Kindes.«, sagt Wockenfuß. »Die Zeit der Verbote ist vorbei. Dafür ist das Spiel viel zu sehr in der Jugendkultur verankert.« Eine strikte zeitliche Begrenzung hält der Experte ebenfalls für problematisch. »Dann versuchen die Kinder, in dieser Zeit möglichst viel, schnell und intensiv zu spielen.« Allerdings sollte man das Treiben vor dem Bildschirm in regelmäßigen Abständen beobachten. »Dann können die Eltern, nach einer gewissen Zeit unterbrechen und mit dem Kind etwas anderes machen, jenseits der Konsole. »Man muss positive Offline-Reize setzen.« »Fortnite« sollte nie als Druckmittel genutzt werden. – zum Beispiel Spielverbote als Strafe androhen. »Damit geben Eltern dem Spiel eine Bedeutung, das es nicht verdient.«

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