21. November 2018, 21:57 Uhr

Geschlossene rechte Gesellschaft

21. November 2018, 21:57 Uhr

In Haus Nummer 3 in der Marburger Lutherstraße legt man Wert auf Diskretion. »Nur intern verbreiten. Keine Veröffentlichung in sozialen Netzwerken o. ä.«, heißt es ganz am Ende der Einladung für den kommenden Samstag. Unter der genannten Adresse hat die völkische Burschenschaft Germania ihren Sitz. Deren Veranstaltungen sind in der Regel ohnehin geschlossene Gesellschaften – und für den 24. November haben sich Referenten angekündigt, die in rechten Kreisen einen gewissen Bekanntheitsgrad genießen. Laut einer bereits seit einigen Wochen zirkulierenden internen Einladung sollen am kommenden Samstag mit Philip Stein, Benedikt Kaiser und vor allem Alain de Benoist drei prominente Vertreter der sogenannten Neuen Rechten im Marburger »Germanen«-Haus auftreten. Philip Stein, selbst Mitglied der Germania, ist Leiter der rechtsradikalen Vernetzungsplattform »Ein Prozent« und Gründer des Jungeuropa-Verlages.

Benedikt Kaiser wiederum ist Autor im Jungeuropa Verlag sowie Lektor im Antaios-Verlag, welcher der ultrarechten Denkfabrik »Institut für Staatspolitik« von Götz Kubi-tschek angeschlossen ist. Zusammen mit dem dritten Referenten, dem französischen Publizisten Alain de Benoist, veröffentlichte er unlängst im Jungeuropa Verlag das Buch »Marx von Rechts«.

Personelle Überschneidungen

Benoist gilt als der vermutlich einflussreichste Vordenker der sogenannten Neuen Rechten, deren Selbstbezeichnung von ihm in den 70er Jahren geprägt wurde. Auf ihn gehen auch Konzepte wie der »Ethnopluralismus«, eine oberflächlich überarbeitete Version älterer Blut-und-Boden-Ideologien, oder der als »Metapolitik« umschriebene Kampf um den vorpolitischen Raum zurück.

Dass sich die Vertreter der »Neuen Rechten« bei der selbst in Burschenschaftskreisen als äußerst rechts geltenden Germania einfinden, ist schon aufgrund der personellen Überschneidungen kein Zufall. Darüber hinaus sind Mitglieder auch bei der AfD – als einfache Mitglieder ebenso wie auch als Mitarbeiter verschiedener Parlamentsfraktionen – und bei der rechtsradikalen Identitären Bewegung aktiv. Wesentliche Erkenntnisse über die Vernetzung der »Germanen« mit der extremen Rechten sind auf die Arbeit linker Recherchenetzwerke zurückzuführen.

Dabei kam es zuletzt im Mai 2017 zu Auseinandersetzungen zwischen »Germanen« und linken Aktivisten. Dabei wurden Fotografen von zunächst vermummten Männern attackiert, die aus dem »Germanen«-Haus stürmten. Dort fand das Landestreffen der AfD-Jugendorganisation Junge Alternative statt. Einer der Angreifer: Philip Stein. Die AfD-Jugend sprach später von Notwehr.

Das Bündnis »Marburg gegen rechts« plant für Samstag Gegenproteste zu der Veranstaltung. »Wir wollen deutlich machen, dass Marburg eine weltoffene Stadt ist, und der Neuen Rechten etwas entgegensetzen«, betont Ulf Immelt, Sekretär beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) in Mittelhessen, der Teil des Bündnisses ist. Geplant sei eine Demonstration, die um 13 Uhr am Marktplatz beginnen und vor das Stammhaus der Germania ziehen soll. Danijel Majic

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