14. Februar 2018, 22:26 Uhr

»Rudelsingen« macht Laune

14. Februar 2018, 22:26 Uhr
Ob man die richtige Stimmlage trifft oder nicht, ist egal: Beim »Rudelsingen« geht es darum, gemeinsam Spaß zu haben und andere Menschen kennenzulernen. (Foto: dpa)

Darmstadt (dpa/lhe). Tina Grimm schwärmt von einem »tollen Familien-Event« für drei Generationen. Astrid Röttger hat sechs Kollegen zum Singen in den Darmstädter »Jagdhofkeller« mitgebracht. Schon zum siebten Mal ist Christine Söring gekommen: »Wir sind immer zu dritt bis fünft, Frauen und Männer«, erzählt die fröhliche 65-Jährige. In zahlreichen deutschen Städten treffen sich regelmäßig einige Hundert Menschen zum sogenannten »Rudelsingen«. In der Gruppe schmettern sie nach Herzenslust und ohne Scheu Hits und Gassenhauer – auf Deutsch und auf Englisch, aktuelle Songs und Oldies.

Keine Kritik für falsche Töne

Ein Vorsänger, der auch Gitarre spielt, leitet die Singenden an, von denen viele den Ton allein nicht so genau treffen. Für Stimmung sorgt auch ein zweiter Musiker. Der Rest ist Playback. Die Songtexte werden per Beamer auf große Bildschirme geworfen. »Dieses gemeinsame Singen ist unwahrscheinlich positiv«, sagt Söring. »Keiner kritisiert, wenn man falsch singt, und man wird gut angeleitet.«

Als John Miles als Intro zum »Rudelsingen« erklingt, jubeln die Leute und klatschen sofort im Takt mit. »Music Was My First Love«, schallt es kurz darauf durch den Raum. Bei Herbert Grönemeyers »Mambo« klingt es etwas holprig. Der guten Stimmung tut das aber keinen Abbruch. Die Leute singen und freuen sich, manche tanzen. Auf der Bühne singt Jörg Siewert, spielt Gitarre, erzählt Anekdoten und führt durch den Abend. Steffen Walter begleitet ihn am Keyboard. Besonders gut kommt »Angels« von Robbie Williams an.

»Wenn die Kombination aus Team, Raum und Stadt passt, ist es immer ausverkauft«, sagt David Rauterberg, der das »Rudelsingen« Ende 2011 in Münster ins Leben gerufen hat und davon inzwischen fünf bis sechs Leute ernährt. Darmstadt sei einer der Orte, an denen alles passe und daher seien sogar Doppeltermine schnell ausverkauft.

Der künstlerische Geschäftsführer des deutschen Chorverbands und Mitbegründer des »Ich-kann-nicht-Singen-Chors«, Moritz Puschke, freut sich über die »lebensbejahende Alternative« in einer zunehmend digital geprägten Welt. Die Veranstaltungen träfen den Zeitgeist, weil sich die Menschen nicht festlegen müssten, die Veranstaltungsorte meist coole Kneipen oder Clubs seien und es keinerlei Nachweispflicht gebe. Die Menschen hätten einfach Lust auf Singen und Gemeinschaft, aufs Rauskommen und darauf, andere kennenzulernen.

»Mindestens die Hälfte muss ein Lied kennen«, sagt Rauterberg. Rock’n’Roll, Schlager und Volkslieder werden gesungen, aber auch mal Klassik. »Von Verdi bis Ed Sheeran.« Das Programm wechselt. Ein Song von den Beatles und einer von Abba sei aber jedes Mal dabei, sagt Siewert. Zehn Euro Eintritt kostet die Veranstaltung. Vor allem Erwachsene zieht das Singen in der Masse an. »Zuerst kamen die Frauen ab 40, sie brachten Jüngere und Ältere mit. Der Männeranteil steigt auch mit fortschreitender Dauer.«

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