Aus dem Gerichtsaal

Schwedens «Lasermann» 25 Jahre nach Mord in Hessen vor Gericht

In seinem Heimatland wurde er «Lasermann» genannt, weil er mit Hilfe einer Laser-Zieleinrichtung auf Ausländer schoss. Ob der Mann auch in Hessen tötete, wird seit heute in Frankfurt geklärt.
13. Dezember 2017, 13:41 Uhr
(Foto: dpa)

Mehr als ein Vierteljahrhundert nach dem gewaltsamen Tod einer Garderobenfrau hat am Mittwoch in Frankfurt am Main der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 64 Jahre alten John Ausonius, der als «Lasermann» bekannt wurde, Mord vor. Der Schwede soll die Frau im Februar 1992 aus unmittelbarer Nähe mit einem Kopfschuss getötet haben und anschließend mit ihrer Handtasche auf dem Fahrrad geflohen sein. Zuvor soll die Frau ihm angeblich ein elektronisches Notizbuch gestohlen haben. Die Anklage warf dem 64-Jährigen Heimtücke vor.

Der Verteidiger des 64-Jährigen beantragte am ersten Prozesstag am Frankfurter Landgericht, das Verfahren einzustellen. Er sah das Recht seines Mandanten verletzt, dass der Fall «innerhalb angemessener Zeit» verhandelt werde. Die deutsche Justiz habe erst 23 Jahre, nachdem gegen den Schweden erstmals als Beschuldigter ermittelt worden sei, von Schweden die Auslieferung des Mannes beantragt.

Dort saß Ausonius bereits seit 1994 als verurteilter Mörder in Haft. Mit Hilfe einer Laser-Zielvorrichtung schoss er auf dunkelhäutige Einwanderer. In Schweden wurde er daher als «Lasermann» bekannt.

Nach eigener Aussage vor dem Frankfurter Gericht handelte der Schwede aber nicht aus den ihm vorgeworfenen rassistischen Motiven, sondern um die Polizei von den Ermittlungen nach mehreren Banküberfällen abzulenken. Mit diesen Banküberfällen finanzierte der Mann seine Besuche in Spielcasinos. Zu dem ihm vorgeworfenen Mord in Frankfurt machte der Angeklagte am Mittwoch keine Aussagen. In fließendem Deutsch schilderte er stattdessen seinen Lebensweg, der vor allem von Schulden und der Jagd nach schnellem Geld geprägt gewesen sei.

Ausonius war im vergangenen Jahr auf Betreiben der Frankfurter Staatsanwaltschaft ausgeliefert worden. Sein Verteidiger wies darauf hin, dass durch die späte Wiederaufnahme der Ermittlungen bereits bestehende Haftlockerungen seines Mandanten wie regelmäßige Ausgänge wieder gestrichen worden seien. Dabei seien keine neuen Beweise und Indizien hinzugekommen, begründete er seinen Antrag auf Einstellung des Verfahrens.

Der 64-Jährige sitzt seit 2016 in Untersuchungshaft. Seine Haft in Schweden wurde dafür unterbrochen. Der Prozess wird am kommenden Dienstag fortgesetzt.
 

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