21. Dezember 2018, 21:26 Uhr

Als alle Brunnen versiegten

21. Dezember 2018, 21:26 Uhr
Hans-Joachim Häuser führt den Gebrauch von Schöpfgefäßen an einem alten Ofen vor.

Heute kommt das Wasser aus der Leitung – und früher? Hans-Joachim Häuser sprach nun in der Heimatstube in Leihgestern über die historische Wasserversorgung in Leihgestern.

Heute hat man ganz selbstverständlich mehrere Wasserhähne im Haus und macht sich eigentlich kaum Gedanken darüber, wie viel Wasser man verbraucht. Doch wie sah das vor hundert Jahren aus? Bis etwa 1907 versorgten sich die Leihgesterner mit Brunnen, zum Teil gab es hauseigene, woanders teilten sich mehrere Häuser einen Brunnen, sagte Häuser. Das Wasser wurde dabei mit Handpumpen aus den Brunnen hochgefördert. Den meisten Verbrauch hatte man dabei für das Vieh. Es gab immer zwei verschiedene Eimer: einen Zinkeimer für die Versorgung der Tiere und einen emaillierten Eimer für den Verbrauch im Haushalt. Wann immer man Wasser benötigte, musste man mit einem Eimer zum Brunnen gehen und diesen auffüllen.

Auch die Qualität des Wassers ließ oftmals zu wünschen übrig: Dadurch, dass Brunnen im Hof oder Garten häufig in Nähe zu Misthaufen lagen, wurde das eigentlich saubere Grundwasser verunreinigt. In der Zeit von 1907 bis 1910 wurden die ersten Wasserhäuschen erbaut und Rohre verlegt. Infolge dessen wurden erstmals eigene Hausanbindungen eingerichtet, ein wahrer Segen für alle Einwohner. Nun gab es zumindest eine eigene Wasserentnahmestelle in einigen Häusern.

Leihgestern konnte zu dieser Zeit von einer einmalig günstigen Lage profitieren: Da die Wasserquellen und der errichtete Hochbehälter selbst höher lagen als der am höchsten liegende Verbraucher, konnte das Wasser natürlich abfließen und musste nicht, wie beispielsweise im Kleebachtal, mit elektrischer Hilfe gefördert werden. So funktionierte die Wasserversorgung in Leihgestern bis nach dem Zweiten Weltkrieg. Im Jahr 1947 kam es dann aber zu einem Versiegen aller umliegenden Quellen, während sich der Bedarf aufgrund wachsender Bevölkerungszahlen gleichzeitig verdoppelt hatte. Als Lösung wurden mehrere Brunnen im Tal angelegt, um nach Möglichkeit das aus höheren Ebenen abfließende Wasser abzufangen. So wurde unter anderem an der heutigen Ecke Berliner Straße und Haingasse nach Wasser gebohrt. Tatsächlich wurde dort auch in einer Tiefe von 56 Metern Wasser entdeckt, dieses war aber äußerst eisenhaltig und musste zunächst abgekocht werden, bevor man es verwenden konnte. Eine spätere Untersuchung des Wassers bestätigte, dass das Grundwasser in Leihgestern durchaus Trinkqualität habe, trotz erhöhtem Eisengehalt.

Seit dem Anschluss an die mittelhessischen Wasserwerke kommt das Wasser für Leihgestern aus Stadtallendorf. (Foto: lbh)

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