08. März 2018, 21:27 Uhr

Eine stille Heldin

08. März 2018, 21:27 Uhr
Meybohm

»Sie hatte immer eine bunte Blumenwiese an Themen, wenn es um das Erzählcafé in Hungen ging, das sie seit über zehn Jahren organisierte«: So die Beschreibung von Ingrid Meybohm, die Ende 2017 unerwartet, plötzlich und viel zu früh im Alter von 73 Jahren verstarb. Sie hinterlässt überall Lücken, bleibt aber in liebevoller Erinnerung, wie das kürzlich zu ihrem Andenken angebotene Erzählcafé im Kulturzentrum Hungen zeigte. Zahlreiche Weggefährten aus Meybohms vielen Aktivitäten hatten sich eingefunden, um bei Kaffee und Kuchen von ihr zu erzählen. Tilly Becker (Vorsitzende des Vereins zur Förderung einer Stätte der Begegnung, Beratung und Kultur) nannte sie eine ruhige, zurückhaltende Frau, die immer klar Position bezogen habe. Ingrid Meybohm, eine der Gründerinnen des Vereins, sei lange Jahre die Schriftführerin gewesen und habe diese Tätigkeit sehr ernst genommen.

Für Angelika Werner-Wildhack war Ingrid Meybohm eine stille Heldin – »nie in den Mittelpunkt drängend, aber beständig und beharrlich im Tun«. Ehemalige Kollegen berichteten von ihr als Vollblutlehrerin. Karin Hermes beschrieb, wie die Verstorbene akribisch Flora und Fauna auf dem Schulgelände bestimmt und auch gerne Tipps für die Gartengestaltung gegeben habe: »Wenn meine Margeriten blühen, werde ich immer an sie denken«. Christoph Fellner von Feldegg erzählte von Ingrid Meybohms Aktivitäten im Arbeitskreis Spurensuche, der sich mit dem jüdischen Leben in Hungen befasst: »Sie war das Herz der Gruppe und hinterlässt eine Lücke, die schwer zu schließen ist. Wir lassen ihren Platz bei den Arbeitskreissitzungen frei und versuchen, in ihrem Sinne weiter zu arbeiten«. 2019 werden wieder Stolpersteine in Hungen gesetzt – auch in Ingrid Meybohms Andenken.

Ihre Gymnastikdamen vermissen sie ebenfalls sehr, wie Christel Jung in Vertretung der Gruppe sagte. Seit 1976 war Meybohm hier aktiv und leitete 26 Jahre bis zuletzt die Funktionsgymnastik an. Jung: »Sie wird in warmer Erinnerung behalten«.

Ingrid Meybohm tanzte gerne und ging gerne auf Wanderschaft mit dem VHC. Sie hatte eine ruhige tiefe Stimme und sang gerne. So war es nicht verwunderlich, dass Renate Hecht ihre Gitarre ergriff und Meybohms Lieblingslied anstimmte: »Die Gedanken sind frei«.

Inzwischen kam die Idee auf, Ingrid Meybohm eine Gedenkstätte zu errichten – etwa ein Baum auf der Heuern am Rande des Schäferrundweges. Denn auch die Wiederherstellung der dort befindlichen historischen Schaftränken ist ihrem Engagement zu verdanken. Man wird diese Idee an die Stadt Hungen herantragen.

Das Erzählcafé soll weitergehen – am Freitag, 27. April, mit dem letzten Thema, das Ingrid Meybohm noch initiiert hatte: Eine Wanderung von drei Hungener Herren auf dem Lutherweg und ihre Erlebnisse (15 Uhr, Kulturzentrum). Alles andere ist noch offen, aber ein »weiter so« wäre bestimmt im Sinne von Ingrid Meybohm gewesen, auch wenn ihre Fußstapfen groß sind. (Foto: pm)

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