03. Januar 2018, 19:47 Uhr

Hütte und Hammerwerk

03. Januar 2018, 19:47 Uhr
Auf der Eibelshäuser Hütte gegossene Ofenplatte mit einer Darstellung des Berg- und Hüttenwesens aus dem 18. Jahrhundert.

Den einstigen Guss- und Stahl-Großkonzern Buderus kennt jeder, verbindet damit die riesigen Werke in Wetzlar und Lollar. Aber wer weiß schon, dass Wurzeln des Unternehmens ins Biebertal reichen? Verbindungen bestanden vor bald 300 Jahren zur Bieberer Hütte nahe der Steinmühle. Der Marburger Michael Ferger hat jetzt das Buch »Hochöfen an Lahn, Dill und in Oberhessen. Von der Waldschmiede zum Global Player« vorgelegt, erschienen im Michael-Imhof-Verlag (Petersberg/Fulda).

Eingang gefunden haben darin die Forschungen von Dr. Rainer Haus, der aus einer alten Biebertaler Bergbaufamilie stammt und seine seiner Dissertation über die Montanreviere von Lothringen und Salzgitter verfasst hat. Haus hat zudem seit Jahren zum hiesigen Berg- und Hüttenwesen Quellenforschungen in zahlreichen Archiven betrieben. Die Geschichte des Bergbaues im Raum Biebertal reicht bis in die Keltenzeit zurück und endete erst 1963, so Rainer Haus. Aber im Gegensatz zu den großen hiesigen Eisenwerken wie der Main-Weser-Hütte (heute Werk Lollar von Bosch-Thermotechnik) oder der Sophienhütte in Wetzlar (später Werk Wetzlar von Buderus) war die Geschichte der Bieberer Hütte im Biebertal bis zu Beginn der 1980er Jahre weitgehend unbekannt.

Haus’ Erkenntnisse haben bereits 1982 Eingang in den schon lange vergriffenen Sammelband »Der Dünsberg und das Biebertal« gefunden. Mit Fergers neuem Buch wird die Hüttenentwicklung an der Bieber im 17. und 18. Jahrhundert erstmals einer breiten montanhistorisch interessierten Leserschaft zugänglich gemacht.

Das Heuchelheimer Hammerwerk, in dem Eisen aus dem Biebertal weiterverarbeitet wurde, geht auf das Jahr 1659 zurück. »So gut wie sicher« ist es laut Haus, dass zur selben Zeit auch das Eisenwerk bei der Steinmühle – die Bieberer Hütte – in Betrieb ging. Der erste Hinweis auf eine staatliche Eisenverhüttung im Biebertal stammt aus dem Jahre 1658. Sebastian Steinmüller von der Steinmühle tritt etwa einen Morgen Land unterhalb der Steinmühle zur Erbauung »eines hohen Offens vnd anderer nohtwendiger gebäu, zu dem Eyßenhüttenwerk« an den Landesherren ab. Der Eisenstein stammte vornehmlich aus dem Raum Königsberg. Georg Steinmüller fungierte als Hüttenvogt. Im Jahre 1691 wurden das Hütten- und Hammerwerk im Biebertal auf drei Jahre an den Apotheker Joh. C. Scipio aus Gießen und Joh. H. Rehe aus Rodheim verpachtet. Sie übernahmen zudem die Heuchelheimer Mühle unterhalb des Hammerwerkes.

1694 bis 1717 gingen die Eisenwerke wieder in staatliche Verwaltung über. Während noch 1688 nahezu ausschließlich Roheisen produziert worden war, bestand die Eisenproduktion des Jahres 1700 zu über einem Drittel aus gußeisernen Gerätschaften. Eine interessante Geschäftsverbindung bestand zwischen der Bieberer Hütte und dem Glocken- und Stückgießer in Gießen: Johannes Henschel war der Großvater des 1759 in Gießen geborenen Gründers der späteren Lokomotivfabrik Henschel in Kassel, Georg Christian Carl Henschel. Johannes Henschel goss 1714 eine noch heute in der Frankenbacher Kirche hängende Glocke. Für die »Fuhr- und Handwerksleut« waren die Eisenwerke an der Bieber als Verdienstmöglichkeit von Bedeutung. Nachdem die Verhüttung wegen Überproduktion zeitweise gedrosselt worden war, ging es vermutlich 1719 wieder voran. Im Jahre 1727 erscheint ein J. J. Neuburger als Pächter. Er hatte zu dieser Zeit bereits die Hüttenwerke bei Büdingen, Hirzenhain und die Friedrichshütte bei Laubach gepachtet. 1729 geriet Neuburgers Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten. Die Nachfolge Neuburgers als Pächter der Friedrichshütte und der beiden angeschlossenen Hammerwerke trat am 14. März 1731 der bisherige kaufmännische und technische Leiter des Hüttenwerkes, Johann Wilhelm Buderus, an. Dieses Datum gilt als der Gründungstag der Firma Buderus.

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