08. Februar 2018, 21:02 Uhr

»Mit blauem Auge davongekommen«

08. Februar 2018, 21:02 Uhr
Erst nach mehreren Gesprächen mit seinem Verteidiger Björn Weil ist der Angeklagte bereit, die Berufung zurückzunehmen. (sha)

Weil er nicht damit zurechtkam, dass sie ihn verlassen hatte, hat ein 29-Jähriger versucht, seine Ex-Freundin zu vergewaltigen. Zwar konnte das Opfer noch verhindern, dass es zum Äußersten kam, wurde aber dennoch von dem Mann geschlagen und getreten, stürzte schließlich eine Treppe hinunter. Das war 2015. Der Täter kassierte beim Gießener Amtsgericht ein Jahr und drei Monate Haft auf Bewährung. Ein mildes Urteil. Dennoch gab sich der Gießener damit nicht zufrieden und legte Berufung ein.

Er sei unschuldig, betonte er am Donnerstag vor einer Berufungskammer des Gießener Landgerichts. Das sorgte für Verwunderung bei den Prozessbeteiligten. Schließlich hatte der Mann damals »mit dramatischen Worten und Gesten« seine Schuld eingeräumt, stellte Rechtsanwalt Carsten Marx fest, der die Nebenklage für das Opfer übernommen hatte.

Wortreiche Zwischenrufe

Aus diesem Grund – der Heuchelheimerin war eine Aussage vor Gericht erspart worden – war auch das Urteil so milde ausgefallen. Er sei damals »unter Druck gesetzt« worden, fiel ihm der Familienvater ins Wort. Verteidiger Björn Weil benötigte mehrere Gespräche, um seinen Mandanten dazu zu bewegen, die Berufung doch noch zurückzuziehen.

Eine Entscheidung, die den Angeklagten vor dem Gefängnis bewahrte. »Sie sind mit einem blauen Auge davongekommen. Sie wären zwingend im Knast gelandet«, sagte Vorsitzender Richter Dr. Johannes Nink. Zuvor hatte er den Gießener mehrfach ermahnt, die anderen Prozessteilnehmer nicht durch Zwischenrufe zu unterbrechen. »Sonst bekommen Sie ein Ordnungsgeld von 100 Euro.«

Für eine kurze Irritation sorgte die Frage der Staatsbürgerschaft. Der türkischstämmige Angeklagte unterstrich aber, einen deutschen Pass zu besitzen. Warum im Laufe des Ermittlungsverfahrens auch von einer anderen Staatsangehörigkeit die Rede gewesen sei, konnte er sich nicht erklären.

Umso wortreicher schaltete er sich ein, als das Gericht seine Vorstrafen verlas. Dass der Beschuldigte schon ein weiteres Mal wegen Bedrohung und Körperverletzung verurteilt worden war, nannte Nink »gravierend«. Doch der Angesprochene versuchte, zu beschwichtigen. »Das war bei meiner Mutter, ich hab’s wieder gut gemacht.«

Auch von der Staatsanwaltschaft ins Feld geführte Geldstrafen aus anderen Verfahren »habe ich doch schon bezahlt«, versicherte der Angeklagte. Tatsächlich fehlen noch 500 Euro, korrigierte Staatsanwältin Sandra Scheffel.

Nach Marx’ Schilderungen leidet das mittlerweile 23 Jahre alte Opfer immer noch unter den Folgen der Tat. Ein weiteres Gerichtsverfahren wäre eine große Belastung für die Frau. Äußerungen, die der Gießener mit einem »Ja, ja« abtat.

Die Heuchelheimerin war nicht im Gerichtssaal. Sie halte sich aber »auf Abruf bereit«, teilte Marx mit. Er kritisierte, dass auch die Ehefrau des Angeklagten sich im Gerichtsflur geringschätzig über seine Mandantin geäußert habe.

»Was ist das für eine Frau, die Lügen verbreitet, aber sich dann nicht ins Gericht traut«, soll sie gesagt haben. Marx beantragte, die Gießenerin des Gerichtssaals zu verweisen, da er sie als Zeugin hören wollte, falls der Prozess gegen ihren Mann neu aufgerollt würde.

Da dieser aber doch nicht auf seiner Berufung beharrte, kam es nicht dazu. Lediglich die zusätzlichen Kosten des Prozesstages am Landgericht muss er nun tragen.

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