22. Dezember 2017, 13:05 Uhr

Weihnachtsbraten

Nach 28 Wochen endet das schöne Gänseleben

Woher kommt die Weihnachtsgans? Bei den 600 Exemplaren vom Kronauer Hof in Salzböden fällt die Antwort leicht. Sie wachsen als Bio-Gänse auf.
22. Dezember 2017, 13:05 Uhr
Ein typisches Festtagsessen. (Foto: dpa)

Normalerweise bestimmt ein lautes Geschnatter die Geräuschkulisse auf dem Kronauer Hof in Lollar-Salzböden. Zumindest bis tief in den Winter. Daniela und Arne Bodenbender ziehen hier Jahr für Jahr ihre Bio-Gänse groß, um sie im November und Dezember zu schlachten.

Angefangen haben sie 2004 mit rund 50 Gänsen, dieses Jahr waren es knapp 600. Die Nachfrage nach Bioprodukten aus artgerechter Haltung ist gerade zu Weihnachten groß. Und immer mehr interessieren sich auch dafür, wie es dem Tier davor ergangen ist.

 

Nachts im Stall, des Fuchses wegen

 

Rund 600 Gänse haben Daniela und Arne Bodenbender in diesem Jahr in Salzböden großgezogen.
Rund 600 Gänse haben Daniela und Arne Bodenbender in diesem Jahr in Salzböden großgezogen.

Die Familie Bodenbender bekommt ihre Gänse als sogenannte Eintagsgössel Ende Mai von einem Bioland-Aufzuchtbetrieb bei Leipzig. Dann sind die Jungtiere gerade mal ein bis drei Tage alt. Die ersten drei Wochen verbringen sie überwiegend im Stall, danach kommen sie tagsüber nach draußen. Nachts bleiben die Gänse weiterhin im Stall, damit der Fuchs sie nicht holen kann.

 

»Nach acht bis zehn Wochen sind die Gänse bereits ausgewachsen«, erklärt Daniela Bodenbender. Danach gehe es nur noch um die Gewichtszunahme. Um eine besonders gute Fleischqualität zu erhalten, werden die Gänse auf dem Kronauer Hof langsam gemästet. Dadurch sind sie weniger fett und bekommen ein relativ dunkles, zartes Fleisch, in das weniger Wasser als bei Schnellmastgänsen eingelagert wird. Am Ende wiegt eine Gans dann zwischen vier und fünf Kilo.

 

Mit 28 Wochen endet das Gänseleben

 

Spätestens im Dezember ist das schöne Leben der Gänse aber vorbei. Zu Weihnachten sind die Tiere knapp 28 Wochen alt. »Das klingt wenig, ist für die Gänsezucht aber schon alt«, erklärt Bodenbender. Schnellmastgänse würden bereits nach der Hälfte der Zeit geschlachtet.

Die Bodenbenders schlachten nicht selbst, sondern bringen ihre Tiere zu einem Geflügelschlachtbetrieb im benachbarten Lahn-Dill-Kreis. Dort wird die Gans zunächst betäubt. Nach dem Abtrennen des Kopfes muss das Tier ausbluten. In einem heißen Wasserbad werden die Federn mit einer Art »Lösemittel« behandelt, dann geht es in die Rupfmaschine. »Die kann man sich wie eine liegende Waschmaschinentrommel vorstellen«, erklärt Bodenbender.

Danach wird noch einmal per Hand nachgerupft und die Gans ausgenommen. Das Fleisch kommt sofort in die Kühlung und bleibt dort, bis es vom Kunden vor Ort auf dem Kronauer Hof abgeholt wird.

 

Gänse sind bereits ausverkauft

 

Die Nachfrage ist groß, Gänse aber gibt es nur auf Vorbestellung. Diesmal standen sogar Kunden auf der Warteliste. Doch so kurz vor Weihnachten sind alle Gänse längst ausverkauft. Der Preis? 17,90 Euro pro Kilo. Nicht jeder sei bereit, das zu zahlen. Doch Bodenbender merkt auch, dass sich mittlerweile vermehrt junge Familien für ihre Gänse interessieren und an Weihnachten wieder das traditionelle Essen zubereiten wollen: »Die Kunden legen vermehrt wert darauf, dass die Tiere genügend Freilauf hatten und aus einem Betrieb in der Nähe kommen.«

Wer will, kann sich schon ab Mai »seine« Gans auf dem Hof in der Schmelz anschauen. Doch das will nicht jeder. »Einige Leute haben Schwierigkeiten damit, die Gänse zu sehen, die sie später essen. Anderen gibt es dagegen ein gutes Gefühl zu wissen, wo die Tiere herkommen.« Ein Kauf aus der Gefriertruhe im Supermarkt sei für viele einfacher und anonymer.

Der Verkauf der Gänse im November und Dezember ist der Lohn für viele Monate Arbeit. »Ab Mai stehen wir sieben Tage die Woche im Stall«, erklärt Bodenbender, »Ferien gibt es bei uns nicht«. Die Gänsezucht sei ein reines Saisongeschäft. Außerhalb der Monate November und Dezember werden auf dem Kronauer Hof keine Gänse verkauft, die seien dann aber auch nicht gefragt. Ob sie die Gans denn selbst noch essen können? »Na klar«, antwortet Bodenbender. Auch bei ihnen landet zu Weihnachten traditionell eine Gans auf dem Tisch.

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