Feuerwehr Albach

Nach Parlamentsvotum: Eine Hoffnung hat die Albacher Feuerwehr noch

Einen Feuerwehrstandort soll es in Albach nicht mehr geben. Der Konflikt, der seit einem Jahr schwelt, scheint mit der Parlamentsentscheidung beigelegt. Doch eine letzte Hoffnung bleibt den Albachern.
08. Februar 2018, 13:00 Uhr
Botschaft ohne Worte: Nach der Beschlussfassung geben 15 Aktive aus Albach ihre Melder ab. (Foto: bf)

Die Geste sprach mehr als tausend Worte. Nach dem mehrheitlichen Beschluss der Fernwalder Gemeindevertretung, den Feuerwehrstandort Albach aufzulösen, steuerten ein gutes Dutzend Mitglieder der dortigen Einsatzabteilung auf den Tisch des Gemeindevorstandes zu und gaben ihre Melder ab. 15 an der Zahl. Die Botschaft war eindeutig: Sie wollen sich in Steinbach oder Annerod nicht engagieren.

Dennoch akzeptieren die Albacher offenbar den Parlamentsbeschluss, der mit 16 zu neun Stimmen viel deutlicher ausgefallen war, als die meisten erwartet hatten. »Wir müssen damit leben. Wir können nichts dagegen tun« sagt Feuerwehrvereinschef Friedhelm Langsdorf auf GAZ-Anfrage.

Der Fokus werde sich jetzt auf die Zukunft des Vereins richten, der eigentlich von einer aktiven Einsatzabteilung lebe. Die Hoffnung, dass der Standort doch noch eine Zukunft hat, will Langsdorf nicht aufgeben und ist gespannt, was die Entscheidung über das Bürgerbegehren bringt.

 

Kommt es zum Bürgerentscheid?

Mitte Januar hatten die Albacher ein solches Begehren auf den Weg gebracht. Sollte es zulässig sein, wird die Gemeindevertretung darüber entscheiden und gleichzeitig eine Stellungnahme beschließen, ob sie dem Wunsch der Bürger folgt, wo von nach dem Votum am Dienstagabend nicht auszugehen ist. Ein Bürgerentscheid stünde dann bevor, und die Fernwälder könnten womöglich doch noch selbst über den Feuerwehrstandort abstimmen. (siehe unten)

Neben der SPD, die wie angekündigt geschlossen für den Antrag des Bürgermeisters und damit die Standort-Schließung votierte, kamen vier weitere Ja-Stimmen von den Freien Wählern, eine aus den Reihen der CDU und eine von den Grünen.

 

Langsdorf wirft Bechthold »rein persönliche Motive« vor

Mehr emotional als sachlich war die Debatte zuvor geführt worden. Wieder wurden die bekannten Vorwürfe laut und die Fronten deutlich. Die Feuerwehr auf der einen Seite, der Bürgermeister auf der anderen. 20 Minuten lang bezog FW-Mitglied Friedhelm Langsdorf Position, sprach von Fehlern aller Beteiligten und nahm sich selbst als Vorsitzenden des Feuerwehrvereins und seinen Stellvertreter Florian Blaukat nicht aus.

Als einen der Hauptmitschuldigen aber bezeichnete Langsdorf den Bürgermeister, der sich seit einem Jahr jeglichem klärenden Gespräch verweigere, einen Keil zwischen die Albacher und die anderen beiden Ortsteilwehren getrieben und auch im Mediationsprozess falsche Entscheidungen getroffen habe. Langsdorfs Ansicht nach aus rein »persönlichen Motiven« heraus. »Einen Konflikt löst man so nicht, im Gegenteil, man gießt Öl ins Feuer«, findet Langsdorf.

Stefan Bechthold wiederum ließ die Vorwürfe nicht auf sich sitzen, verwies auf Gespräche und Entscheidungen mit Wehrführerausschuss und Gemeindebrandinspektor, kritisierte fehlende Treue, Gehorsam und Verlässlichkeit seitens der Brandschützer. Fakten und Rechtslage seien eindeutig, sein Antrag biete alle Möglichkeiten.

 

Mit der Feuerwehr identifiziert sich das ganze Dorf

Ortsvorsteher Frank Stein

Die Fronten also nach wie vor verhärtet, die Leidtragenden ein ganzer Ort. Denn eines glauben viele in Albach nicht: Dass der Feuerwehrverein ohne Einsatzabteilung weiter besteht. Und an diesem Verein hängt mehr als der Brandschutz.

»Er ist eine tragende Säule der gesamten Vereinsarbeit«, sagte Frank Stein (CDU), der sich in seiner Funktion als Albacher Ortsvorsteher äußerte. »Mit der Feuerwehr identifiziert sich das ganze Dorf.« Eine Tragödie also, nicht nur in den Augen von Jan-Eric Walb (CDU), der den Konflikt als solche bezeichnete und die Frage aufwarf, ob es sich die Gemeinde leisten kann, zwei Dutzend junge, engagierte Menschen zu verlieren?

 

SPD-Mann Riedl spricht von falsch verstandenem Kameradschaftsgeist

Walb forderte von den Beteiligten, endlich miteinander statt übereinander zu reden und appellierte an die Gemeindevertretung, gegen eine Schließung zu stimmen: »Helfen Sie mit, damit das Ganze doch noch zu einem versöhnlichen Ende kommt.« Überzeugen konnte er damit nicht.

Zu viele waren anderer Auffassung. Martin Tasci-Lempe beispielsweise, der die Entscheidung schwierig nannte, weil man für beide Seiten Verständnis aufbringen könne. In Anbetracht der ungewissen Zukunft Albachs aber – Tasci verwies darauf, dass die Aktiven dies seit fast einem Jahr nicht mehr seien, Aus- und Fortbildung nicht stattgefunden habe –, könne er sich nicht für einen Standorterhalt aussprechen.

Sein Appell an die Brandschützer: Jene Brücken zu beschreiten, die man ihnen gebaut habe. Manfred Riedl (SPD) forderte die Albacher auf, sich nicht von falsch verstandenem Kameradschaftsgeist leiten zu lassen.

 

Was passiert mit dem Gerätehaus?

Doch wie geht es nun mit dem Standort weiter? Von ihren Meldern trennten sich 15 Albacher Aktive bereits, Uniformen und sonstige Utensilien werden jene, die nicht nach Steinbach oder Annerod wechseln wollen, ebenfalls alsbald abgeben müssen. Denn der Beschluss des Parlamentes soll unverzüglich umgesetzt werden.

Fahrzeuge und Gerätschaften aus Albach werden vermutlich in den Nachbarwehren zum Einsatz kommen. Bleibt die Frage nach dem Gerätehaus. Mit dessen weiterer Nutzung wird sich wohl irgendwann erneut die Gemeindevertretung auseinandersetzen müssen. Es sei denn, ein Bürgerentscheid fiele pro Feuerwehrstandort aus.

So geht es weiter

Beschluss über Bürgerbegehren

Nach dem Parlamentsbeschluss über die Schließung des Feuerwehrstandortes Albach wird der nächste formelle Schritt die Entscheidung über die Zulassung eines Bürgerbegehrens sein, wie Bürgermeister Stefan Bechthold auf GAZ-Anfrage mitteilte. Die Frage: Soll die Freiwillige Feuerwehr Albach am Standort erhalten bleiben? Am 11. Januar waren die Unterlagen für ein solches Verfahren mit insgesamt 714 Unterschriften von den drei Vertrauenspersonen Eckhardt Hilberg, Rolf Hofmann und Karl-Heinrich Dippel vorgelegt worden. Diese werden derzeit seitens der Verwaltung geprüft.

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