04. März 2018, 10:10 Uhr

Schulschwimmen

Schulschwimmen im Kreis Gießen: Finanzierung das Problem

Der Kreis als Schulträger erhöht die Pauschale, die er den Bäder-Kommunen fürs Schulschwimmen zahlt. »Zu wenig«, heißt es aus Laubach. Gefordert sei eine solidarische Lösung.
04. März 2018, 10:10 Uhr
Nicht nur die DLRG schlägt Alarm: Immer weniger Kinder in Deutschland lernen schwimmen. Kommunen mit Hallenbädern wie Laubach (Foto) leisten ihren Beitrag. Die Pauschale vom Kreis als Schulträger, gerade erst erhöht, sei aber noch immer nicht kostendeckend, klagt der Förderverein Laubacher Bäder – und verweist darauf, dass es bei den anderen Bädern nicht anders aussehe. (Foto: tb)

Nach dem Aus in Grünberg und Heuchelheim gibt es – abgesehen von Gießen – noch sechs Hallenbäder im Landkreis Gießen. Dort erwerben Kinder eine Fähigkeit, die immer weniger ihrer Altersgenossen drauf haben: schwimmen. Ein deutschlandweiter Trend, der mittelbar Ergebnis der Schließungen vieler Bäder aufgrund leerer Kassen ist.

Ein wichtiger Ertragsposten für Laubach wie die anderen Badbetreiber in Lich, Pohlheim, Biebertal, Lollar und Buseck sind die Nutzungsgebühren, die der Landkreis Gießen überweist. Die zahlt er als Schulträger für den Schwimmunterricht, der ab der dritten Klasse auf dem Lehrplan steht. Bislang waren das 70 Euro die Stunde, ab 1. Januar 2018 und zunächst bis 2021 sollen es 100 Euro sein. Pohlheim als einziges Wettkampfbad (50-Meter-Bahn) erhält 171 statt bisher 120 Euro. Für den Kreis steigen damit die Überweisungen an die sechs heimischen Bäder um 160 000 auf gut 540 000 Euro. Was ohne Erhöhung der Schulumlage zu stemmen sein soll.

 

45 Euro unter der Kostendeckung

 

Die Erhöhung der Pauschale ist das Ergebnis zweijähriger Verhandlungen mit den Bürgermeistern. »Ein Schritt in die richtige Richtung«, räumt Michael Köppen vom Vorstand des Fördervereins Laubacher Bäder ein, der sich über eine um 29 000 auf 96 000 Euro steigende Einnahme freuen darf. Hinzu kommen 13 650 Euro aus dem Vogelsbergkreis, der für die Schottener Kinder schon immer 130 Euro je Stunde zahlt. Aber, so fügt Köppen sogleich an: »Zufrieden sind wir nicht.«

Nicht nur, weil wieder keine dynamische Anpassung verhandelt wurde. Sondern auch, weil "Gießen" nicht nur unter dem Satz des Vogelsbergkreises bleibt; auch die evangelische Kirche entrichte fürs Laubach-Kolleg und die Grundschule Freienseen immerhin 125 Euro, und das seit Jahren. Ärgerlich sei zudem, dass der Kreis Gießen für die Nutzung des Mücker Bades durch die Schule Stangenrod »anstandslos« 130 Euro überweise. Fazit: Die Deckung aller Betriebskosten – Energie, Personal, Unterhaltung vor allem – sei in Laubach erst bei 145 Euro gegeben. Ein erheblicher Kostenanteil also bleibe weiter offen.

Ähnlich sehe es in Lich, Lollar, Buseck, Pohlheim und Biebertal aus. Alle subventionierten somit eine gesellschaftliche Aufgabe. »Dass bei uns die Kinder schwimmen lernen, sollte dem Kreis doch das Geld wert sein.« Insgesamt sind es übrigens 22 600 Schüler, die das Laubacher Bad alljährlich besuchen; die Schließung »Grünbergs« 2011 kam da zupass.

Dem Vorstand des Fördervereins geht es nicht zuletzt um Solidarität: »Die Gemeinden ohne Bad profitieren von uns, ohne dafür das zu zahlen, was es kostet.« Eine moderate Anhebung der Schulumlage, auf dass alle Badbetreiber nicht mehr drauflegen müssten, wäre da gerecht, ist sich der Vorstand des Fördervereins mit Michael Köppen, Regina Frank und Karl-Heinz Weicker einig. Die Forderung erheben sie – nicht ohne Absicht – kurz vor der Sitzung des Kreistags am Montag. Dann steht die Beratung des Haushalts an.

Von Anfang an, so der Kreis in seiner Stellungnahme auf GAZ-Anfrage, habe man seine Bereitschaft erklärt, mehr zu zahlen, wenn denn die Schulumlage entsprechend stiege. Bei der Finanzierung der Hallenbäder seien also die Bürgermeister untereinander gefragt.

 

Kreis: Mit 100 Euro einverstanden

 

Was die Kostendeckung angeht, könne der Landkreis dies nicht beurteilen, sei auf die Angaben der Bürgermeister angewiesen. Eine vollständige Deckung für die Schüler im Schulschwimmen wäre zudem nicht gerecht gegenüber allen anderen Badbesuchern, bei denen dies ebensowenig erreicht werde. Im Übrigen hätten Bürgermeister die 100 Euro als » ausreichend« bezeichnet.

Nicht gelten lässt man auch die Kritik an den im Vergleich zur Nachbarkreisen niedrigeren Pauschalen: Schon jetzt zahle der Landkreis einen Beitrag, der höher liege als die jeweiligen Eintrittspreise. »Die Schulträger um den Landkreis Gießen herum haben unterschiedliche Sätze. Während Marburg und Vogelsberg mehr bezahlen, zahlen der Lahn-Dill-Kreis, Wetteraukreis und die Stadt Gießen weniger.« Und in Sachen »Stangenrod«: Würde man diese Schüler nach Laubach fahren, entstünden mehr Transportkosten, und die Kinder hätten weniger Schwimmzeit. Gleiches gelte für die Schottener. Aus diesem Grund weiche der Kreis Gießen hier von der »reinen Lehre« der Gleichbehandlung ab. Und am Ende nochmals zur Forderung nach einer solidarischen Lösung: »Wenn alle Hallenbadkommunen mehr Geld bekämen, müsste sich die Schulumlage entsprechend erhöhen.«

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