Neue Technologie

Schunk Group führend bei Ladesystemen für Elektrobusse

Wenn Elektrobusse im Linienbetrieb fahren, ist es wichtig, dass sie schnell aufgeladen werden. Die Technik dafür liefert die Schunk Group, produziert wird in Wettenberg.
29. Dezember 2017, 13:00 Uhr
So sieht es aus, wenn der Bus unterwegs Strom nachtankt. (Foto: Fraunhofer-Institut)

Es kann nicht für jeden ein Tesla sein: Ladesysteme von Schunk sorgen weltweit für den Linieneinsatz von Elektrobussen. Über den Stand der Technik und deren Vorzüge informierten sich jetzt Landrätin Anita Schneider und die Mitglieder des Klimaschutz- und Energiebeirates des Landkreises Gießen bei einem Besuch am Schunk-Standort Wettenberg.

Bei der Schunk Group ist Elektromobilität längst keine Zukunftsmusik mehr, sondern ein etablierter Geschäftsbereich. Der Technologiekonzern ist weltweit führend in der Herstellung von vollautomatisierten Ladesystemen für Elektrobusse.

»Smart Charging« heißt die Technologie, bei der Schunk seine jahrzehntelange Erfahrung aus dem Bau von Stromabnehmern für Elektro-Lokomotiven in ein einfaches und zuverlässiges Ladesystem für Elektrobusse übertragen hat.

Bei kurzen Stopps, etwa an der Endhaltestelle oder beim Parken über Nacht im Busdepot, hebt sich ein Stromabnehmer vom Busdach, kontaktiert mit einer Ladehaube über dem Bus und versorgt die Batterien mittels einer hohen Leistungsübertragung mit neuer Energie für die nächste Tour.

Unsere Technologie ist den Kinderschuhen entwachsen und weltweit im Linieneinsatz

Schunk-Vorstand Gupta

Lange Ladezeiten entfallen, und die Batterien können viel kleiner dimensioniert werden. Die elektrische Energie muss also nicht vor allem dafür eingesetzt werden, die schweren und derzeit noch teuren Batterien mitzuschleppen.

 

Weltmarktführer für Ladesysteme

 

»Unsere Technologie ist längst den Kinderschuhen entwachsen und weltweit im Linieneinsatz«, erläutert Dr. Jan Gupta, Mitglied der Unternehmensleitung von Schunk.

Der Technologiekonzern habe mit Smart Charging weltweit die meiste Erfahrung mit Ladesystemen für Busse und sei daher bevorzugter Partner für Bushersteller und Kommunen – über 300 Busse seien mittlerweile mit der Technik des Unternehmens unterwegs, sagt Gupta.

Elektrobusse sind für Schunk ein wichtiges Thema. Insofern erwartet man auch eine positive Entwicklung für den Standort Wettenberg, wo die Produktion von Smart Charging angesiedelt ist.

 

Leuchtturmprojekt Eindhoven

 

Die europaweit größte Flotte von Elektrobussen fährt im niederländischen Eindhoven. 43 Fahrzeuge sind hier im Einsatz – allesamt mit Dachladestromabnehmern von Schunk ausgestattet. »Eindhoven ist in der Branche ein viel beachtetes Leuchtturmprojekt«, erklärte Paulo Santos, Geschäftsführer von Schunk Bahn- und Industrietechnik und verantwortlich für Smart Charging.

Das Besondere: Der Betreiber der Busflotte ist eine private Verkehrsgesellschaft, für die Fahrzeuge gab es keine Förderung.

Die Verfügbarkeit liegt bei über 99 Prozent und damit über dem Vergleichswert der meisten Dieselbusse. Außerdem zeige sich, dass Elektrobusse, die derzeit in der Anschaffung noch teurer sind als Dieselfahrzeuge, über ihre Gesamtlaufzeit preislich konkurrenzfähig sind.

Der Betreiber bereitet derzeit eine Schnellbusverbindung zwischen Amsterdam und dem Flughafen Schiphol vor – insgesamt 100 Elektrobusse sollen ab 2018 Fluggäste aus der niederländischen Hauptstadt zum drittgrößten Flughafen Europas bringen.

Rund um den Globus ist Smart Charging im Einsatz, von Winnipeg über Barcelona bis Helsinki. Auch in Deutschland sind Elektrobusse mit Ladetechnik von Schunk unterwegs. Das für das Unternehmen größte Projekt ist Köln, wo acht Strom-Busse fahren. Aufgrund der guten Erfahrungen will die Stadt weitere 50 Wagen anschaffen.

 

Auch Wiesbaden dabei

 

Eine Vorreiterrolle beim Umstieg auf Elektrobusse will Wiesbaden einnehmen. Die hessische Landeshauptstadt will ab dem Jahr 2018 pro Jahr 55 Elektrobusse anschaffen, bis im Jahr 2021 mit 220 Bussen die gesamte Busflotte elektrifiziert ist. Damit wäre Wiesbaden die erste europäische Großstadt mit komplett elektrischem Busverkehr.

Elektromobilität ist ein Teil des Masterplans für die Regionalentwicklung der Kreise Gießen, Marburg-Biedenkopf und Lahn-Dill. Eine Studie zu Elektromobilität in der Region soll geeignete Standorte für den flächendeckenden Ausbau von Ladesäulen für Pkws aufzeigen und klimafreundliche Mobilitätskonzepte für Gewerbegebiete erarbeiten.

»Es ist aber nicht unser Ziel, nur die Antriebsart zu ändern. Es sollen auch Fahrten auf klimafreundlichere Verkehrsmittel verlagert werden. Dabei spielt insbesondere der ÖPNV eine bedeutende Rolle«, sagte die Landrätin. »Deshalb untersuchen wir die Möglichkeiten zur Elektrifizierung des Busverkehrs in den Oberzentren Gießen, Marburg und Wetzlar«.

Oberleitung

E-Busse haben Tradition

Schunk ist für sein »Smart Charging System« 2016 als Hessen-Champion im Bereich Innovation nominiert worden. Elektrisch betriebene Busse haben im Schunk-Standort Heuchelheim Tradition: Nach dem Krieg bekamen die so genannten »O-Busse« ihren Strom über eine Oberleitung. Die Strecke führte von Gießen über die Gießener Straße zum »Haag«. Doch das leitungsgebundene System ist eher unpraktisch und vor allem nicht sonderlich schön im Stadtbild. (so)

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