09. März 2018, 05:00 Uhr

Prozessauftakt

Überfall in Hungen war »reiner Zufall«

Ein 36-Jähriger muss sich vor dem Landgericht für mehrere Überfälle verantworten. Ein Tatort war eine Spielothek in Hungen. Was der Mann erzählt, hat slapstickartige Züge.
09. März 2018, 05:00 Uhr
Der 36-jährige Angeklagte hat vor dem Landgericht zu allen Überfällen in Hungen und im Wetteraukreis ausgesagt. (Foto: con)

Drogen, Überfälle und eine Verfolgungsjagd: Seit Donnerstag muss sich ein 36-Jähriger aus Büdingen vor dem Gießener Landgericht verantworten. Im September 2017 hat der 36-Jährige innerhalb einer Woche vier Überfälle in Glauburg, Gedern, Nieder-Florstadt und Hungen begangen.

Zu den Vorwürfen zeigte sich der Angeklagte geständig. Das Motiv für die Taten: Die Finanzierung seiner Drogensucht – ein klassischer Fall der Beschaffungskriminalität. Seit er 16 Jahre alt ist, nimmt der Angeklagte Drogen und Alkohol zu sich.

Am 11. September 2017 war der heute 36-Jährige mit seiner Freundin auf einer Party. Zuvor hatte er etwas Speed zu sich genommen, dazu heimlich weitere Drogen während der Feier.

 

Eiskratzer als Tatwerkzeug

 

»Meine Freundin mag keine Drogen, und sie sollte nicht merken, dass ich etwas nehme«, sagte der Angeklagte vor Gericht.

Am Morgen des 12. Septembers kam der Absturz: »Ich verspürte so ein Kribbeln und einen Druck – ich brauchte dringend noch etwas, um es mir durch die Nase zu ziehen«, erklärte der 36-Jährige.

Da ihm Geld für Drogen fehlte, kam er auf die Idee, eine Bankfiliale in Glauburg zu überfallen. Als Tatwerkzeug sollte ihm ein abgebrochener Eiskratzer dienen.

Doch er erlebte eine Enttäuschung: Es gab kaum Bargeld in der Geschäftsstelle, nur Münzgeld im Wert von rund 300 Euro.

 

Das Warten auf den Dealer

 

Mit dem Geld wollte er sich eigentlich Drogen kaufen, verspielte aber die gesamte Summe an Glücksspielautomaten, während er auf einen Dealer wartete.

Also entschloss er sich dazu, einen weiteren Raub durchzuführen: In Gedern überfiel er am selben Tag eine Spielothek, 24 Stunden später eine weitere in Nieder-Florstadt. Die Beute tauschte er jedesmal in Frankfurt gegen Drogen.

Schließlich beging er am 18. September seinen letzten Überfall auf eine Spielothek in Hungen. »Das in Hungen war reiner Zufall. Ich bin dahin gefahren, wohin mich der Wind getrieben hat«, sagte der Angeklagte.

»Ich bin maskiert rein, und die Angestellte hat einen Riesen Schreck bekommen, das konnte ich sehen. Dann habe ich Geld von ihr gefordert.«

Die arme Frau war so in Panik, dass sie erst einmal ihre PIN vergessen hat

Der Angeklagte

Auch drohte er der Frau damit, eine Waffe zu haben. Daraufhin öffnete sie die Kasse, in der sich jedoch nur 400 Euro befanden – nicht genug für den 36-Jährigen.

Er ließ sich noch den Geldwechselautomaten öffnen. »Die arme Frau war so in Panik, dass sie erst einmal ihre PIN vergessen hat«, sagte der Angeklagte.

 

Verfolgungsjagd auf der Autobahn

 

Der Angeklagte erbeutete insgesamt rund 8900 Euro. Bereits am nächsten Tag klickten die Handschellen: Bei Würzburg stoppte ihn die Polizei nach einer Verfolgungsjagd auf der Autobahn. Dabei waren zehn Polizeiwagen bei hoher Geschwindigkeit im Einsatz.

Eigentlich hatte es mehrfach so ausgesehen, als könnte er sein Leben auf die Reihe kriegen: Feste Beziehungen, Arbeit und der Versuch einer Ausbildung.

»Für die Arbeit habe ich mir immer Baustellen gesucht, ein paar Tage gearbeitet, Geld bekommen, mir wieder Drogen besorgt und mich ausgeruht«. Deshalb scheiterten seine Beziehungen, auch die Ausbildung wurde abgebrochen.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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