19. März 2019, 21:47 Uhr

»Wir sind übern Berg«

19. März 2019, 21:47 Uhr
Auch bei der Sozialstation Wettenberg stimmen die Werte wieder. (Archiv-Foto: dpa)

Die Sozialstation in Wettenberg bleibt erhalten. Und zwar in Trägerschaft der Kommune. Dafür sind die Weichen vor etwas mehr als einem Jahr gestellt worden. Jetzt sieht man sich auf einem guten Weg. »Wir sind übern Berg. Wir sehen, dass es weiter stabil läuft«, sagt Bürgermeister Thomas Brunner. Denn die meisten Einrichtungen dieser Art sind nicht mehr: Zuletzt wurden jene in Grünberg (2017) und Reiskirchen (2018) wegen wirtschaftlicher Schieflage aufgelöst; Heuchelheim wurde – noch gesund – an das Deutsche Rote Kreuz übertragen, das nun für den Betrieb sorgt.

Im Wettenberger Rathaus ist man bewusst einen anderen Weg gegangen und hat externen Sachverstand hinzugezogen: Volker Münch hat sich als Berater auf ambulante Pflegeeinrichtungen spezialisiert. Dem Sozialausschuss der Gemeindevertretung unter Vorsitz von Ralf Volgmann (SPD) legte der Unternehmensberater aus Heusenstamm am Montag dar: Das Ergebnis 2018 hat sich gegenüber 2017 bereits deutlich verbessert. Lag man im Vorjahr noch etwas im Minus, gibt es 2018 wieder ein leichtes Plus im Betrieb.

Die Einrichtung hat in der Gemeinde einen guten Ruf, steht aber auch in Konkurrenz mit anderen, privaten, Anbietern ambulanter Pflege. Diese dominieren mittlerweile den Markt. Die komplette Nachfrage nach häuslicher Pflege sei von den Mitarbeitern der kommunalen Station ohnehin nicht abzudecken, weiß Bürgermeister Thomas Brunner, auch wenn man mehr Personal etwas mehr Patienten als bislang betreuen könne. Ziel für 2019 ist, die Patientenzahl leicht zu steigern. Für das verbesserte Ergebnis sorgt laut Berater Münch auch, dass Verwaltungs- und Arbeitsabläufe optimiert wurden. Die Vergütungssätze mit den Kranken- und Pflegekassen wurden aktualisiert, was zu Mehreinnahmen führte. Ausgegliedert wurden die bislang unter dem Dach der Sozialstation verorteten Fahrdienste und das Demenz-Café.

Der Sozialfachmann der Freien Wähler, Karl Fiedler, wünscht sich gleichwohl ein klares Konzept von Münch. »Wie soll es weitergehen?« fragt der frühere Leiter der Sozialverwaltung beim Landkreis Gießen und heutige Vorsitzende der Arbeiterwohlfahrt im Kreis. Und besteht darauf, dass der Kommunalpolitik von dem Berater mehr vorgelegt wird als Handlungsanweisungen in einem Handbuch. Das wird nachgeliefert, hat Münch am Montag zugesagt.

Auch Andrea Barbara Walker (CDU) wollte detaillierte Auskünfte: »Es ist schon vorangegangen, aber es ist noch Luft nach oben? Was heißt das genau?« Die Antwort: Weniger Zeit für Pflegedokumentation aufwenden zu müssen und so mehr Zeit für die Patienten zu gewinnen. Und dies bei einem besseren Ergebnis. Letztlich, um dem guten Ruf weiter gerecht zu werden und besser zu sein als die privaten Mitbewerber. Volker Münch: »Es sieht gut aus!«

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