Zimmerleute von außerhalb

29. Dezember 2017, 20:26 Uhr
Im Grünberger Fachwerk – hier das Brauhaus – finden sich sowohl nordhessische als auch hessisch-fränkische Baustile. Ekart Rittmannsperger hat die Geschichte der Grünberger Bauten erforscht. (Fotos: dis)

ist für seine Fachwerkhäuser bekannt. Doch haben die Grünberger Zimmerleute selbst dazu weniger beigetragen, als sich zunächst vermuten lässt? Dieser spannenden Frage geht Ekart Rittmannsperger in seinem neuen Buch »Die Grünberger Fachwerkhäuser und ihre Besitzer« nach.

In den Grünberger Archiven werden zwar viele Zimmerleute genannt, doch kein einziges bedeutendes Fachwerkhaus kann einem Grünberger Zimmermann zugeschrieben werden, erklärte Rittmannsperger. Bei den spätmittelalterlichen Holzbauten seien Inschriften kaum üblich gewesen. Fast alle Privatbauten seien im hessisch-fränkischen Stil errichtet worden, der sich an südliche Vorlagen anlehnte. Der Mönchsbau des Antoniterkosters hingegen – wenn man die abgebrochenen Teile mitberücksichtigt – ist eher mit nordhessischen Vorbildern vergleichbar. Und das »Stammlersche Haus« wird in seinem Stil als rheinisch bezeichnet. Demnach dürften Zimmerleute mit Wurzeln weitab von Grünberg diese errichtet haben. Solche Fachleute waren auch früher schon heiß begehrt – und daher teuer.

Stile aus vergangenen Epochen

Nach 1650 war die Stadt finanziell sehr geschwächt und die Bürger konnten sich auf Jahrzehnte keine bedeutenden Neubauten leisten. Die wenigen neuen Häuser zum Ende des 17. Jahrhunderts lehnten sich an ältere Fachwerkbauten an, wie die Gebäude Neustadt 11 und 27 sowie Londorfer Straße 4. Bis um 1800 dürften die meisten Fachwerkhäuser daher von Zimmerleuten aus der nördlichen Wetterau und der näheren Umgebung errichtet worden sein.

Fachwerkbauten im 19. Jahrhundert wurden nachweislich von Grünberger Zimmerleuten und Handwerkern aus den umliegenden Dörfern gefertigt, errichtet in solider Bauweise und entsprechend den finanziellen Möglichkeiten der Bauherren. Wer allerdings glaubt, dass man anhand der Stile die Gebäude ins kunstgeschichtliche Perioden wie Barock oder Rokoko einteilen könne, der irrt: Oft wurde über lange Zeit an den alten Stil- und Zierformen festgehalten. Zur Datierung der Häuser sind daher andere Quellen, etwa dendrochronologische Untersuchungen, Contractenbücher und Brandkataster, geeignet. Bei ungenauer Datierung wurde eine bau- und kunsthistorische Einschätzung vorgenommen. Auf diese Weise konnten oft bisher unbekannte Bauherren ermittelt werden.

Reich bebildert werden die Häuser mit dem entsprechenden Lageplan im Buch numerisch vorgestellt und nehmen damit den Hauptteil des 372 Seiten starken Werkes ein. Die Vermögenswerte und die Bevölkerung, der Erwerb, Handel und Handwerk von 1806 wurden ebenfalls eingearbeitet. In einem Einschubfach am Ende des Buches findet man Karten über die Topografie der Gewerbe 1806 nach Berufsgruppen, der Steuervermögen von 1806 nach Arm und Reich, sowie eine aktuelle Übersichtskarte von Grünberg. »Die Grünberger Fachwerkhäuser und ihre Besitzer« ist im Museum im Spital Grünberg, in der Buchhandlung Reinhard und bei der Sparkasse Grünberg zum Preis von 28,50 Euro erhältlich.

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