08. März 2019, 22:11 Uhr

Auseinandersetzung geht weiter

08. März 2019, 22:11 Uhr
Die nicht-ärztlichen Beschäftigten des Uniklinikums protestieren in Marburg für eine bessere Eingruppierung und Bezahlung. (Foto: Tobias Hirsch)

Es war der dritte Tag des Warnstreiks – und der mit der größten Wirkung, sowohl am Klinikum als auch in der Außendarstellung. Denn: Hatte Verdi am Mittwoch und Donnerstag nur einzelne Berufsgruppen zum Warnstreik aufgerufen, traten am Freitag alle nicht-ärztlichen Beschäftigten in den Ausstand. Etwa 800 Mitarbeiter der Standorte Marburg und Gießen waren laut Verdi dem Aufruf gefolgt.

Die Gewerkschaft Verdi verhandelt schon seit rund einem Jahr mit der Geschäftsführung des Uni-Klinikums über eine höhere Eingruppierung der Mitarbeiter. Sie sollen nach dem Tarifvertrag des Öffentlichen Dienstes bezahlt werden – so, wie ihre Kollegen, die an kommunalen Krankenhäusern arbeiten. Für Gewerkschaftssekretär Fabian Dzewas-Rehm ist klar: »Wir wollen eine bessere Eingruppierung und Bezahlung am Uni-Klinikum.«

Parallel zum Warnstreik am Donnerstag hatten die Tarifverhandlungen in der Entgeltrunde begonnen. Verhandlungsführer Stefan Röhrhoff betonte, dass Verdi mit der Forderung nach sechs Prozent mehr Lohn, »aber mindestens 200 Euro mehr«, in die Verhandlungen gegangen sei, Azubis sollten mindestens 100 Euro mehr erhalten. »Der Arbeitgeber hat zu Beginn wie so oft erklärt, dass das alles nicht möglich sei«, so Röhrhoff. Immerhin habe er ein Angebot vorgelegt, das nun noch einmal nachgebessert werden solle. »Das werden wir mit der Tarifkommission am 27. März diskutieren, am 2. April verhandeln wir dann weiter.« Röhrhoff ist sicher: »Die Streiks zeigen Wirkung beim Arbeitgeber, es ist ihm mittlerweile dran gelegen, schnellstmöglich Lösungen zu finden.«

Zur Höhe des Arbeitgeber-Angebots machte Röhrhoff keine Angaben – das erledigte allerdings Dzewas-Rehm auf der Bühne: »Es war von Anfang an klar, dass nicht das passiert ist, was wir wollen. Deshalb ist es klar und richtig, dass wir heute streiken«, sagte er. Ein Angebot für bessere Eingruppierungen habe es nicht gegeben, »daher wird die Auseinandersetzung selbstverständlich weitergehen«. In der Tarifrunde habe die Geschäftsführung des UKGM ein Lohnplus in Höhe von 3,25 Prozent vorgeschlagen, zudem gebe es Signale, »über Bereitschaftsdienste und Nachtvergütung zu reden«. Die Zahlen wollte Frank Steibli, Pressesprecher des Uniklinikums, nicht kommentieren. Vielmehr hätten die Verhandlungen »in einer konstruktiven, kommunikativen Atmosphäre« stattgefunden, und sie würden am 2. April fortgesetzt, sagte er.

Frank Eggers, Mitglied der Tarifkommission, verdeutlichte, was das Thema »Bereitschaftsdienst« am Uniklinikum in Gießen und Marburg bedeute: »Wenn wir Bereitschaftsdienst machen, sind wir 24 Stunden in der Klinik.« Laut Europäischem Gerichtshof seien 24 Stunden Bereitschaftsdienst auch 24 Stunden Arbeitszeit. »Die gängige Praxis sieht aber so aus, dass uns 24 Stunden nicht als 24 Stunden angerechnet werden, wenn wir am darauf folgenden Arbeitstag nicht arbeiten – dann bringt uns die Zeiterfassung nämlich eine Nullrunde, das können wir nicht hinnehmen.«

Saskia Jentsch, Verhandlungsführerin von Verdi in Sachen Altenhilfe Wetter, sagte, dass die streikenden Kolleginnen der Altenhilfe sehr viel Mut benötigt hätten, da der kirchliche Arbeitgeber »eine besondere Form der Tarifflucht begangen hat: Er ist klammheimlich zurück in die Diakonie und uns aus dem Weg gegangen, aus bestehenden Verhandlungen ausgestiegen und hat die Kollegen im Betrieb gelinkt«. Zudem seien die Kollegen »massiv mit Abmahnungen und Kündigungen bedroht« worden, wenn sie streiken.

Für Dr. Achim Kessler, Bundestagsabgeordneter der Linken, ist klar: »Gesundheit ist keine Ware, sondern ein Menschenrecht. Deshalb müssen Krankenhäuser wieder in die öffentliche Hand«, forderte er. Dr. Ulf Immelt, Organisationssekretär des DGB Mittelhessen, betonte: »Streik ist die einzige Sprache, die Konzerne verstehen.«

Und wie geht es im Konflikt nun weiter? Fabian Dzewas-Rehm berichtet, dass die Auswirkungen auf das UKGM während der drei Tage »immens« gewesen seien, es seien zahlreiche Operationen ausgefallen »und es mussten Patienten abbestellt werden«. Am 2. April würden die Verhandlungen fortgesetzt – gebe es keine Bewegung »werden wir noch länger streiken«.

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