12. März 2018, 11:29 Uhr

Couchsurfing-Serie

Couchsurfing in Gießen: Schöner als im Hostel

Sieben Nächte, sieben Sofas heißt unsere neue Serie, in der wir Gießener vorstellen, die ihr Sofa Fremden zur Verfügung stellen. Eine USA-Reise hat bei Sebastian die Begeisterung geweckt.
12. März 2018, 11:29 Uhr
Couchsurfer Sebastian lernt gerne neuen Leute kennen. (Foto: rha)

7 Nächte und 7 Sofas

Die Plattform couchsurfing.com bietet Menschen die Möglichkeit, kostenlos auf fremden Sofas zu übernachten. Auch 4000 Gießener sind registriert. Wir lernen sieben heimische Gastgeber kennen.

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Meine Tour durch Gießens Wohnzimmer beginnt an einem Montagabend irgendwo am Stadtrand. Mein Gastgeber für heute heißt Sebastian. Der 28-Jährige hat sich bereit erklärt, meine ungewöhnliche Reise zu unterstützen und mich eine Nacht auf seiner Couch schlafen zu lassen. Noch allerdings trennt mich ein großes, blaues Rolltor von meiner Schlafgelegenheit. »Da hat dich wohl schon jemand ausgesperrt«, sagt Sebastian, als ich ihn anrufe. Per Fernbedienung ist das Problem zum Glück schnell behoben. Ich laufe über den Hof auf das Haus zu, aus dem Sebastian schon aus dem Küchenfenster winkt.

Wenig später stehe ich im Wohnzimmer seiner WG. »Share your life«, teile dein Leben, lautet eines der Couchsurfing-Prinzipien. Für die Gastgeber gilt das noch mehr als für die Gäste. Schließlich öffnen sie ihre Türen für Menschen, die sie bisher nur auf Fotos gesehen haben, und teilen – wenn auch nur für einen kurzen Zeitraum – ihre Wohnung, ihr Essen und ihre Zeit mit ihnen. Schon nach wenigen Augenblicken neben Sebastians Postern, Gitarren und Videospielen weiß ich viel mehr über ihn als er über mich. Stört ihn das nicht?

Das ist schöner, als in irgendeinem Zehner-Zimmer im Hostel zu schlafen

Sebastian

»Deutsche sind ja generell ein bisschen zurückhaltend«, sagt Sebastian. »Aber ich finde, Couchsurfing ist eine supergeile Idee.« Angemeldet habe er sich auf der Plattform schon vor Jahren. Doch erst auf einer Reise in die USA letzten November sei ihm das Konzept wieder in Erinnerung gerufen worden. Dort scheine man allgemein viel offener zu sein, wenn es darum gehe, Fremden einen Schlafplatz bei sich anzubieten.

Auf einer Reise durch Kalifornien übernachtete Sebastian mit einer Freundin bei einem ihrer Bekannten. Ihr Gastgeber, selbst ein erfahrener Couchsurfer und begeisterter Athlet, erklomm mit ihnen den höchsten Gipfel der Santa Monica Mountains und schlug vor: »Wenn ihr sowieso schon bei mir schlaft, können wir uns auch bei Couchsurfing eine Referenz schreiben.« – »Seitdem nutze ich Couchsurfing endlich richtig«, sagt Sebastian. Mittlerweile hat er drei Leute bei sich übernachten lassen. Sein erster Couchsurfer kam für ein Motivationsseminar nach Gießen und blieb vier Nächte. Tagsüber war er unterwegs, abends tauschte er mit Sebastian seine Geschichten aus.

 

Den Eltern von der Nacht bei Fremden nichts erzählt

»Und dann haben gestern Nacht noch ganz spontan zwei Griechen bei mir übernachtet«, erzählt er. Das Lustige daran ist: Ich kenne die auch. Sie hatten sich zuerst bei mir gemeldet, eine Flasche Ouzo versprochen und gefragt, ob sie eine Nacht bei mir unterkommen könnten. Weil es mir an diesem Abend nicht passte, landeten sie bei Sebastian. »Ouzo hatten sie am Ende doch nicht dabei«, erzählt er. »Dafür waren sie ganz begeistert von Couchsurfing.« Nur ihren Eltern daheim wollten sie von ihrer Nacht bei einem Fremden nichts verraten. In Griechenland sei so etwas eher unüblich. Vielleicht sei die Hemmschwelle auch deshalb höher, weil es anders als in Deutschland keine WG-Kultur gebe, sagt Sebastian.

Er selbst will Couchsurfing bald wieder für seine eigenen Reisen nutzen. »Das ist schöner, als in irgendeinem Zehner-Zimmer im Hostel zu schlafen«, sagt er. Und wenn man mit dem Standardprogramm für Touristen durch sei, lerne man über die Gastgeber auch viel schneller die interessanten Ecken abseits der bekannten Pfade kennen.

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