15. Mai 2018, 06:00 Uhr

Fernverkehr

Flixtrain lässt Gießen links liegen

Seit zwei Wochen rollen sie durch Hessen, die knallgrünen Züge von Flixtrain. Den Gießener Bahnhof lässt das Unternehmen allerdings links liegen.
15. Mai 2018, 06:00 Uhr
Seit zwei Wochen rollen knallgrüne Züge durch Hessen – auf absehbare Zeit allerdings nicht durch Gießen. (Foto: pm)

Die knallgrünen Flixbusse gehören längst zum Gießener Straßenbild. Geht es nach dem Fahrgastverband Pro Bahn, so sollen auch die neuen Züge des Anbieters ein vertrauter Anblick in Mittelhessen werden. Der Landesverband schlägt vor, den Flixtrain Stuttgart-Berlin über Gießen und Marburg fahren zu lassen statt über Fulda. Das Unternehmen winkt freilich ab und stellt stattdessen bessere kombinierte Fernbus-/Bahnverbindungen in Aussicht.

Das junge Unternehmen will mit der Expansion auf die Schiene ein Mobilitätsnetz mit mehr als 600 deutschen Städten schaffen. Die Tickets sollen stets günstiger sein als die der Deutschen Bahn, heißt es. Nach dem erfolgreichen Start der Strecke Köln-Hamburg rollt seit einigen Wochen ein Flixtrain pro Tag und Richtung durch Hessen. Ab Ende Juli sollen er zweimal täglich fahren.

Bahn-Innovationen dank Konkurrenz

Allerdings nicht durch Gießen. Dabei wäre das für alle Seiten lohnend, glaubt Pro Bahn. Die ICE-Strecke über Fulda und Hanau biete ohnehin gute Verbindungen in die Hauptstadt. Die Hochschulstädte Gießen – 85 000 Einwohner, 37 000 Studierende – und Marburg hätten dagegen »großes Potenzial«. In dieser Region lebten insgesamt rund 380 000 Menschen, die derzeit keine Direktverbindung nach Berlin nutzen könnten. Die Strecke durch Mittelhessen sei nicht länger und im Trassenpreis günstiger. »Der geringfügig höhere Zeitaufwand wird durch die potenteren Städte kompensiert.«

Wenn der Flixtrain Stuttgart-Berlin auf die Main-Weser-Bahn verlegt würde, dann würde dies »eine deutlich positive Stimmung in der Region Mittelhessen mit sich bringen«, argumentiert der Landesverband. Weiteres Potenzial bestehe in Frankfurt-West nahe Uni-Campus und Messe.

Das sieht der heimische FDP-Bundestagsabgeordnete Hermann Otto Solms ebenso. »Es kann nicht sein, dass Gießen als bedeutende Universitätsstadt nicht durch eine umsteigefreie Fernstrecke an unsere Bundeshauptstadt angebunden ist. Diese Lücke der Deutschen Bahn können private Schienenunternehmen schließen«, erklärt der Licher.

»Normalerweise passen wir unser Angebot an die Nachfrage an – das ist eine unserer Stärken. Leider ist dies in diesem Fall nicht so einfach«, erklärt ein Flixtrain-Sprecher auf GAZ-Anfrage. Kurzfristige Trassenänderungen seien kaum realisierbar, da die Kapazität begrenzt sei, vor allem für Neueinsteiger in den Markt.

Verbesserungen für Gießen seien dennoch in Arbeit. So werde derzeit geprüft, ob die Fahrpläne so angepasst werden können, dass Flixtrain-Kunden aus Berlin in Kassel ohne großen Zeitverlust auf den Bus nach Gießen umsteigen können. Jüngst seien elf neue Direktziele ab Gießen eingeführt worden, insgesamt seien es nun rund 90. Zu den beliebtesten Zielen der Gießener zählten Dortmund, Berlin und der Großraum Köln.

Vor 15 Jahren hat schon einmal ein Bahn-Konkurrent die Verbindung Gießen-Berlin (als Teil der Strecke Köln-Rostock) bedient und mit günstigen Fahrpreisen geworben. Das Unternehmen Connex stellte das Angebot nach vier Monaten wieder ein. Die Züge seien zwar zu 45 Prozent ausgelastet gewesen, hieß es. »Die Wirtschaftlichkeit wurde jedoch nicht erreicht.«

Der Start bei Flixtrain war nach Angaben des Unternehmens erfolgreicher als erwartet. Seit Ende März habe es über 100 000 Buchungen gegeben. Mit bis zu 500 Passagieren pro Zug liege die Auslastung zwischen 50 und 70 Prozent. Man setze auf die Kooperation mit Eisenbahnverkehrsunternehmen. Die Strecke Frankfurt-Berlin wird von der tschechischen Firma Leo-Express bedient.

Grundsätzlich begrüßt Pro Bahn den Flixtrain als »Fortentwicklung der Konkurrenz im Schienenpersonenfernverkehr«. Vom Wettbewerb profitierten auch Kunden der Deutschen Bahn, unterstreicht Flixbus-Geschäftsführer André Schwämmlein im Interview mit der »Wirtschaftswoche«. In den fünf Jahren seit der Marktliberalisierung der Fernbusse habe es »mehr Bahn-Innovationen als in den 18 Jahren zuvor« gegeben.

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