In Gießen können bedürftige Menschen den »Gießen-Pass« beantragen. Dieser Ausweis ermächtigt sie, zu vergünstigten Preisen Bus zu fahren, ins Schwimmbad zu gehen sowie Angebote der Volkshochschule oder Musikschule zu nutzen. Die Fraktion die Linke fordert nun, dass dieses Angebot auch auf Bewohner des Landkreises ausgeweitet wird. Im Sozialausschuss scheiterte der Antrag jedoch.

Fraktionsvorsitzender Matthias Riedl hatte eingangs ein düsteres Bild über die städtische Wohnraumpolitik skizziert. Seiner Meinung nach werde es für Gießener, die auf Sozialleistungen angewiesen sind, immer schwerer, bezahlbaren Wohnraum in der Stadt zu finden. »Diesen Menschen wird dann vom Arbeitsamt gesagt, sie sollen auf die Dörfer ziehen. Aber auch diese Menschen haben ein Recht auf Stadt.« Die Linke fordert daher, dass der Gießen-Pass auch von allen bedürftigen Landkreisbewohnern beantragt werden kann, damit sie die Angebote im Stadtgebiet nutzen können. Dies solle der Magistrat mit dem Kreisausschuss des Landkreises aushandeln, die Stadt müsse die Hälfte der entstehenden Kosten übernehmen. Schließlich habe sie durch ihre Wohnungspolitik dafür gesorgt, alteingesessene Gießener aus der Stadt zu vertreiben.

An Kreistag verwiesen

»Irre, völlig irre«, platze es aus Klaus Dieter Greilich (FDP) heraus. Auch der Rest des Gremiums ging mit dem Antrag hart ins Gericht. Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich (Grüne) störte sich vor allem an der Darstellung, wonach Gießen eine unsoziale Stadt sei. Sie verwies in diesem Zusammenhang etwa auf die Kindergartengebühren, die kreisweit am niedrigsten seien. Und die Miete sei in den angrenzenden Dörfern mitunter sogar höher, sagte die Bürgermeisterin und nannte als Beispiel Wettenberg. Sozialdemokratin Inge Bietz fand ähnliche Worte. Der Hauptgrund, warum ihre Fraktion den Antrag ablehne, sei jedoch ein anderer: »Wir sind der falsche Adressat. Wir als Stadtverordnete sind verantwortlich für die Bewohner der Stadt Gießen. Haben Sie keine Linken im Kreistag?«, fragte Bietz ironisch und verwies Riedl damit an den ihrer Meinung nach richtigen Ansprechpartner.

Bis auf Riedl stimmte keiner für den Antrag. Vermutlich wird sich bald der Kreistag mit dem Thema beschäftigen.

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