05. März 2018, 06:51 Uhr

Prostitution

Gießener Frauen wollen Strafen für Freier

»Prostitution wird verharmlost«: Das sagt den neu gegründete Verein »Alarm! Gegen Sexkauf und Menschenhandel«. Die Frauen wollen, dass Freier bestraft werden.
05. März 2018, 06:51 Uhr

Von Karen Werner , 6 Kommentare
Das Bild der käuflichen Frau trifft jede, meinen die Gründerinnen des Vereins »Alarm!«. Mittlerweile sind auch Männer eingetreten. (Foto: pm)

»Ich möchte nicht, dass meine drei Söhne mit diesem Bild aufwachsen: An Frauen klebt ein Preisschild«, sagt Katharina Appel. Nicht nur sie ist der Meinung, Prostitution werde verharmlost. Gemeinsam mit neun anderen Gießenerinnen hat sie kürzlich den Verein »Alarm! Gegen Sexkauf und Menschenhandel« gegründet. Mittlerweile sind auch zwei Männer dabei.

Während der Frankfurter Verein »Frauenrecht ist Menschenrecht« mit Streetworkerinnen Prostituierte auch in Gießen direkt anspricht, will »Alarm!« politisch arbeiten. Ziel ist, dass Deutschland das »nordische Modell« einführt, das etwa in Schweden, Frankreich oder Irland gilt: Freier werden bestraft, für Prostituierte gibt es wirksame Unterstützungsangebote zum Ausstieg. Derzeit gelte Deutschland als Drehscheibe des Frauenhandels und als »Bordell Europas«, seit die damalige rot-grüne Bundesregierung 2002 die Gesetze lockerte. Das im vergangenen Juli in Kraft getretene Prostitutiertenschutzgesetz habe daran nur wenig geändert, kritisieren Feministinnen.

 

»Pimp-Mottowoche« in der Schule

Viele Bürgerinnen und Bürger wollten nicht genau hinschauen. Sie hielten Sexkauf für »normal«, »freiwillig« und »nicht so schlimm«. Manche behaupteten sogar, ein Sexkaufverbot gehe mit vermehrten sexuellen Übergriffe einher. »Welches Männerbild offenbart denn so ein Argument?«

Die Vereinsgründerinnen – unter ihnen sind mehrere Lehrerinnen oder Sozialpädagoginnen – beobachten, dass diese Verharmlosung zunehmend auch auf Jugendliche abfärbt. Rap-Texte, Musikvideos oder Pornos im Internet hinterließen Spuren. Firdes Ceylan berichtet von einer »Pimp-Mottowoche« in einer heimischen Schule, zu der Mädchen als »Nutten« verkleidet kamen. Manche Jungen nennen als Berufswunsch Zuhälter, ergänzt Melina Kallweit.

 

Gegen »Puff-Plakate«

Sie wollen aufklären, planen Diskussionsveranstaltungen (siehe Zusatzinfo) und wünschen sich, dass in Gießen großflächig für die »RotlichtAus«-Kampagne plakatiert wird. Bei einer ersten Schulung erhielten 14 Multiplikatoren Informationen zur »Loverboy«-Methode, mit der junge Männer systematisch Mädchen mit »Liebe« ködern und in die Prostitution treiben. »Das Phänomen ist wesentlich weiter verbreitet als bekannt und wird leider immer noch unterschätzt«, sagte die Referentin Anika Schönhoff, die in Berlin für das Netzwerk gegen Menschenhandel arbeitet. »Loverboys« fänden ihre Opfer oft über das Internet – deshalb sei Prävention überall nötig. Dank der finanziellen Unterstützung der Stiftung Anstoß sind weitere Workshops an Schulen in Planung.

Ist Prostitution in Gießen überhaupt ein bedeutsames Thema? Ja, meinen die »Alarm!«-Gründerinnen. Die »Puff-Plakate« der »FKK-World« sind ihnen seit Jahren ein Dorn im Auge. Mit ihren Protesten liefen sie bisher meistens ins Leere.

Wer bei dem Verein mitmachen will oder sich für eine Schulung interessiert, kann Kontakt aufnehmen über die E-Mail-Adresse alarm.gegensexkauf@yahoo.de oder über die Facebookseite »Alarm gegen Sexkauf«.

Info

Diskussion am 16. März

»Die käufliche Frau – ein zeitgemäßes Frauenbild?« heißt eine Podiumsdiskussion, zu der der Verein »Alarm! Gegen Sexkauf und Menschenhandel« einlädt. Am Freitag, 16. März, ab 18 Uhr sind im Netanyasaal im Alten Schloss drei bundesweit bekannte Aktivistinnen zu Gast und debattieren mit dem Publikum: Inge Hauschildt-Schön, Initiatorin der »Bürgerinitiative gegen Bordell« in Marburg; Huschke Mau, »Prostitutionsüberlebende« und Gründerin des »Netzwerks Ella«; sowie Manu Schon, Mitgründerin des Netzwerks »Abolition 2014 – Für eine Welt ohne Prostitution« sowie Bloggerin bei »Die Störenfriedas«. Die Veranstaltung gehört zum Programm rund um den Internationalen Frauentag am 8. März.

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