06. März 2018, 10:23 Uhr

Massenschlägerei

Hells Angels sehen sich nach Gießener Massenschlägerei als Helfer

Eine Massenschlägerei in der Gießener Dammstraße beschäftigt das Amtsgericht. Die Angeklagten sollen zu den Hells Angels gehören. Sie sehen sich als Helfer, Zeugen zeigen Gedächtnislücken.
06. März 2018, 10:23 Uhr

Nikolausnacht. Eine Gruppe von Freunden feiert ausgelassen und feuchtfröhlich in der Ludwigstraße, auf dem Nachhauseweg gegen 4 Uhr am Morgen legen sie noch einen Abstecher in die Dammstraße ein. Auf ein Betthupferl im Döner-Dreieck. Dort aber geraten sie urplötzlich in eine wilde Schlägerei. Angreifer rennen aus der »City Lounge«, springen aus Fenstern der Gaststätte, prügeln und treten auf zwei junge Männer ein, einer von ihnen liegt am Ende blutüberströmt auf der Straße. Die mutmaßlichen Angreifer sollen laut Ermittlern den »Hells Angels« angehören. Seit Montag beschäftigt die Schlägerei im Dezember 2015 eine Kammer am Gießener Amtsgericht.

+++ So steht es um die Hells Angels Gießen

Zwei 23 Jahre junge Gießener müssen sich vor Gericht verantworten. Sie sollen geprügelt und getreten haben. Im Verfahren weisen sie jegliche Schuld von sich. Sie erklärten am Montag, sie seien damals vor Ort gewesen, hätten aber geholfen. »Ich habe ein verletztes Opfer aus der Masse gezogen«, sagte einer von ihnen. An der Prügelei seien mehrere Gruppen beteiligt gewesen.

Am schwersten verletzt wurde bei der Schlägerei ein 31-Jähriger aus Lollar. »Ein Freund wurde attackiert«, berichtete er vor Gericht. »Ich bin dazwischen gegangen, und schon war ich selbst das Ziel der Angreifer.« Sechs Männer hätten auf ihn eingeschlagen. »Die Fäuste flogen auf mich zu, irgendwann bin ich zu Boden gegangen. Dann waren es gefühlt 100 Tritte.« Irgendwann hätten die Angreifer von ihm abgelassen, seien dann in Richtung eines Minicars geflüchtet. »Ich weiß auch nicht, wie ich das geschafft habe«, sagte der Lollarer. »Aber ich bin aufgestanden und bin hinterhergerannt. Das muss das Adrenalin gewesen sein.«

 

Kung-Fu-Tritt gegen die Brust

An ein Messer könne er sich nicht erinnern. Nach der Attacke habe er allerdings Stichverletzungen im Rücken, im Bein und an einer Hand entdeckt. Noch zwei Jahre später, spüre er Schmerzen in der Hand. »Das wird immer so bleiben.«

Wie es zu der Prügelei kam, bleibt in dem Gerichtsverfahren bislang unklar. Eine 20-jährige Gießenerin berichtete als Zeugin, sie habe den Abend mit den Angeklagten verbracht. »Wir waren im Admiral’s Club, sind dann zurück in die ›City Lounge‹ gefahren.« Sie kenne aber auch eines der mutmaßlichen Opfer, habe sich damals mit ihm draußen unterhalten. Auf diesen Mann soll kurz darauf einer der Angreifer aus der »City Lounge« zugestürmt sein und ihn mit einem Kung-Fu-Tritt gegen die Brust attackiert haben – offenbar die Initialzündung für die Schlägerei.

Eine Verurteilung der Angeklagten ist derweil sehr ungewiss. Die Aussagen der Zeugen sind widersprüchlich und ungenau: Ein 26-Jähriger erklärte, er sei gewürgt worden, habe das Bewusstsein verloren. »Am Ende hatte ich ein blaues Auge, meine Nase war schief.« Der Polizei hatte er noch gesagt, einen der beiden Angeklagten unter den Schlägern erkannt zu haben. Vor Gericht konnte er sich hingegen kaum noch erinnern. Der Prozess wird am 16. März fortgesetzt.

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