25. März 2019, 21:27 Uhr

Langer Weg zur Chancengleichheit

25. März 2019, 21:27 Uhr

Anlässlich des Internationalen Frauentags hatte die AsF (Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen) in Gießen zu einer Veranstaltung zur Situation von Frauen auf dem Arbeitsmarkt eingeladen. Hannelore Kraushaar-Hoffmann konnte dazu die zwei Beauftragten für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt begrüßen, Helga Fuchs (Agentur für Arbeit) und Nicol Weiß (Jobcenter). Als gute Nachricht bezeichnete Fuchs, dass Frauen quantitativ stärker vom Beschäftigungswachstum profitierten als Männer. Dank der guten Konjunktur sei die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im letzten Jahrzehnt um 19 Prozent gestiegen, bei den Frauen um 22 Prozent, bei den Männern um 16 Prozent, bezogen auf Vollzeit-, Teilzeit- und Minijobs. Trotz dieser Steigerung liege die Beschäftigungsquote der weiblichen Bevölkerung mit 56,5 Prozent unter der der Männer mit 63,3 Prozent.

Negativ sei anzumerken, dass der Zuwachs bei Frauen fast 100 Prozent auf Teilzeit beruhe, bei Männern seien das nur 39 Prozent. Hinzu komme, dass 19 von 100 sozialversicherungspflichtig beschäftigen Frauen ausschließlich Minijobberinnen sind, bei den Männern nur 10. Als Begründung für Teilzeit und Minijob nennen fast 50 Prozent der Frauen familiäre Verpflichtungen.

Nicht viel geändert habe sich auch bei der Berufswahl. Frauen arbeiten nach wie vor in den schlechter bezahlten und stärker von Teilzeit geprägten Gesundheits-, Sozial-, Dienstleistungs- und Büroberufen. All das führe nach wie vor dazu, dass Frauen nicht nur weniger verdienen, sondern auch entsprechend geringere Rentenansprüche erwerben.

Auch bezüglich der Aufstiegschancen sei unser Land noch weit von einer paritätischen Verteilung entfernt. In den Aufsichts- bzw. Verwaltungsräten der 200 größten deutschen Unternehmen betrug der Frauenanteil 2017 24,6 Prozent und in den Vorständen 8,1 Prozent.

Großes Beratungsangebot

Zu den Aufgaben der Beauftragten für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt gehöre ein breites Beratungsangebot sowohl in den Schulen, mit dem Ziel mehr Mädchen für handwerkliche und technische Berufe zu begeistern, als auch für Berufsrückkehrerinnen, die nach der Familienphase wieder einen Einstieg ins Arbeitsleben finden wollen.

Zu den Aufgaben von Nicole Weiß, Beauftragte im Jobcenter, gehören neben der Beratung vor allem die Eingliederung in den Arbeitsmarkt und die Sicherung des Lebensunterhaltes. In Stadt- und Landkreis Gießen gibt es 20 000 Leistungsberechtigte, davon 41 Prozent Deutsche und 59 Prozent Nichtdeutsche. Als langzeitarbeitslos gilt, wer 21 von 24 Monaten arbeitslos ist. Auch hier ist der Anteil von Frauen höher, besonders in der Phase der Kindererziehung. Das größte Hindernis bei der Vermittlung in den Arbeitsmarkt bei Migranten sei vor allem eine fehlende Berufsausbildung.

Um Frauen mit Kindern bessere Arbeitschancen zu geben, sei die Schaffung eines »virtuellen Klassenzimmers« geplant, das heißt, die Frauen können bei freier Zeiteinteilung zu Hause mithilfe eines zur Verfügung gestellten Laptops an Eingliederungsmaßnahmen teilnehmen. Eine erste Klasse stehe in den Startlöchern.

Große Hoffnungen setzt Weiß auch auf eine neue Maßnahme: Zur Eingliederung in den Arbeitsmarkt können die Arbeitgeber unter bestimmten Voraussetzungen Lohnkostenzuschüsse erhalten, die von 10 bis 100 Prozent gewährt werden.

Beide Referentinnen wie auch die Anwesenden waren sich einig, dass es noch ein langer Weg bis zur Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt sein wird.

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