Nach Kritik auf Tauchstation

09. Februar 2018, 21:38 Uhr
Stein des Anstoßes: Mitten im Laufweg der Anwohner steht die Altpapiertonne auf dem Hinterhof des Anwesens in der Dammstraße. (Foto: pm)

Eigentlich waren es keine großen Streitpunkte. In einem Fall war ein Müllcontainer nach der Leerung nicht zurück auf seinen Platz geschoben worden und stand im Weg, beim zweiten Ärgernis wurde die Behälterbox, in der die Mülltonne untergebracht ist, nach der Leerung nicht ordnungsgemäß geschlossen. Dass sich der Schriftwechsel zwischen einem Eigentümer, dem zwei Häuser im Asterweg gehören, und der Stadt über einen sehr langen Zeitraum hinzog, lag vor allem am städtischen Beschwerdemanagement.

Das hatte sich drei Monate lang – abgesehen von mehreren automatisierten Antwortmails – auf Tauchstation begeben. Dabei war die Stadt in der Sache allem Anschein nach im Recht. Das hat Ralf Pausch als kommissarischer Leiter des Stadtreinigungs- und Fuhramtes soeben auf Anfrage berichtet.

Doch der Reihe nach: Ein Hausmeisterservice, der für zwei Mietshäuser im Asterweg zuständig ist, hatte Wilhelm Guido Möser, den in Hamburg lebenden Eigentümer der Anwesen, Ende September 2017 auf mehrere Kritikpunkte gegenüber dem Stadtreinigungs- und Fuhramt hingewiesen. So seien die Altpapiercontainer beider Anwesen zwar geleert, danach aber von den Mitarbeitern des Fuhramts »nicht ordnungsgemäß zurückgestellt worden«. In einem Fall sei der Container nicht auf den Platz zurückgesetzt worden, von dem er geholt wurde, sondern »mitten in den Anwohnerlaufweg im Hinterhof« gestellt worden.

Fuhramt in der Sache im Recht

Beim zweiten Anwesen sei der Müllcontainer zwar zurück in die Behälterbox gestellt worden, deren Deckel sei jedoch anschließend »weit geöffnet« gewesen. »Die Sache ist so nicht weiter tragbar, dass Sie das Fuhramt bzw. die Stadt Gießen für diese Leistung bezahlen, ich aber eine Teilleistung übernehmen muss, die ich so mit Ihnen nicht vertraglich vereinbart habe und somit berechtigterweise auch nicht vergütet bekomme«, schreibt der Chef des Hausmeisterservice.

Die Folge: Der Eigentümer erhielt vom Objektbetreuer eine Rechnung in Höhe von rund 40 Euro. Möser wiederum wandte sich schriftlich an die Stadtreinigung und schilderte »schwerwiegende Unregelmäßigkeiten«. Er bat um »ordnungsgemäße Müllentsorgung« und um Erstattung der zusätzlich entstandenen Kosten der Hausbetreuung. Zudem verwies er darauf, dass die Stadt auf ihrer Internetplattform mit ihrem »tollen Beschwerdemanagement« wirbt und bat um »eine endgültige Lösung des Problems«.

Doch die ließ auf sich warten. Möser erhielt zwar einige Antworten von der Stadt, doch dabei handelte es sich jeweils um automatisierte Schreiben, die sich nicht mit dem Sachverhalt beschäftigten. »Möglicherweise ist da in der Kommunikation etwas schiefgegangen, das haben wir mittlerweile intern geklärt«, sagte der kommissarische Fuhramtsleiter Pausch dazu auf GAZ-Anfrage. Vor wenigen Tagen erhielt Möser dann tatsächlich elektronische Post aus der Gießener Behörde. Die beginnt mit einer Entschuldigung für die späte Antwort. Auch für die »schlecht erbrachten Leistungen« folgen im Verlauf des Schreibens weitere entschuldigende Worte. Allerdings: »Nach der Abfallsatzung gehört nur das Holen und Zurückstellen des Müllgroßbehälters (1100 Liter) zum Standplatz zu unseren satzungsgemäßen Aufgaben. Zudem sei das Öffnen und Wiederverschließen von Einstellboxen eine Zusatzleistung, »die wir kostenfrei für Sie erbracht haben«. Pausch zählt eine weitere Zusatzleistung auf: Wenn der Standplatz des 1100-Liter-Behälters mehr als zehn Meter entfernt ist, müssen die Mitarbeiter ihn nach der Leerung nicht an ihren Platz zurückstellen. Im vorliegenden Fall, das hat der Amtsleiter vor Ort überprüft, liegt die Distanz bei 16 Metern. Für eine Erstattung des von Möser geltend gemachten Aufwands sieht der Fuhramtsleiter deshalb »keine Grundlage«.

Möser hingegen sieht im Zurückstellen der Tonnen und im Schließen des Deckels der Behälterbox »keinen großen Mehraufwand«. Für ihn ist es normal, einen begonnenen Arbeitsschritt auch zu beenden. Schließlich würde auch ein Arzt eine OP zu Ende führen, »auch wenn er eigentlich um 17 Uhr Feierabend hat«. Am meisten hat sich der Eigentümer aber darüber geärgert, »dass drei Monate lang absolut nichts passiert ist«.

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