Philosophikum

Parkchaos trotz Landesticket?

Freifahrscheine gibt es schon, Leihräder kommen bald. Dennoch fahren viele Studierende und Mitarbeiter mit dem Auto zur Uni Gießen. Auf Straßen und Parkplätzen könnte es bald eng werden.
09. Februar 2018, 06:00 Uhr

Die Studierenden können Bus und Bahn schon seit 15 Jahren mit ihrem Semesterticket nutzen, seit Jahresbeginn genießen alle Uni-Mitarbeiter die Freifahrt per Landesticket. Und ab April stehen 360 Leihräder bereit. Trotzdem kommen nach wie vor sehr viele Menschen mit dem Auto an die Universität. Ein Grund seien schlechte Busverbindungen, hieß es in der Sitzung des Senats der Justus-Liebig-Universität. Eine Buslinie in Uni-Eigenregie sei leider zu teuer. Demnächst drohe vielerorts Parkplatznot wegen der Philosophikum-Sanierung.

Der Anblick des mobilen 750-Plätze-Hörsaals auf dem Gelände des Juridicums als Ausweichdomizil für das Audimax lässt bei Prof. Jens Adolphsen die Alarmglocken schrillen. »Gibt es einen Plan B für den Fall, dass die Studenten alle mit dem Auto kommen? Dann können wir gar nicht mehr parken«, gab der Jurist zu bedenken und trat damit eine Debatte zur Verkehrssituation los.

 

Klage über schlechte Busverbindungen

Adolphsen regte an, die Schranke wieder zu nutzen, die ursprünglich einen Teil des Parkplatzes für Mitarbeiter reservieren sollte. An den Naturwissenschaften am Heinrich-Buff-Ring sind wegen der erwarteten Zunahme des Verkehrs sogar neue Schranken geplant. Ob die an den Rechts- und Wirtschaftswissenschaften wieder in Betrieb genommen werden, stehe noch nicht fest, erläuterte Kanzlerin Susanne Kraus. Sinnvoll seien solche Sperren vor allem da, »wo wir viele Fremdparker haben«.

Nach einer Uni-Analyse zur Nutzung der Parkflächen empfehle sie, das Auto an den Sportwissenschaften abzustellen und über den Kugelberg zur Licher Straße zu gehen. Die Entfernungen seien zu Fuß zu bewältigen: »Gießen ist nicht Berlin.« Vor allem aber wünsche sich das Präsidium die verstärkte Nutzung des Landestickets.

Der Freifahrschein sei eine »fantastische Idee«, die aber nichts nutze ohne entsprechende Infrastruktur, entgegnete Prof. Peter von Möllendorff. Vor allem nach 18 Uhr seien die Verbindungen schlecht, sogar im Stadtgebiet, bekräftigte Prof. Renate Deinzer. Johannes Deinzer nannte es »nicht tragbar«, dass die Linie 10 vom Bahnhof zum Philosophikum 22 Minuten brauche.

 

Zugnutzer verpassen Bus oft knapp

Bei dieser Uni-Ringlinie sind auch die Abfahrzeiten problematisch. Das geht hervor aus einem Antrag, den der Lollarer Malte Eiff jetzt für den Fahrgastbeirat verfasst hat. Wer mit dem Zug nach Gießen kommt, verpasse die 10 oft knapp. Eiff – der die aktuellen Verbesserungen auf dieser Linie ausdrücklich lobt – schlägt einen engeren Takt und veränderte Fahrzeiten vor.

»Ein guter Vorschlag«, sagt Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich auf GAZ-Anfrage. Die Stadt werde ihn »im Hinblick auf weitere anstehende Verbesserungen« überdenken. »Außerdem prüfen wir, ob wir eine weitere Direktverbindung vom Bahnhof zur Rathenaustraße einrichten können. Das ist auch der Wunsch der Universität.« Ob andere Abfahrtzeiten möglich sind, könne die Stadt erst nach detaillierter Prüfung beurteilen.

 

Landesticket-Nutzung kaum spürbar

Kraus sagte, das Land erhebe zur Zeit in einer Befragung die Nutzung des Landestickets. Verbesserungsvorschläge würden einfließen in die weitere Planung. Auf GAZ-Nachfrage zu den Eindrücken in den ersten sechs Wochen erklärten Stadtwerke sowie Rhein-Main-Verkehrsverbund, bisher wirke sich das Landesticket kaum spürbar aus. An einigen Behörden will man etwas weniger volle Parkplätze bemerkt haben. Schätzungen waren davon ausgegangen, dass der Anteil der Landes-Mitarbeiter, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit kommen, nur leicht von 16 auf 18 Prozent steigt.

In Gießen arbeiten rund 13 000 Landesbedienstete, die seit Jahresbeginn Busse und Nahverkehrszüge kostenfrei nutzen können. Der hessenweit gültige Fahrschein mit Freizeit-Mitnahmeregelung war Teil des Tarifabschlusses. Zu den Nutznießern gehören neben Bediensteten der beiden Hochschulen beispielsweise Lehrer, Polizisten oder Mitarbeiter von Justizbehörden und Regierungspräsidium.

"Campus der Zukunft"

Rathenaustraße ab Herbst dicht

Die Umgestaltung des Philosophikums zum »Campus der Zukunft« wird deutlich stärker in die Öffentlichkeit hineinwirken als andere Uni-Baustellen. Spüren werden viele Bürger den zunehmenden Verkehr zwischen den Campusbereichen einschließlich Parkplatzsuche. Profitieren können sie vom Leihradsystem, das ab 1. April von jedem Interessierten genutzt werden kann. Größte Behinderung wird die Sperrung der Rathenaustraße. Die Verbindung zwischen Schiffenberger Tal und Licher Straße wird voraussichtlich ab Oktober für mehr als ein Jahr dicht sein. Danach wird sie nicht mehr wie bisher befahrbar sein, sondern an der neuen Campusmitte – wo sich jetzt ein Zebrastreifen befindet – nur noch als verkehrsberuhigter Bereich mit Tempo 20. Stadt und Uni haben für dieses Frühjahr eine weitere Bürgerversammlung zu der Baumaßnahme angekündigt.

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